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Markenstreit um S/4HANA

S4_Technologieplattform
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S/4HANA kam in diesem Jahr auf den Markt. S/4 von dem Ulmer Software-Haus Wilken hingegen im Jahr 2011. Nun könnte sich an der Frage nach einem Leerzeichen ein Markenstreit entzünden.

SAPs große ERP-Lösung R/3 hat mit S/4 jetzt einen leistungsfähigen und modernen Nachfolger gefunden. ‘S’ folgt im Alphabet auf ‘R’ und auf die 3 folgt eine 4, SAP will damit deutlich machen, dass man eine neue Produkt-Ära einläuten will und nicht einfach nur eine neue Version auf den Markt bringt. So weit so gut.

Allerdings gibt es von dem Ulmer Software-Haus Wilken ebenfalls ein Produkt mit dem Namen S/4. In wie weit SAP nun die Markenrechte von Wilken verletzt, ist fraglich.

Denn offiziell heißt das SAP-Produkt S/4HANA. Allerdings hat man sich auch SAP-Intern nicht immer sklavisch an diese Schreibweise gehalten. Ein SAP-Sprecher bestätigte schriftlich gegenüber silicon.de, dass der Sachverhalt bekannt ist, dass man den Vorgang prüfe, darüber hinaus derzeit aber keine weiteren Aussagen machen könne. Der Sprecher verweist aber ebenfalls ausdrücklich auf die Schreibweise “S/4HANA”. Von Wilken heißt es ebenfalls, dass man derzeit weitere Schritte prüfe.

SAP S/4 HANA oder S/4HANA ... offiziell ist die Schreibweise ohne Leerzeichen. (Screenshot: silicon.de)
Auf der SAP-Seite: SAP S/4 HANA oder S/4HANA … offiziell ist die Schreibweise ohne Leerzeichen. (Screenshot: silicon.de)

 

Seit 2011 verwendet Wilken “S/4” als Namen für die eigene Entwicklungsplattform. Auf Basis von S/4 entstehen sämtliche Software-Module.

Wie Wilken via Mail mitteilt, hatte man sich bereits im Juni mit einem Schreiben an den SAP-Vorstand gewandt. Angeblich hätten die Ulmer als Antwort bekommen, dass man die Marken ja einfach nebeneinander stehen lassen und für beide Produkte verwenden könnte.

Wilken scheint da aber anderer Ansicht zu sein: “Die parallele Verwendung des Namens ist für Wilken jedenfalls nicht akzeptabel. Denn damit wird Wilken vielfach von vornherein in die völlig falsche (SAP-)Schublade gesteckt”, so das Unternehmen. “Ganz abgesehen davon, dass S/4 (von Wilken) ein zentraler Baustein in der Strategie ist, sich und seine Anwender mit Hilfe einer weitreichenden Entwicklungstechnologie ‘Made in Germany’ von multinationalen IT-Anbietern wie Microsoft & Co. unabhängig zu machen.”

SAP und Wilken sollen zudem 2012 im Austausch zum Thema S/4 (von Wilken) gestanden haben. Dazu gab es mehrere angeblich streng geheime Treffen und Workshops in Walldorf und Ulm, bei denen geprüft wurde, ob sich die Branchenlösung S/4 ENER:GY (von Wilken) mit Hilfe von SAPs “Business by Design” in die SAP-Softwarelösungen integrieren ließ. Allerdings kam es dazu nicht.

Pikant ist jedoch auch, dass die Betriebswirtschaftlichen Module auf Basis S/4 (von Wilken) inzwischen bei einigen ehemaligen SAP-Nutzern im Einsatz sind. Vor allem eine Vertriebsabrechnung für die Branchenlösung S/4 ENER:GY habe hier offenbar Anklang gefunden. Wilken bedient vor allem Unternehmen aus den Brachen, Energie Tourismus, Sozialwirtschaft und öffentliche Hand.

 

Martin Schindler schreibt nicht nur über die SAPs und IBMs dieser Welt, sondern hat auch eine Schwäche für ungewöhnliche und unterhaltsame Themen aus der Welt der IT.

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