Linux-Entwicklung soll beleidigungsfrei werden

EntwicklerProjekte

“Wir sind alle Menschen”: Mit einem neuem Ansatz soll die Entwicklung des Linux-Kernels künftig reibungsfreier als bisher ablaufen.

Ein demokratischer Entwicklungsprozess wie er bei dem Linux-Kernel-Projekt praktiziert wird, bringt zwangsläufig Konfliktpotential mit. Manchmal schaukeln sich aber die Argumente zwischen den Entwicklern hoch und so wird über die Linux Kernel Mailing List (LKML) wird daher erbittert diskutiert und gestritten.

Ein kurzer Text soll für mehr Sachlichkeit in der Diskussion für den besten Linux-Code sorgen. (Bild: Kernel.org)
Der kurze Text “Code of Conflict” soll für mehr Sachlichkeit in der Diskussion für den besten Linux-Code sorgen. (Bild: Kernel.org)

Nun soll eine neue ‘Methode‘ dabei helfen, die Konflikte beizulegen. “Die Linux-Kernel-Entwicklung ist ein sehr persönlicher Prozess, im Vergleich zu anderen ‘traditionellen’ Wegen, eine Software zu entwickeln”, heißt es in dem “Code of Conflict”. Die eingebrachten Ideen würden stets mit Sorgfalt geprüft, häufig führe das aber auch zu Kritik. Zudem müsse geteilter Code nahezu immer modifiziert werden, bevor er in den Kern übergehen könne. “Wir wissen auch, dass jeder Beteiligte nur deshalb macht, weil er die beste Lösung für den Erfolg von Linux will.” Es habe sich gezeigt, dass auf diese Weise der stabilste Linux-Kernel aller Zeiten entstanden ist und niemand habe die Absicht die Qualität der Vorschläge oder des Gesamtergebnisses herabzusetzen.

Die Verhaltensregel stammt von dem führenden Kernel-Entwickler Greg Kroah-Hartman und wurde inzwischen von mehr als 60 Entwickler und auch von Linus Torvalds selbst unterzeichnet.

Man muss in der Mailing-List nicht lange suchen, bis man auf Auseinandersetzungen zwischen den Entwicklern stößt, bei denen auch nicht mit markigen Worten gespart wird. Berühmtestes Beispiel dafür ist der Linux-Schöpfer Linus Torvalds selbst, der häufig kein Blatt vor den Mund nimmt.

Auch die Kritik des Red Hat Entwickler Lennart Poettering, der das umstrittene systemd propagierte, hatte schließlich Torvalds öffentlich kritisiert, weil dieser angeblich Hassattaken fördere. Offenbar will man nach diesem Vorgang solchen Auseinandersetzungen den Wind aus den Segeln nehmen. Die Diskussionen sollten sich auf die technologische Seite beschränken und auch die Seite der Code-Reviewer sei nicht gegen Frustrationen geschützt, heißt es daher in dem kurzen Text.

Wer sich nun angegriffen oder ausgenutzt fühle, der ist aufgerufen, das Advisory Board der Linux Foundation zu informieren. Dieses Gremium werde sich dann für eine Lösung des Problems einsetzen: http://www.linuxfoundation.org/programs/advisory-councils/tab

“Wir glauben, dass diese Guidelines in der Kultur und in dem Prozess gründen, die Linux so erfolgreich gemacht haben”, so Jim Zemlin, Executive Director der Linux-Foundation in einem Blog. “Konflikte über Code werden und sollen möglich sein. Aber der Verhaltens-Codex macht auch klar, dass persönliche Beleidigungen oder Missbräuche hier nicht willkommen sind.”

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