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iPaaS im Internet of Things und Multi-Cloud

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Was haben die Begriffe Schnittstellen (APIs), Integration und Komplexität gemeinsam? fragt René Büst, Senior Analyst, Crisp Research AG, und gibt auch gleich die Antwort: Alle drei wachsen während eines IT-Projektes unzertrennlich miteinander zusammen. Zusammen mit IoT und Multi-Cloud-Umgebungen potentiere sich aber die Komplexität.

Oft als Schnittstellenproblematik abgetan, sorgen Integrationsprojekte zwischen zwei oder mehreren IT-Systemen zu Verzögerungszeiten oder gar dem Scheitern des gesamten Projektes. Was sich, je nach Unternehmensgröße, innerhalb einer On-Premise-Umgebung meistens noch auf eine relativ überschaubare Anzahl von Anwendungen beschränkt, skaliert durch den Einsatz von mehreren Cloud-Services und mit dem Aufkommen des Internet of Things (IoT) auf ein Übermaß an Integrationskomplexität.

Der sich ständig vergrößernde Einsatz von Cloud-Services und –Infrastrukturen über unterschiedliche Anbieter (Multi-Cloud) hinweg macht einen zentralen Ansatz notwendig, um zum einen den Überblick zu bewahren. Zum anderen, um eine nahtlose Integration zwischen allen Cloud-Ressourcen und ggf. der On-Premise-Umgebung sicherzustellen, um keine System- und Datensilos entstehen zu lassen. Denn die Vielfalt an Angeboten und Services aus der Cloud nimmt unaufhörlich zu.

Unterstützt von der Cloud verkörpert das Internet of Things und sein industrieller Ableger – das Industrial Internet – eine noch viel größere Dimension. Cloud-Infrastrukturen und –Plattformen bilden die ideale Basis für IoT-Services und IoT-Backends und werden zu einem explosionsartigen Anstieg von IoT-Geschäftsmodellen führen. Dies wird in einem Markt von ständig neuen Endgeräten, Sensoren und IoT-Lösungen enden, dessen Vielfalt und Potential nicht absehbar ist. Allerdings wächst damit auch der Bedarf an Integration. Schließlich ergibt erst die Verknüpfung verschiedener IoT-Services und Endgeräte einen tatsächlichen Mehrwert. Gleichzeitig müssen Analytics-Systeme Zugriff auf die gesammelten Daten über unterschiedliche Quellen erhalten um diese auszuwerten und verknüpfen zu können.

Dieser Zugriff erfolgt typischerweise über die APIs der Cloud- und IoT-Services, wodurch der oftmals genutzte Begriff der API-Economy immer weiter in den Fokus rückt. Um den Zugriff zu steuern und die Integration, Kontrolle und das Management in der Cloud und dem Internet of Things sicherzustellen haben sich Integration Platform-as-a-Services (iPaaS) als mögliche Kandidaten herausgestellt.

iPaaS und API Economy: It’s all about the API

 

Anwendungsintegration oder auch Enterprise Application Integration (EAI) war der zentrale Anker im Zeitalter der Client-Server-Kommunikation, um die Geschäftsprozessintegration innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette ganzheitlich sicherzustellen. Der Fokus liegt hierbei insbesondere auf dem engen Zusammenspiel einer Vielzahl von Anwendungen, die über mehrere unabhängig voneinander betriebene Plattformen verteilt sind. Das Ziel: die einheitliche und integrierte Abbildung sämtlicher Geschäftsprozesse in IT-Anwendungen und damit die Vermeidung von Datensilos.

Mit dem Übergang in das Cloud-Zeitalter wandelt sich jedoch ebenfalls das Einsatzverhältnis von On-Premise Schnittstellen hin zur vorwiegenden Nutzung von APIs (Application Programming Interfaces). Schließlich stellt nahezu jeder Cloud- und Web-Services Anbieter auf Basis von REST- oder SOAP-APIs Schnittstellen zur Verfügung, die es ermöglichen die Services in der eigenen Programmlogik bzw. Applikation zu integrieren, um direkt von externen Funktionen zu profitieren. Mit dem steigenden Einsatzgrad von Cloud-Services und dem immer größer werdenden Momentum des Internet of Things wird auch die Bedeutung von APIs rasant zunehmen.

API-Economy

Dies spiegelt sich in den „Cloud Natives“ unter den Internet-Unternehmen wider. Für Player wie Salesforce, Twitter, Google, Facebook, Amazon und  Amazon Web Services, sind eigene APIs ein zentraler Wettbewerbsfaktor und die Lebensader des geschäftlichen Erfolgs. Alle genannten Anbieter haben ein API-Ökosystem um sich herum geschaffen, welches Kunden und Partner wiederum nutzen, um auf dieser Basis eigene Angebote zu entwickeln.

iPaaS in der App-Economy. (Bild: Crisp)

In diesem Zusammenhang wird gerne der Begriff der “API-Economy” verwendet. Dieser beschreibt die wachsende Wirtschaftskraft von APIs. Dank Mobile, Social Media und nicht zuletzt auf Grund von Cloud-Services sind APIs nicht mehr nur unter Entwicklern bekannt, sondern finden immer mehr den Weg auf den Notizzettel von Entscheidern, die deren finanziellen Einfluss erkannt haben. Anbieter von Services profitieren typischerweise von APIs durch:

  • die Vermarktung von (Premium)-Funktionen innerhalb eines kostenlosen Service.
  • das (kostenpflichtige) Teilen von Inhalten über eine Anwendung von Partnern.

IT-Entscheider wiederum profitieren von der API-Economy indem Ihnen ein quasi endloser Raum von Applikationen und Services zur Verfügung steht, mit dem sie ihre eigenen Webseiten, Anwendungen und Systeme um weitere Funktionen erweitern können, ohne diese Funktionalität selbst entwickeln zu müssen oder gar zu betreiben und zu warten. Weiterhin ermöglichen APIs Partnern, Kunden und Communities den einfachen Zugriff auf eigene Anwendungen, Daten und Systeme, um als Unternehmen selbst Teil der API-Economy zu werden.

All das funktioniert über vermeintlich “simple” API-Aufrufe. Wie immer steckt der Teufel jedoch im Detail. Das Thema Integration und API-Management nimmt in der API-Economy einen großen Stellenwert ein.

iPaaS = Integration Platform-as-a-Service

In diesem Kontext sind im Laufe der letzten Jahre Anbieter entstanden, die sich auf das Management und die Integration unterschiedlicher Services auf API-Ebene spezialisiert haben. Bei diesen sogenannten Integration Platform-as-a-Services (iPaaS) handelt es sich um Cloud-basierte Integrationslösungen (vor der Cloud auch als „Middleware“ bezeichnet), die bei der Interaktion zwischen unterschiedlichen Cloud-Services unterstützen. Entwickler und Unternehmen erhalten damit die Möglichkeit, eigene „Integration Flows“ zu entwickeln, über die mehrere Cloud-Services untereinander oder aber auch mit On-Premise Anwendungen verbunden werden.

Der iPaaS-Markt teilt sich in zwei Lager auf: Die jungen wilden Startups und die renommierten IT-Größen, die ihre Portfolios weiter aus- bzw. umgebaut haben. Zu potentiellen iPaaS-Anbietern zählen (Auszug):

 

  • 3scale

Die 3scale Plattform setzt sich aus zwei Ebenen zusammen. Dem API Program Management, das einen Überblick und Informationen zu allen eingesetzten APIs bietet und dem API Performance Management, welches den API-Traffic sowohl in der Cloud als auch in On-Premise Infrastrukturen analysiert. Zusammen ermöglichen sie die Kontrolle und das Management des API-Traffic innerhalb der eigenen System- und Applikations-Architektur.

  • Elastic.io

Der elastic.io iPaaS lässt sich sowohl als Cloud-Service als auch als On-Premise-Installation für die eigene Infrastruktur einsetzen. Anhand der Programmiersprachen Node.js, Java und JSON stellt elastic.io eine Entwicklungsumgebung bereit, mit der sich unterschiedliche Cloud-Services aus den Bereichen CRM, Finanzen, ERP und eCommerce miteinander verbinden lassen, um die Datenintegrität sicherzustellen. Dafür notwendige Konnektoren stehen u.a. für SAP, SugarCRM, Zendesk, Microsoft Dynamics, Hybris und Salesforce zur Verfügung.

  • SnapLogic

Der SnapLogic iPaaS steht als SaaS-Lösung zur Verfügung und hilft bei der Integration von Daten aus Cloud-Services sowie beim Zusammenspiel von SaaS-Applikationen untereinander und mit On-Premise Anwendungen. Die SnapLogic Plattform stellt hierzu fertige Konnektoren (Snaps und Snaplex) bereit, mit denen sich die Integration und die Datenverarbeitung vornehmen lassen. Mit seinem Service fokussiert sich der Anbieter primär auf das Internet of Things, um Daten, Applikationen und Endgeräte darüber miteinander zu vernetzen.

  • Software AG

Zu den zentralen Bestandteilen des Software AG iPaaS-Portfolios gehören webMethods Integration und webMethods API-Management. Der webMethods Integration Backbone lässt hierzu unterschiedliche Cloud-, Mobile-, Social- und Big Data-Services, sowie weitere Lösungen von Partnern über ein B2B-Gateway miteinander interagieren. Das webMethods API-Management umfasst alle Aufgaben, um den Überblick und die Kontrolle über die eigenen und extern genutzten APIs zu behalten. Zum Funktionsumfang gehören u.a. das  Design, die Entwicklung, Katalogisierung und die Versionsverwaltung.

  • Informatica

Das Informatica Cloud Integration Portfolio umfasst ein umfangreiches Service-Angebot, welches speziell auf Unternehmenskunden ausgerichtet ist. Hierzu gehört der Informatica Cloud iPaaS, der die bidirektionale Synchronisation von Objekten zwischen Cloud und On-Premise Applikationen, als auch die Replizierung von Cloud-Daten und die Automatisierung von Geschäftsprozessen übernimmt. Die Integration Services unterstützen bei der Zusammenführung verschiedener Cloud- und On-Premise Applikationen, um operative Daten in Echtzeit zu integrieren, verarbeiten und auszuwerten.

  • Unify Circuit

Primär handelt es sich bei Unify Circuit um eine SaaS-basierte Collaboration Suite die Voice, Video, Messaging, Screen- und Filesharing vereint und in sogenannten „Conversations“ organisiert ist. Auf dem zweiten Blick führt Unify jedoch eine neue PaaS-Klasse ein – den cPaaS (Collaborative Platform-as-a-Service). Dabei handelt es sich um einen iPaaS, der sowohl PBX, SIP und externe Cloud-Services wie Box.com, Salesforce oder Open-Xchange in eine einheitliche Collaboration-Plattform zusammenführt. Die Daten bleiben jeweils bei den entsprechenden externen Partnern gespeichert und werden zur Laufzeit auf der Plattform zusammengeführt.

IoT und Multi-Cloud: Nur offenen Plattformen gehört die Zukunft

Offenheit ist in der IT und speziell im Internet ein viel diskutiertes Thema. Die Vergangenheit oder vielmehr Google haben uns gelehrt: nur einer offenen Plattform gehört die Zukunft. Dabei handelt es sich nicht um eine Offenheit die zwangsläufig im Kontext offener Standards diskutiert werden sollte – auch oder gerade Google hat diverse proprietäre Implementierungen, z.B. die Google App Engine.

Google hat es aber verstanden, sich im Laufe seines Lebenszyklus als offene Plattform aufzustellen. Wichtig: Offenheit im Zusammenhang mit einem Zugang zu seinen Services über APIs. In seinem Buch „What Would Google Do?“ illustriert Jeff Jarvis wie Google auf Basis seiner Plattform andere Unternehmen dazu befähigt hat, eigene neue Geschäftsmodelle und Mashups aufzubauen. Dies selbstverständlich nicht ohne Grund. Diese Art von Offenheit und dem richtigen Einsatz der API-Economy hat zu einer schnellen Verbreitung geführt und lässt bei Google – über Werbung – die Kassen klingeln.

Unternehmen wie Unify sind zwar immer noch weit davon entfernt, um mit der Google-Plattform verglichen zu werden. Jedoch haben die Unify-Entscheider scheinbar erkannt, dass nur ein offener Architektur-Ansatz helfen wird, das Unternehmen von einem Anbieter integrierter Kommunikationslösungen, zu einem Cloud-Integration Provider zu drehen und ein Teil der API-Economy zu werden. Hierzu führt Unify Circuit nicht nur externe Cloud-Services auf seiner Collaboration-Plattform zusammen, sondern ermöglicht es Entwicklern ebenfalls, die Kernfunktionen seines Circuit-Portfolios zum Beispiel Voice und Video als Mashup in eigene Web-Applikationen zu integrieren.

Aus CIO-Perspektive ist das Thema Integration essentiell, um System- aber vor allem Datensilos zu vermeiden. Für den erfolgreichen Unternehmenseinsatz ist es daher entscheidend, dass sich Cloud-, IoT- und Industrial Internet-Services miteinander aber vor allem in die bereits bestehenden Systeme ohne großen Aufwand integrieren lassen, so dass die Geschäftsprozesse vollständig und performant unterstützt werden. Denn eine nicht ganzheitlich vorgenommene Integration mehrerer und unabhängiger Einzelsysteme kann zu einer Beeinträchtigung des Gesamtprozesses führen.