Karten-Dienst HERE geht an deutsche Autobauer

EnterpriseÜbernahme

Die deutschen Premium-Marken Audi, Daimler und BMW leisten sich laut einem Bericht ab sofort einen eigenen Kartendienst, damit wollen sie offenbar Unabhängigkeit gegenüber Google bewahren.

Nach einem langen Verkaufsprozess soll Nokia nun die Kartensparte HERE für 2,5 Milliarden Euro an das als Favorit gehandelte Bieterkonsortium bestehend aus Daimler, BMW und Audi verkauft haben. Eine offizielle Stellungnahme gibt es dazu noch noch nicht. Der Bericht stammt vom Manager Magazin, das bereits mehrmals von den Verhandlungen berichtete.

Schon vor Wochen wurde bekannt, dass Nokia die Sparte an die Gruppe der deutschen Autohersteller verkaufen wolle. Nokia hatte wohl auf einen Bieterwettstreit gehofft und sich einen Verkaufspreis von 4 Milliarden Euro augemalt. In den Büchern führen die Finnen die Sparte allerdings nur mit 2 Milliarden Euro.

Bereits Mitte Juni hieß es, Nokia wolle seine Entscheidung in den kommenden Tagen bekannt geben. Allerdings hatte CEO Rajeev Suri schon Ende Mai darauf hingewiesen, dass man auf den Verkauf auch ganz verzichten könne. Ob das Ernst gemeint war, oder ob man damit nur Druck auf die Bieter ausüben wollte, ist allerdings unklar.

Google Maps (links) und Nokia Here rechts. Der Dienst von Nokia bietet bessere Qualität. Die Darstellung erinnert an Apples Kartendienst. (Screenshot: ZDNet.de)
Google Maps (links) und Nokia Here rechts. Der Dienst von Nokia bietet bessere Qualität. Die Darstellung erinnert an Apples Kartendienst. Jetzt gehöhrt HERE offenbar den deutschen Autoherstellern Audi, Daimler und BMW. (Screenshot: ZDNet.de)

Neben der Gruppe aus Audi, BMW und Daimler sollen auch ein Zusammenschluss aus der chinesische Tencent Holdings, Navinfo sowie einem schwedischer Investor um HERE mitgeboten haben. Außerdem wurde kolportiert, Microsoft sei zusammen mit drei US-Investoren an dem Bereich interessiert gewesen sein. Als weitere mögliche Käufer waren auch Uber und der chinesische Webkonzern Baidu im Gespräch.

Nokia HERE verfügt über aktuelles Kartenmaterial für 196 Länder und Verkehrsinformationen für 41 Länder. Die nutzen unter anderem Amazon, Garmin und Oracle. Außerdem kommt das Kartenmaterial in zahlreichen Fahrzeugen in den ab Werk verbauten Navigationssystemen zum Einsatz. Insbesondere deutsche Autohersteller haben in der Vergangenheit davon Gebrauch gemacht.

Ein noch neuer Bereich ist die Erfassung von Straßen für autonome Automobile. Wie das Unternehmen heute bekannt gegeben hat, wurde bei Detroit ein circa. 80.000 Quadratkilometer großes Areal kartographiert, das eigens für Pilottests von hochautomatisierten Fahrzeugen und Systemen angelegt wurde. Auch 400 Straßenkilometer seien bei Detroit mit der HD-Technologie von HERE aufgezeichnet worden, weitere Strecken rund um San Francisco. Außerdem wurden Pläne angekündigt, den Tomei Expressway bei Tokio in High Definition zu erfassen.

Experten halten die mit HERE verbunden Kosten dennoch für recht hoch. “Mit der Übernahme sichert sich das deutsche Automobilkonsortium eine Schlüsseltechnologie im Rennen um das Zukunftsthema ‘autonomes Fahren. BMW, Daimler und Audi kontrollieren nun eine der vier wichtigsten Karten weltweit – neben Google Maps, TomTom und OpenStreetMap. Allerdings zu einem hohen Preis, denn die Aktualisierung der Kartendaten erfordert große laufende Ausgaben”, kommentiert Marcus Thielking, Managing Director Telenav GmbH aus Berlin. Seiner Ansicht nach könnten sich die Autohersteller damit den Konkurrenten Google vom Leib halten, der ebenfalls an autonomen Fahrzeugen forscht.

“Die deutschen Autohersteller haben ihre ortsgebundenen Dienste seit Jahren beinahe ausschließlich auf Basis von HERE-Karten entwickelt”, so Thielking weiter. “Einen Verlust dieser Kartenquelle an einen Wettbewerber wollte man unbedingt vermeiden – erst recht, da sich mit dem Fahrtvermittler Uber auch eine direkte Google-Beteiligung im Bieterrennen befand.”

[mit Material von Peter Marwan, ITespresso.de]

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