Twitter blockiert Archive gelöschter Tweets von Politikern

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Die sogenannten Politwoops der Open State Foundation erhalten nun keinen Zugriff mehr auf den Datenstrom des Kurznachrichtendienstes. Eine Selbstzensur durch Politiker lässt sich somit nicht mehr automatisch nachvollziehen. Nach Auffassung Twitters sollte jeder das Recht haben, seine früheren Aussagen zu löschen.

Twitter hat 31 Archiven den Zugang zu seinem Firehose genannten Datenstrom verwehrt. Sie alle waren von der Open State Foundation (OSF) eingerichtet worden und archivierten gelöschte oder inhaltlich geänderte Politiker-Tweets. Das meldet die britische Zeitung Guardian.

Logo Twitter (Bild: Twitter)

Seit vergangenem Freitag kann das auch als Politwoops bekannte Kollektiv nicht mehr auf die Firehose zugreifen und so automatisch ein Archiv von Politikerkommentaren generieren, welches es später wieder mit Twitter synchronisiert, um Löschungen aufzuspüren. Twitter erklärte gegenüber der OSF, der Maßnahme seien “interne Erwägungen” vorausgegangen, die eine Reihe von Faktoren einbezogen hätten.

Prinzipiell unterscheide man nicht zwischen Politikern und anderen Anwendern, betonte Twitter – was freilich einige bereits für ein falsches Verständnis repräsentativer Demokratie halten. Und weiter: “Stellen Sie sich vor, wie nervenaufreibend – ja sogar Furcht einflößend – Twittern wäre, wenn es unveränderlich und unwiderruflich wäre?”

Und über die Möglichkeit, eigene Aussagen wieder zu löschen, schrieb Twitter OSF zufolge auch: “Kein Anwender verdient diese Möglichkeit mehr als ein anderer. Ja, das Löschen eines Tweets ist ein Aufdruck der Stimme eines Nutzers.”

Ein deutscher Ableger von Politwoops existiert nicht, die US-Variante war bereits im Juni von Twitter ausgesperrt worden. Jetzt darf die OSF auch Politiker in 30 weiteren Ländern, darunter Ägypten, Großbritannien, Indien, Irland, Kanada, Norwegen, Südkorea und die Türkei, nicht mehr für zurückgezogene frühere Aussagen zur Rechenschaft ziehen. Zudem wurde Diplowoops gestoppt, das gelöschte Tweets von Diplomaten aufbewahrte.

Die OSF verweist darauf, dass ihre Textsammlungen von Journalisten weltweit genutzt und zitiert wurden. Ihr Direktor Arjan El Fassed sagt: “Was Politiker öffentlich sagen, sollte für jeden verfügbar sein. Hier geht es nicht um Tippfehler, sondern um eine einmalige Einsicht, wie sich Mitteilungen gewählter Politiker ohne jeden Hinweis ändern können.”

Auch das britische Politwoops, das als @deletedbyMPs (“von Parlamentsmitgliedern gelöscht”) auf Twitter aktiv ist, weist auf mögliche Folgen für die Demokratie hin. Betreiber Jules Mattsson erklärte dem Guardian: “Es ist eine große Schande, dass Twitter so entschieden hat. Politwoops war ein wichtiges neues Werkzeug, um Politiker im Vereinigten Königreich wie auch im Ausland für ihre Aussagen zur Rechenschaft zu ziehen. Politiker sind wild darauf, Social Media im Wahlkampf einzusetzen, aber wenn wir die Möglichkeit verlieren, die Aussagen systematisch aufzubewahren, wird dies zu einem Einbahnstraßen-Werkzeug.”

[mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de]

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