Update: Geheimdienste hacken größten SIM-Karten-Hersteller

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Neue Snowden-Dokumente: NSA und GCHQ stehlen aus dem Netzwerk von Gemalto die Schlüssel für die Mobilfunkverschlüsselung. Damit sind sie in der Lage, unbemerkt Telefone abzuhören. Die Geheimdienste gründeten für den Angriff eine gemeinsame Abteilung. Gemalto untersucht mit Hochdruck den Fall.

Der weltgrößte Hersteller von SIM-Karten Gemalto gehört zu den Opfern eines Angriffs durch den US-Auslandsgeheimdienst National Security Agency (NSA) und dem britische Nachrichtendienst Government Communications Headquarters (GCHQ). Die Dienste brachen in das Netzwerk des Konzerns ein und entwendeten die Schlüssel, die zur Verschlüsselung der Kommunikation von Handynutzern verwendet werden. Das berichtet The Intercept und beruft sich dabei auf Unterlagen des Whistleblowers Edward Snowden.

NSA und GCHQ gründeten für den Angriff auf Gemalto eine gemeinsame Abteilung. Der SIM-Kartenhersteller sitzt in den Niederlanden und unterhält Niederlassungen in 44 Ländern. Rund 1,5 Milliarden Nutzer verwenden dessen Produkte. Gemalto vertreibt nicht nur Chips für SIM-Karten, sondern auch welche für Kreditkarten sowie Sicherheitssoftware und zugehörige Produkte.

Logo Gemalto (Bild: Gemalto)
Gemalto ist der weltgrößte Hersteller von SIM-Karten und beliefert nach eigenen Angaben 450 Telekommunikations-Anbieter. (Bild: Gemalto)

Gemalto soll etwa zwei Milliarden SIM-Karten pro Jahr produzieren. Dabei verfügt jede Karte über einen individuellen Schlüssel zur Identifizierung eines Teilnehmers. Wie das Unternehmen mitteilt, nutzten 450 Telekommunikations-Anbieter weltweit SIM-Karten von Gemalto, darunter AT&T, T-Mobile USA, Verizon und Sprint. In Deutschland verwenden unter anderem Barclaycard, die Deutsche Bahn und Audi die Produkte des Unternehmens.

Der Bericht von The Intercept basiert auf ein Dokument aus dem Jahr 2010. Die Geheimdienste sollen mit dem gestohlenen Schlüssel die Möglichkeit gehabt haben, einen großen Teil der mobilen Sprach- und Datenkommunikation weltweit abzuhören.

Telefonüberwachung ohne Genehmigung

Die meisten Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden können zwar Mobiltelefone auch ganz legal per Gerichtsbeschluss überwachen, aber mit den Schlüsseln sind sie in der Lage, dies auch zu machen, ohne Spuren zu hinterlassen. Außerdem müssen sie sich nicht erst einen Durchsuchungsbefehl oder eine andere Art von Genehmigung besorgen, um auf verschlüsselte Kommunikation zugreifen zu können.

Aus dem Bericht geht hervor, dass Gemalto keine Kenntnis von dem Einbruch in das Netzwerk hatte. Paul Beverly, Executive Vice President bei Gemalto, habe den Vorfall als “verstörend” und “recht beunruhigend” bezeichnet.

NSA Logo (Bild: NSA)
Die NSA kann mit den gestohlenen Schlüsseln Telefone auch ohne Genehmigung überwachen und hinterlässt dabei auch keine Spuren. (Bild: NSA)

Ein in den Dokumenten enthaltener 24-seitiger Bericht mit dem Datum 27. April 2010 beschreibt ein automatisches Verfahren, um die Zahl der Schlüssel, die die Geheimdienste abgreifen können, zu erhöhen. Demnach fängt es die Schlüssel bei der Übertragung zwischen Netzwerkbetreiber und SIM-Kartenhersteller ab und extrahiert sie dann automatisch, was deutlich bessere Ergebnisse liefere als die “aktuellen Methoden”.

Auch ohne Kenntnis des Schlüssels sind Mobiltelefonate nicht abhörsicher. Der deutsche Sicherheitsexperte Karsten Nohl präsentierte im Dezember eine Schwachstelle, um über UMTS geführte Gespräche abzuhören und auch SMS mitzulesen. Schon im Juli 2013 hatte Nohl vor einer Lücke in der für SIM-Karten verwendeten Verschlüsselungstechnik gewarnt, die den 56-stelligen digitalen Schlüssel einer Karte preisgab.

+++ Update: 20.02.2015, 11:45 +++

Gemalto erklärte in einer Pressemitteilung, dass es die Berichte über einen Angriff durch die NSA und dem GCHQ nicht bestätigen kann und auch im Vorfeld einer möglichen Operation darüber keine Kenntnis hatte.

Der SIM-Kartenhersteller nehme die Berichte sehr ernst und wolle alles tun, um einen möglichen Angriff aufzuklären, heißt es weiter. In den vergangenen Jahren habe es zahlreiche Versuche von Hackern registriert. Eine Verbindung zu Angriffen durch Geheimdienste könne es aber bislang nicht feststellen.

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

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