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IBM-Tools für Twitter-Auswertung

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Auf Basis der künstlichen-Intelligenz-Lösung Watson und des Frameworks BlueMix zeigt IBM auf der CeBIT zum ersten Mal kommerziell verfügbare Datendienste, die aus dem Micro-Blogging-Service Twitter Erkenntnisse destillieren, die laut IBM anderweitig nicht zu erheben sind.

Nach dem IBM und Twitter im zurückliegenden Herbst eine Kooperation bekannt gegeben haben, stellt IBM auf der CeBIT 2015 zum ersten Mal konkrete Daten-Dienste aus der Cloud vor. So sollen mit Hilfe der KI-Lösung Watson beispielsweise Trends aus den Mitteilungen der Nutzer ausgelesen werden können. Auch sollen Unternehmen durch die Analyse Kundenwünsche besser erkennen können.

Wie IBM mitteilt, würden täglich rund 500.000 Tweets abgesetzt. Inzwischen sei das Unternehmen so weit, diese Masse an Nachrichten zu verstehen. Zum ersten Mal könnten damit Unternehmen etwa aus dem Einzelhandel oder dem Gesundheitswesen oder auch aus der Telekommunikation Erkenntnisse über Kunden gewinnen, die vorher so nicht möglich gewesen seien, wie es von IBM dazu heißt. Mehr als hundert Anwender habe IBM für die beiden Dienste bereits gewinnen können.

IBM BigInsights Cloud wertet Twitter-Daten aus. (Bild: IBM)
IBM BigInsights Cloud wertet jetzt auch Twitter-Daten aus und liefert entsprechende Konfigurationen. (Bild: IBM)

Die automatische Datengewinnung und deren Analyse ermöglicht es Watson Analytics, Twitter-Daten unmittelbar in jedes Projekt zu integrieren. Dadurch können versteckte inhaltliche Muster und Beziehungen identifiziert werden, um Entwicklungen zu erklären und vorherzusagen.

IBM und Twitter stellen dazu den neuen IBM Service “IBM Insights for Twitter” in Bluemix derzeit noch als Beta bereit. Über die Cloud können Unternehmen und Entwickler Twitter Inhalte durchsuchen und mit Data-Mining-Erkenntnissen zusammenführen. Der zweite Service ist der Big-Data-Hadoop-Service IBM BigInsights on Cloud, der für Twitter vorkonfiguriert ebenfalls über Bluemix verfügbar ist. Damit lassen sich die Twitter-Daten auch mit Hadoop-as-a-Service integrieren. Über diese Daten könnten Anwenderunternehmen beispielsweise bessere Produkte oder Dienstleistungen aufsetzen.

Die Twitter-‘Roh’-Daten aber seien für sich genommen nur bedingt verwertbar, versichert IBM. IBM reichert diese Daten zudem mit mit Informationen aus öffentlichen und geschäftsinternen Quellen, wie etwa Wettervorhersagen, Absatzzahlen oder dem Produktbestand an. Damit können dann Korrelationen aufgedeckt und Erkenntnisse für den Geschäftsalltag abgeleitet werden.
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Als Beispiele für die ersten Möglichkeiten, die Partnerschaft von IBM und Twitter ermöglicht, nennt IBM die Vorhersage von Vetragskündigungen.
Telekommunikations- und Medienunternehmen verfügen über komplexe Analysemodelle, um Fluktuationsraten bei Kunden zu erklären oder vorherzusagen. Die Kombination von Twitter- und Wetterdaten hatte gezeigt, dass Kündigungen mit dem Wetter in Verbindung zu bringen sind. Wenn beispielsweise heftige Regenfälle die Netzleistung von Telekommunikationsunternehmen beeinträchtigen, twitterten Kunden darüber schon, noch bevor sie den Kundenservice verständigten.

Ein weiteres Beispiel ist das Erklären der Mitarbeiterfluktuation im Einzelhandel. Personalwechsel im Verkauf haben direkten Einfluss auf die Zufriedenheit auch von loyalen Kunden. IBM Analyse-Modelle haben gezeigt, dass Kunden über ihre Beziehungen zu Verkäuferinnen und Verkäufern im Lebensmitteleinzelhandel twittern. Verlässt einer der Verkäufer das Unternehmen, zeigt sich, dass Kunden häufig negativ darauf reagieren und Einkäufe in anderen Ladenlokalen tätigen.

Mit der Twitter-Analyse sollen sich zudem Modetrends vorhersagen lassen. Durch die Auswertung von Twitter-Inhalten einflussreicher Mode-Blogger sowie Verkaufszahlen und den Marktanteilen von Modeunternehmen konnte IBM erklären, warum sich manche Produkte gut verkaufen und andere nicht.

Bei der Entwicklung dieses Services war auch das deutsche IBM Entwicklungszentrum in Böblingen bei Stuttgart erheblich beteiligt. Die IBM-Niederlassung dort lieferte für diesen Service den Prototypen und die Analyseplattform sowie im Verbund mit kanadischen Kollegen den Service. Auch verschiedene Analyseschritte, die durch automatische Sprachverarbeitung in mehreren Sprachen die Stimmung eines Tweets sowie Geschlecht und Familienstand des jeweiligen Autors erkennen, stamme ebenfalls aus Böblingen. Die Analyseplattform könne mehr als 10.000 Tweets pro Sekunde empfangen, analysieren und für Kunden bereitstellen, heißt es von IBM.

Udo Hertz, Leiter des Bereichs Analytics im Entwicklungszentrum: “Wir haben in unserem Team langjährige Erfahrung bei den Themen Social Media Analytics und Cloud. Deshalb konnten wir innerhalb kürzester Zeit die Idee zu einem Konzept, den notwendigen Technologien sowie einem marktfähigen Service entwickeln.”

Martin Schindler schreibt nicht nur über die SAPs und IBMs dieser Welt, sondern hat auch eine Schwäche für ungewöhnliche und unterhaltsame Themen aus der Welt der IT.

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