31C3: Biometriesysteme lassen sich leicht umgehen

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Auf dem Jahreskongress des Chaos Computer Clubs haben Hacker gezeigt wie sich Fingerabdruckscanner und Iris-Erkennung überlisten lassen. Dafür reichen bereits Fotos aus mehreren Metern Entfernung. Die Schwachstellen bezeichnet das Bundesinnenministerium als “nichts gravierend Neues”.

“Iris-Erkennung ist endgültig kaputt”, sagte Sicherheitsforscher Jan Krissler von der Technischen Universität Berlin, auch bekannt als “starbug” auf dem 31. Jahreskongress (31C3) des Chaos Computer Clubs. Mitglieder haben dort demonstriert wie einfach sich biometrische Sicherheitssysteme wie Fingerabdruck- und Iris-Scanner umgehen lassen.

Im vergangenen Jahr konnten die Hacker die biometrische Sicherheitsfunktion Touch ID des iPhone 5S mit einem von einer Glasoberfläche abfotografierten Fingerabdruck überlisten. Aus den Fotos erstellten sie einen künstlichen Finger. Beim diesjährigen 31C3 konnten sie beweisen, dass nicht einmal ein angefasster Gegenstand nötig ist, um ein solches System auszutricksen.

Wie Krissler erklärt, reiche es Aufnahmen des fraglichen Fingers mit einer normalen Kamera aus einigen Metern Entfernung zu machen. Sogar eine Handykamera sei dafür ausreichend. Er demonstrierte sein Vorgehen mit einer Aufnahme von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen während einer Pressekonferenz. Das Foto ergänzte er mit Bildern aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Mit der frei verfügbaren Software VeriFinger erstellte er einen klaren Abdruck. Dieser ermöglichte eine Fingerattrappe der Bundesministerin, die sich einsetzen ließe, um Sicherheitssysteme zu überlisten oder falsche Fingerabdrücke an einem Tatort zu hinterlassen.

Wahlplakate für die Iris-Erkennung

Die Iris-Erkennung konnten die Hacker sogar noch einfacher umgehen. Dafür reichen ebenfalls gute Fotos aus einigen Metern Entfernung – selbst Wahlplakate verfügen über eine genügend hohe Auflösung. Ein Ausdruck braucht mindestens eine Auflösung von 1200 dpi.

Krissler zufolge können damit auch Lesegeräte bei Grenzkontrollen ausgetrickst werden. Ihm seien keine nicht überlistbaren Geräte bekannt. Darüber hinaus führte er vor, wie sich auch eine auf “Lebenderkennung” setzende Gesichtserkennung mit geringem Aufwand aushebeln lässt. Dabei führte er einfach einen schmalen Bleistift über das vor das Lesegerät gehaltene Bild, um einen Blinzeleffekt vorzutäuschen.

In der schwedischen Stadt Lund ist das Bezahlen per Venenscan möglich. (Bild: Screenshot YouTube-Video "Pay with your hand using vein scanning", LundUniversity)
Als nächstes soll die als sichergeltende Handvenenerkennung genkackt werden. (Bild: Screenshot YouTube-Video “Pay with your hand using vein scanning”, LundUniversity)

Das nächste Ziel von Krissler ist das Aushebeln der Handvenenerkennung. Mit diesem können sich Menschen anhand des Venenmusters ihrer Hand identifizieren. Das Bundesinnenministerium zeigt sich von den Demonstrationen beim 31C3 nicht beeindruckt und hält Zeit Online zufolge weiterhin daran fest, dass Fingerabdrucksysteme sicher seien.

“Nichts gravierend Neues”, machte ein Behördensprecher aus. Auch wenn biometrische Systeme “nicht völlig unüberwindbar” seien, werde das “mindestens aufgefangen durch die Verbesserung der Geräte”. Wie bei Türschlössern komme es auf eine “Kumulation von Sicherheitsvorkehrungen” an – es empfehle sich, Fingerabdruck und andere Identifizierungssysteme zu kombinieren.

[mit Material von Bernd Kling, ZDNet.de]

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