Kartelluntersuchung bei Oracle in Südkorea  

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Die Praxis, neue Software-Angebote im Bündel mit Support anzubieten, sieht die Kartellbehörde Südkoreas als möglichen Wettbebwerbsverstoß.

Südkoreanische Behörden haben eine kartellrechtliche Untersuchung Oracles gestartet. Dabei geht es vor allem um die Praxis, dass Oracle neue Software-Angebote mit Maintenance-Verträgen bündelt, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Wie Hwang Won-chul, Direktor der Koreanischen Wettbewerbsbehörde gegenüber Reuters erklärt, werde auch das Abrechungsmodell der Maintenance-Verträge die der IT-Konzern anbietet, untersucht. Demnach müssen sich Oracle-Anwender dazu verpflichten, für alle Oracle-Produkte, die eingesetzt werden, Maintenance-Services von Oracle einzukaufen. Eine Auswahl von Maintenance für einzelne Produkte ist nicht möglich. Derzeit liegt von Oracle keine Stellungnahme zu der Untersuchung vor.

Segel-Krimi beim America´s Cup. Quelle Team Oracle
Das Kartellamt von Südkorea führt derzeit die weltweit erste Untersuchung gegen Oracles Geschäftspraxis durch. (Quelle Team Oracle)

Es sei noch nicht entschieden, ob die Wettbewerbsbehörde, Sanktionen gegen Oracle ausspricht. Mit einem finalen Urteil wird im Juni oder Juli gerechnet. Sollten sich die Vorwürfe als begründet herausstellen, drohen Oracle eine Geldstrafe von bis zu 3 Prozent des Umsatzes oder andere Auflagen.

Laut Korea Bizwire richtet sich die Untersuchung vor allem auf die Datenbank-Management-Systeme von Oracle (DBMS). Wenn Oracle Patches für die Oracle-Datenbank verkauft, werde dem Anwender auch die neueste Version der Datenbank verkauft. Dadurch entstehe ein “Lock-In” für Anwender auf Oracle-Produkten, die ansonsten vielleicht andere Systeme verwenden würden.

Laut dem Behörden-Sprecher  Shin Young-son werde für viele Unternehmen Oracles Politik, des “Alles oder Nichts” zu einem Problem. Denn häufig würden Anwender verschiedene Management-Systeme verwenden. Und wenn eines dieser Systeme Maintenance braucht, dann liefere und berechne Oracle Services für alle Systeme. Dadurch würde der freie Wettbewerb eingeschränkt und Konkurrenten würden aus dem Markt gedrängt. Außerdem verfüge Oracle über eine Marktbeherrschende Position und sei daher in der Lage, die Preise für Services anzuheben, so dass den Anwendern dadurch wirtschaftlicher Schaden entstehe.

Wie eine Umfrage unter deutschen Oracle-Nutzern gezeigt hat, sind vor allem kleinere Anwender häufiger mit den Service-Leistungen von Oracle unzufrieden.

In Südkorea konnte Oracle den Marktanteil in den vergangenen Jahren von 40 auf 60 Prozent steigern und rund 60 Prozent der Umsätze in Korea, Oracle setzt hier schätzungsweise 760 Millionen Dollar um, stammen aus Lizenz-Verkäufen und Maintenance-Gebühren für bestehende Installationen.

Shin Young-son erklärt auch, dass diese Untersuchung weltweit die erste sei, die prüft, ob Oracle mit der Geschäftspraxis gegen Wettbewerbsregeln verstoße.

Oracle hatte den Alles-Oder-Nichts-Support am 16. März 2010 für Hardware weltweit eingeführt.

Derzeit untersucht die Behörde auch Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht durch den Chip-Hersteller Qualcomm. Möglicherweise ist hier noch in diesem Jahr mit der Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse zu rechnen. Die Untersuchung könnte sich aber auch noch hinziehen.

 

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