Die Zukunft von Wearables im Unternehmen

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So stellte man sich 2005 vor, wie Wearables in Zukunft aussehen könnten. Design war damals nicht wichtig. (Bild: Andre Borbe)

Die Branche blickt erwartungsvoll auf den Mobile World Congress in Barcelona. Aber wie sich zeigt, kommen immer häufiger in Unternehmen Wearables wie Smartwatches zum Einsatz. Allerdings werden die meist nicht vom Unternehmen gestellt.

Im Jahr 2015 wurden rund 40 Millionen Smartwatches verkauft. In diesem Jahr wird die Zahl auf etwa 60 Millionen steigen. Tatsächlich nutzen die Käufer dieser Uhren ihre Neuerwerbungen auch im Unternehmen und für ihre Arbeit. Erste Enterprise-Software-Anbieter wie Infor oder Salesforce.com liefern auch schon Anwendungen oder entwickeln mit großer Energie für diese noch junge Gerätekategorie.

Eine Studie von Salesforce belegt die Produktivitätssteigerung. Anwender bekommen Status-Updates und Chatnachrichten, Liveticker, E-Mails und Anrufe am Handgelenk angezeigt. Laut Studie erklären 76 Prozent der Wearable-Nutzer, dass der Einsatz am Körper tragbarer Endgeräte Geschäftsprozesse optimiert. Daher wollen 86 Prozent in den kommenden zwölf Monaten in diese Technologien investieren und hier vor allem in Smartwatches.

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Aber strategische Anschaffungen scheinen derzeit noch eher die absolute Ausnahme zu sein. “99 Prozent der 50 Millionen verkauften Geräte wurden von Privatpersonen gekauft”, erklärt Annette Zimmermann, Research Direktor bei Gartner. Auch wenn es bereits erste Schnittstellen für Unternehmensanwendungen gibt. “Doch nicht immer ist es gerechtfertigt, dass ein Unternehmen 400 Dollar für eine Smartwatch bezahlt, die den Mitarbeiter produktiver machen soll”, so Zimmermann weiter. Die Entwicklung werde sich dann wohl ähnlich wie in den Kindertagen des Smartphones vollziehen. Unternehmen werden den Mitarbeitern erlauben, die Geräte zu nutzen und eventuell Apps dafür bereitstellen, die Nutzung werde dann wie auch am Smartphone zwischen privater und beruflicher immer mehr verschwimmen.

Doch Zimmermann sieht noch andere Einsatzbereiche. Der Fitnessband-Hersteller Fitbit etwa mache bereits 10 Prozent des Umsatzes mit gewerblichen Kunden. Unternehmen bieten den Mitarbeitern das Band an, um damit bei der Krankenversicherung Rabatte zu bekommen. Die Überlegung dahinter ist, dass Mitarbeiter weniger häufig krank sind, wenn sie durch das Fitness-Armband zu einer gesünderen Lebensweise motiviert werden. Fitbit hat nicht nur die Hardware, sondern stellt für die Unternehmenskunden auch eine Plattform bereit, über die sich Geräte, Daten und die Kommunikation mit der Krankenversicherung automatisieren lässt.

Neben “Corporate Wellness” kommen Smartwatches und Fitnessarmbänder zum Einsatz, wenn es um besondere Sicherheitsmaßnahmen geht. So können beispielsweise Mitarbeiter an gefährlichen Maschinen überwacht werden, ob sie ausgeruht genug sind. Der australische Hersteller Smartcap etwa überwacht über eine Mütze die Hirnströme. Wird ein Mitarbeiter schläfrig, schaltet sich ein Alarmsystem ein. Einsatzgebiet sind derzeit Piloten, Fahrer oder Kapitäne von Schiffen. Armbänder, so Zimmermann, könnten auch zur Authentifizierung in sensiblen Bereichen eingesetzt werden. Gartner prognostiziert, dass bis 2018 mindestens 3 Millionen Menschen von ihren Arbeitgebern verpflichtet sein werden, solche Geräte zu tragen, vor allem im Sicherheitsbereich.

Nach wie vor viel “Luft nach oben” sieht die Gartner-Analystin bei smarten Brillen von Epson, Vuzix oder Google Glass. Die Brillen seien nach wie vor zu schwer oder werden zu warm, um sie einen Arbeitstag lang zu tragen. “Das hören wir von allen Anwendern”, bestätigt die Analystin. Allerdings gebe es auch hier neben den klassischen Anwendungsgebieten wie Logistik oder Wartung etwa im Design oder beim Training von Mitarbeitern verschiedene vielversprechende Ansätze.

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