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Fukushima mit 48.000 XP-Rechnern

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Am falschen Ende gespart: Erst 2018 wollte der Fukuschima-Betreiber Tepco XP austauschen und damit knapp 28 Millionen Euro einsparen. Ein Supergau reicht offensichtlich nicht.

48.000 PCs mit Windows XP hat Tokyo Electric Power Company (Tepco), der Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi noch im Einsatz. In dem Kraftwerk kam es aufgrund eines starken Erdbebens zu mehreren Reaktor-Unfällen. Nachdem Microsoft das Betriebssystem seit mehr als einem Jahr nicht mehr unterstützt, stellt das ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Jetzt berichtet die Japan Times, dass die japanische Rechnungsprüfungsbehörde Board of Audit das inzwischen verstaatlichte Unternehmen aufgefordert hat, die betroffenen Systeme kurzfristig auf eine aktuelle OS-Version zu migrieren.

Der inzwischen Energiekonzern hatte sich nach der Atomkatastrophe vor vier Jahren dazu entschlossen, Windows-XP-Systeme noch bis 2018 zu nutzen. Dadurch sollten dem Bericht zufolge 3,6 Milliarden Yen – umgerechnet etwa 27,9 Millionen Euro – eingespart werden. Die Aufräumarbeiten im betroffenen Kraftwerk sowie der radioaktiv verseuchten Umgebung werden Tepco wahrscheinlich mehrere Milliarden Dollar kosten.

“Die Computersysteme müssen so schnell wie möglich aktualisiert werden, und das Unternehmen darf das angesichts der Sicherheitsrisiken nicht weiter verzögern”, zitiert die Japan Times aus einem Untersuchungsbericht des Board of Audit, der Tepco schon seit März vorliegen soll.

Ein Tepco-Sprecher habe dazu am Dienstag mitgeteilt, das Unternehmen habe inzwischen von sich aus entschieden, den Termin für die Umstellung aus Sicherheitsgründen vorzuziehen. Bis wann der Austausch abgeschlossen sein soll, teilte das Unternehmen jedoch nicht mit.

Microsoft hatte den Support für Windows XP am 8. April 2014 eingestellt. Seitdem erhält das Betriebssystem keine Sicherheitsupdates mehr. Trotzdem ist es laut Zahlen von Net Applications immer noch das zweitpopulärste Betriebssystem weltweit, hinter Windows 7 und noch deutlich vor Windows 8.1.

Auch hierzulande sind noch zahlreiche Windows-XP-Rechner im Einsatz. Vor knapp zwei Wochen hatte der Berliner Datenschützer die Stadtverwaltung aufgefordert, 28.000 XP-Rechner abzuschalten, nachdem auch die kostenpflichtige Support-Verlängerung durch Microsoft abgelaufen war. Ein Berliner Innensenator empfiehlt den verschiedenen Behörden der Stadtverwaltung, die XP-Rechner nicht mit dem Internet zu verbinden.

Zuletzt hatte auch Google auf den immer noch hohen Marktanteil von Windows XP reagiert und den Support seines Browsers Chrome für das 13 Jahre alte OS bis Ende 2015 verlängert. Auch Mozilla unterstützt derzeit noch bestimmte Versionen von Windows XP. Microsofts eigener Browser Internet Explorer muss indes aufgrund der seit zwölf Monaten fehlenden Sicherheitspatches als unsicher eingestuft werden. Oracle bietet zwar keinen offiziellen Support mehr für XP. Die neueste Java-Version lässt sich aber inzwischen unter dem 2001 erschienen Betriebssystem installieren.

Zudem besteht für Windows-XP-Anwender die Möglichkeit, mit einem simplen Registry-Hack auch weiterhin Updates für ihr Betriebssystem zu erhalten. Durch eine Modifikation der Windows-Systemdatenbank gibt sich XP als Embedded POSReady 2009 aus und profitiert dadurch vom bis 2019 andauernden Support der für Automaten optimierten XP-Variante. Diese ist zur Standard-Version kompatibel, sodass sich Updates unter XP installieren lassen. Allerdings funktioniert das nicht mit jedem XP-Rechner, wohl aber mit den allermeisten. Auch die in der ZDNet-Redaktion genutzte virtuelle Maschine auf Basis von XP akzeptiert die Aktualisierungen für POSReady-Systeme fast einem Jahr anstandslos. Selbst die Freak-Lücke hat Microsoft mit dem Update KB3046049 für das 2001 erschienene Betriebssystem geschlossen. Letzteres steht dem aktuellen Mobilbetriebssystem Windows Phone 8.1 noch bevor.

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Martin Schindler schreibt nicht nur über die SAPs und IBMs dieser Welt, sondern hat auch eine Schwäche für ungewöhnliche und unterhaltsame Themen aus der Welt der IT.

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