IBMs neuer Mainframe verkraftet 100 Cyber-Mondays

Mit dem z13 positioniert IBM den Mainframe für die App-Economy und vor allem für die wachsende Zahl von Transaktionen, die damit auf die Unternehmen zukommen.

IBM stellt zum ersten Mal seit drei Jahren einen neuen Mainframe vor. z13 adressiert unter anderem mobile Transaktionen. Daneben soll die imposante neue Hardware aber auch die Bedürfnisse von traditionellen Anwendern und hier vor allem von Banken abdecken.

Für IBM ist dieses neue Modell aus der z-Familie in vielerlei Hinsicht ein großer Schritt aber auch ein wichtiges Statement nachdem Verkauf der x86-Server an Lenovo. IBM habe laut eigenen Angaben seit über fünf Jahren an dem neuen Modell entwickelt und das zusammen mit 60 ausgewählten Anwendern. Ein großer Teil dieser Entwicklung der Hardware und des Betriebssystems fand übrigens am deutschen Hauptsitz der IBM in Böblingen so wie an anderen deutschen Standorten statt.

z13. (Bild: IBM)
z13 unterstützt bis zu 8000 virtuelle Server und integriert Analytic-Funktionen in den Server. Darüber hinaus sorgen mehr als 500 patentierte Neuerungen für deutlich mehr Leistung gegenüber dem Vorgänger. Vor allem auf den Einsatz in mobilen Infrastrukturen zielt der Server ab. (Bild: IBM)

Im Zuge dieser Entwicklung wurden mehr als 500 Patente angemeldet und die Entwicklung habe mehr als eine Milliarde Dollar verschlungen, heißt es von IBM. So könne der z13 nun an einem Tag mehr als 2,5 Milliarden Transaktionen bewältigen. Laut IBM entspreche das dem 100-Fachen des Transaktionsvolumens des so genannten Cyber-Mondays.

Dafür sorgt unter anderem auch der neue Mikroprozessor der z13. Der Prozessor soll doppelt so schnell wie die meisten gängigen Serverprozessoren sein und über 300 Prozent mehr Speicher sowie über 100 Prozent mehr Bandbreite und Vektorverarbeitung für Analysen verfügen.

“Durch den Einsatz neuester Technologien wie Flash Memory oder so genannter FPGA-Akzeleratoren bietet die z13 alle Voraussetzungen, um eine Erhöhung des Datendurchsatzes zu ermöglichen”, kommentiert Wolfgang Maier, Leiter der Hardwareentwicklung im deutschen IBM Forschungs- und Entwicklungszentrum. “Desweiteren ist sie durch eine neue in den Prozessor integrierte PCI-Unit (Peripheral Component Interconnect), vergrößerte Caches sowie bis zu 10TB DRAM optimal auf die extrem speicherintensiven Anforderungen neuester Anwendungen vorbereitet.”

Zum ersten Mal integriert IBM eine Analytic-Funktion, die in Echtzeit Einblicke in mobile Transaktionen liefern kann. Im Vergleich zu anderen Ansätzen sei dieser Weg um den Faktor 17 schneller, heißt es von IBM. Mit Hilfe dieser Auswertungen könnten über ein Echtzeit-Scoring beispielsweise Betrugsversuche bei Geschäftsvorgängen schneller und zuverlässiger aufgedeckt werden.

Für die Sicherheit von mobilen Transaktionen trägt auch eine Verbesserung der Echtzeitverschlüsselung bei. Laut IBM verdopple der z13 hier die Leistung von bisherigen Systemen. Das sorge für schnellere Reaktionszeiten bei Anwendern. Für die Leistungssteigerung sorgen unter anderem neue patentierte Verschlüsselungstechnologien.

Daneben bringt der z13 auch Support für Hadoop sowie die Fähigkeit mit, unstrukturierte Daten zu analysieren. Auch für Virtualisierungen eigne sich der neue Mainframe: Bis zu 8000 virtuelle Server auf Basis von Linux, OpenStack oder anderen Plattformen unterstützt der Mainframe.

Das entspricht mehr als 50 virtuellen Servern pro Core. Darüber hinaus sorgt IBM mit der Integration mit Technologien wie MobileFirst, DB2 BLU für Linux, DB2 Analytics Accelerator, SPSS oder MobileFirst Protect bei den Anwendern für mehr Flexibilität. Die IBM MobileFirst-Plattform ermöglicht eine bessere und sicherere Anwendungsbereitstellung. IBM MobileFirst Protect ermöglicht Sicherheit und End-to-End-Management der Infrastruktur der Kunden und der Geräte, Anwendungen, Inhalte und Geschäfte. Mit IBM Predictive-Analytics-Modeling-Technologie und SPSS lassen sich Transaktionen zeitgleich auch stärker personalisieren.

“Jedes Mal, wenn ein Verbraucher einen Kauf tätigt oder einen Vorgang auf seinem Smartphone aktualisiert, kann dies eine Kaskade von Ereignissen und damit Transaktionen im Back-End der Computing-Umgebung auslösen. Die z13 kann Milliarden von Mobile- Transaktionen bewältigen” sagt Andreas Thomasch, Platform Leader System z bei IBM DACH. “Verbraucher erwarten schnelle, einfache und sichere Mobile-Transaktionen. Für Unternehmen bedeutet das die Schaffung einer sicheren und leistungsstarken Infrastruktur mit fortschrittlichen Analyse-Möglichkeiten.”

Der Starburst-Effekt, der durch eine mobile Transaktion ausgelöst wird. (Bild: IBM)
Der Starburst-Effekt, der durch eine mobile Transaktion ausgelöst wird. (Bild: IBM)

IBM-Interne Schätzungen gehen davon aus, dass die Menge an mobilen Transaktionen bis zum Jahr 2025 auf 40 Billionen täglich ansteigen wird.

Auf diese Entwicklung versucht IBM auch mit einer neuen Version des Betriebssytems z/OS eine Antwort zu geben, das der Konzern in einer Vorschau vorstellt. Diese soll vor allem erweiterte Analyse- und Datenserver-Funktionen liefern, wie es von IBM heißt.

Dieses neue Version des Betriebssystems erweitert die Fähigkeit des z13, Analysen in-Memory und über mobile Transaktionen performant und kostengünstig zu verarbeiten und hilft Geschäftskunden, Mainframe-Unternehmensanwendungen auf den Mobile-Nutzer auszuweiten.

Die Kölner Heliox entwickelt Services und Software, um Infrastrukturen für MultiChannel Commerce-Lösungen bereitzustellen. Das Start-up verlässt sich dabei auf die Dienste eines Linux-Servers auf Basis eines Mainframes. “Die Sicherheit und Verfügbarkeit unserer Linux-basierten MultiChannel Commerce-Lösung ist für unsere Kunden sehr wichtig”, erklärt Stefan Willms, Geschäftsführer von Heliox. “So können wir unseren Kunden den besten Service anbieten und uns gleichzeitig auf die Weiterentwicklung unserer Lösung konzentrieren, statt viel Arbeit und Aufwand in die Verwaltung einer komplexen Infrastruktur zu stecken.”

Kunden wie die Heliox GmbH dürften hingegen eher die Ausnahme sein. Für Bestandskunden, vor allem im Finanzsektor dürften Mainframes nach wie vor nicht wegzudenken sein. Für diese wird der Hardware-Refresh eine willkommene Entwicklung sein. Doch angesichts hoher Anfangsinvestionen – die Vorgängermodelle konnten bis zu einer Million Dollar kosten – prüfen potentielle Neukunden sehr genau, ob die Geschäftsziele nicht auch auf dem Rücken von Standard-Servern günstiger erreicht werden können. Dennoch, Unternehmen, die bereits heute einen Mainframe einsetzen, leiden zwar häufig unter einem Modernisierungsstau, gehen jedoch in der Mehrzahl davon aus, auch in den nächsten Jahren auf dem Mainframe zu bleiben, wie eine Studie von VansonBourne zeigt. Der neue z13 wird ab dem 9. März offiziell verfügbar sein. Weitere Funktionen wie GDPS for Linux on z (SOD) oder auch die Linux-Virtualisierung KVM for z Systems wird im Verlauf des Jahres folgen. Wie Andreas Thomasch, Platform Leader System z bei IBM in München vor Journalisten erklärt, verfolge IBM damit auch eine Öffnung des Mainframes hin zu Linux. “Damit senken wir aber auch die Lernkurve für Anwender, denn Linux-Skills sind bereits in den Meisten Unternehmen schon vorhanden”, erklärt Thomasch.

 

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Info-Grafik Mainframe App-Economy. (Grafik: IBM)