AMD: Kein Verkauf oder Abspaltung

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Nachdem sich AMD bereits zu Beginn des Jahres von der “Seamicro”-Sparte mit Micro-Servern getrennt hat, dementiert das Unternehmen jetzt deutlich Berichte über einen möglichen Verkauf.

AMD dementiert Gerüchte über eine mögliche Aufspaltung des Unternehmens oder Verkaufspläne. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte eine entsprechende Meldung verbreitet. Gegenüber dem Branchendienst Extremetech erklärt ein Sprecher: “Obwohl wir für gewöhnlich solche Dinge nicht diskutieren, können wir bestätigen, dass es derzeit kein derartiges Projekt gibt. Wir verfolgen weiter die langfristige Strategie, die wir im Mai anlässlich unseres Financial Analyst Day skizziert haben.”

Reuters hatte “exklusiv” berichtet, AMD erwäge, die Aufteilung in zwei Geschäftseinheiten oder einen Unternehmensteil auszugliedern. Das zeige, so Reuters weiter, dass CEO Lisa Su jede mögliche Option prüfe, um den angeschlagenen Halbleiterproduzenten wieder zu Erfolg zu verhelfen. Inzwischen sei auch ein Consultingunternehmen ins Haus geholt worden, das entsprechende Schritte prüfen solle. Das Verfahren aber sei streng geheim.

Einer der anonymen Quellen, die Reuters anführt, soll erklärt haben, dass von einer Ausgliederung besonders das Grafikgeschäft und die Lizenzabteilung betroffen sein, die dadurch von Serverprozessoren getrennt würden. AMD habe solche Überlegungen schon früher angestrengt und sich immer dagegen entschieden. Su, die ihre CEO-Stelle im Oktober angetreten hatte, hielt jedoch zumindest eine Neubetrachtung für sinnvoll. Ob die Führung sich letztlich tatsächlich dafür entschließen werde, sei offen.

Beim Financial Analyst Day hatte Su im Mai angekündigt, AMD werde sich in den nächsten Jahren vor allem auf Produkte im High-End-Bereich konzentrieren und sich gleichzeitig aus weniger profitablen Märkten zurückziehen. Mit leistungsfähigen Premiumprodukten könne man wieder in die Gewinnzone kommen. “Profitable Marktanteile gewinnen”, das sei laut Su derzeit die wichtigste Vorgabe für den Intel-Konkurrenten. AMDs Ziel ist, in der zweiten Jahreshälfte wieder profitabel zu werden und die Barreserven des Unternehmens von rund 800 Millionen Dollar auf eine Milliarde Dollar zu steigern.

Dr. Lisa Su ist CEO, President, Member of the Board von AMD. Quelle: AMD
Dr. Lisa Su, CEO von AMD will künftig mit High-End-Produkten wachsen. Pläne über eine mögliche Aufteilung dementiert ein Unternehmenssprecher. (Quelle: AMD)

Der erste Schritt dieser neuen Strategie war letzte Woche auf einer Veranstaltung parallel zur Spielemesse E3 zu erkennen, wo AMD eine neue Palette von Radeon-Grafikkarten vorstellte. Im Mittelpunkt stand als neues Spitzenmodell die wassergekühlte Radeon R9 Fury X. Wie die besonders kompakte Karte R9 Nano und die Serien R9 300 / R7 300 ist sie vor allem für PC-Enthusiasten gedacht, die sich 4K-Spielen und Virtual Reality zuwenden wollen.

AMD muss auf anhaltende Verluste reagieren: Im ersten Quartal 2015 brach der Umsatz um etwa ein Viertel auf 1,03 Milliarden Dollar ein. Der schwache PC-Markt zog einen Verlust von 180 Millionen Dollar oder 0,23 Cent pro Aktie nach sich. Das erste Quartal 2014 hatte AMD noch mit einem Verlust von 20 Millionen Dollar abgeschlossen. AMD hatte sich im ersten Quartal auch entschieden, den Unternehmensbereich für Micro-Server nicht mehr weiter zu führen.

AMDs Börsenwert beträgt derzeit um 2 Milliarden Dollar. Seit den Achtzigerjahren rivalisiert es mit dem weit größeren Intel. Eine Aufteilung würde es nach Einschätzung von Reuters vor allem nötig machen, das Geflecht an Lizenz- und Gegenlizenzverträgen zwischen AMD und Intel zu entwirren.

[mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de]

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