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Wachsende Bedeutung des Mainframe

Mainframe, Fachkräftemangel und wirtschaftliche Bedeutung. (Bild: Shutterstock)
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Einen Mangel an Zukunftsstrategien für Mainframe sieht eine internationale Studie. Nichts desto trotz finden offenbar wieder mehr Workloads auf den Mainframe. Die Bedeutung dieser Hardware-Plattform scheint im Schatten der Digitalisierung wieder zu erstarken.

Weltweit und auch in Deutschland ist der Mainframe nach wie vor eine feste Größe. Das zeigt eine internationale Studie von Compuware. Das mag unter anderem auch daran liegen, dass auf alternativen Plattformen sehr viel Aufwand und auch hohe Kosten notwendig werden, um Sicherheit und Ausfallsicherheit eines Mainframes zu realisieren, wie Anwender berichten. Obwohl die Studie an vielen Stellen Wachstum von Mainframe-Workloads erkennt, scheint es doch auch strategische Risiko-Bereiche zu geben.

Die Mehrheit der CIOs glaubt fest an die Zukunft des Mainframes. (Bild: Compuware)
Die Mehrheit der CIOs glaubt fest an die Zukunft des Mainframes. (Bild: Compuware)

Laut der Compuware-Studie glauben in Deutschland 92 Prozent der CIOs, dass der Mainframe auch noch in 10 Jahren eine tragende Rolle spielen wird. Immerhin 84 Prozent sehen diese Plattform als Schlüssel für Innovationen.

Allerdings zeige die Studie auch Risiken auf: Offenbar verfolgen 56 Prozent der deutschen CIOs keine konkreten Pläne gegen den befürchteten Mainframe-Fachkräftemangel.

Auch der Generationen-Wechsel scheint möglicherweise problematisch. 54 Prozent der CIOs fürchten, dass fehlende Dokumentation zu Mainframe-basierten Prozessen Wissenstransfer erschwert. Dieser mögliche Bruch steigert natürlich auch das Risiko für Unternehmen. Dabei scheint eine umfangreiche Dokumentation unabdingbar. Denn den selbstentwickelten Mainframe-Code stufen mehr als 80 Prozent der CIOs als schützenswertes geistiges Eigentum ein.

Von wegen Dinosaurier. CIOs sehen den Mainframe durchaus anpassungsfähig. (Bild: Compuware)
Von wegen Dinosaurier. CIOs sehen den Mainframe durchaus anpassungsfähig. (Bild: Compuware)

Dennoch scheint sich auf der Ausbildungsseite einiges zu tun, wie Ingolf Wittman, Technical Director S&D DACH IBM Deutschland im Gespräch mit silicon.de versichert. Einige Universitäten bieten inzwischen entsprechende Ausbildungsprogramme oder Zusatzqualifikationen.

Weltweit 81 Prozent und in Deutschland sogar 88 Prozent der CIOs berichten, dass heute mehr und auch vielfältigere Arbeitsprozesse auf dem Mainframe laufen, als vor fünf Jahren. Verteilte Anwendungen haben im gleichen Zeitraum die Mainframe Workload um knapp 40 Prozent erhöht, geben die CIOs an.

Zwar glauben rund 80 Prozent, dass der Mainframe für Big Data gegenüber anderen Hardware-Plattformen mehr Datendurchsatz ermöglicht, doch nur 68 Prozent in Deutschland und 61 Prozent weltweit setzen auf dem Mainframe bereits entsprechende Projekte um.

Aus den Zahlen lesen die Autoren der Studie eine deutliche Lücke zwischen dem Geschäftswert des Mainframes auf der einen Seite und der Investitionsbereitschaft der CIOs auf der anderen Seite ab. So stehe bei der Priorisierung der Investitionen Weiterentwicklungen des Mainframe-Codes als geistiges Eigentum an letzter Stelle. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass etwa zwei Drittel der CIOs bei den Entwicklern nur eingeschränktes Verständnis für die Entwicklung von verteilten Mainframe-Umgebungen mitbringen, wie die Studie zeigt.

Die Untersuchung zeige auch, dass der Mainframe als Silo getrennt von der restlichen IT bestehen bleibt, auch wenn CIOs es im wachsendem Maße wichtig finden, den Mainframe gemeinsam mit anderen IT-Ressourcen zu nutzen.

“Die Verantwortlichen wissen, dass sie um in der heutigen, dynamischen, digitalen Welt wettbewerbsfähig zu bleiben, Silostrukturen abbauen müssen”, sagt Jason Bloomberg, President des Agile Digital Transformation Analyseunternehmens Intellyx. “Unternehmen, die vom Mainframe abhängen, müssen die richtigen Tools, Prozesse und Unternehmenskultur aufsetzen, um die Collaboration zwischen Mainframe und Nicht-Mainframe-Teams anzustoßen.” Davon hänge nicht zuletzt auch der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens ab, betont Bloomberg.

“Die Ergebnisse zeigen, dass IT-Führungskräfte ihre Investitionen in den Mainframe überdenken sollten, um weiterhin den größten Nutzen aus ihrem hochwertigen geistigen Eigentum zu ziehen und auch gegen die Risiken aus dem Generationswechsel der Mainframe-Experten gewappnet zu sein”, kommentiert Chris O’Malley, CEO von Compuware. “Die CIOs erkennen das zwar, setzen dieses Wissen aber nicht in die Praxis um. Seit Y2K hat der Mainframe nicht mehr so viel CIO Aufmerksamkeit und direkte Beteiligung gefordert. Hoffnung allein ist niemals eine gute Mainframe-Strategie.”

Immer mehr Workloads finden auf den Mainframe, so eine aktuelle internationale Studie unter 350 CIOs. (Bild: Compuware Corporation)
Immer mehr Workloads finden auf den Mainframe, so eine aktuelle internationale Studie unter 350 CIOs. (Bild: Compuware Corporation)

Die CIO-Untersuchung wurde von der unabhängigen Marktforschung Vanson Bourne im Auftrag von Compuware durchgeführt. Befragt wurden 350 CIOs großer Unternehmen in Australien, Benelux, Frankreich, Deutschland, Italien, Großbritannien und den USA aus verschiedenen Branchen.

Martin Schindler schreibt nicht nur über die SAPs und IBMs dieser Welt, sondern hat auch eine Schwäche für ungewöhnliche und unterhaltsame Themen aus der Welt der IT.

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