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Vater der E-Mail gestorben

Ray Tomlinson (Bild: Raytheon/BBN)
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Mehr oder weniger spielerisch erfand Ray Tomlinson die E-Mail samt @-Zeichen. Zunächst liefen die Nachrichten über das Arpanet, einem Vorläufer des heutigen Internets.

Der Erfinder der E-Mail, Ray Tomlinson, ist am Samstag, den 5. März im Alter von 74 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben, wie Tomlinsons Arbeitgeber, der Rüstungskonzern Raytheon gegenüber US-Medien bestätigte. Tomlisons Erfindung baute im Jahr 1971 auf früheren Versuchen auf, Nachrichten zwischen Rechnern zu versenden. Heute nutzt praktisch Jeder, der einen Rechner besitzt, die Erfindung des Elektrotechnikers.

Weil das @ nicht in der Schrift-Sprache vorkam, verwendete Tomlinson es, um die Namen der Adressaten von dem Namen der Rechner zu trennen. Gegenüber seinen Kollegen soll er, als er Ihnen seine Entwicklung demonstrierte, erklärt haben: “Erzähle bitte niemanden davon, das ist nicht das woran wir arbeiten sollten.” Darüber hinaus betont Tomlinson auf seiner eigenen Internet-Seite, dass er das @ nicht erfunden habe, sondern auf der Tastatur Model ’33 Teletype’ vorfand.

(Bild: Marcin Wichary, (AlanM1) CC 2.0)
Model 33 Teletype, auf dieser Tastatur wurde die erste E-Mail geschrieben. Das @-Zeichen befindet sich übrigens auf der P-Taste und wurde über Shift ausgelöst. (Bild: Marcin Wichary, (AlanM1) CC 2.0)

Tomlinson arbeitete damals als Techniker für das private Forschungsinstitut Bolt Beranek and Newman. Dort implementierte er unter anderem das Transmission-Control Protocol (TCP) unter Tenex, einem PDP-10-Betriebssystem. Mit Cpynet hatte er auch schon ein Dateiübertragungsprotokoll für den Vorgänger des Internets erstellt, nämlich das Advanced Research Projects Agency Network (Arpanet). Was folgte, war das erste E-Mail-Programm namens Sndmsg (kurz für “send message” oder “übertrage Nachricht”), das auf Cpynet aufbaute.

Wie er später NPR erzählte, versandte Tomlinson die ersten E-Mails zwischen zwei Rechnersystemen in seinem Büro. “Die Tastaturen waren vielleicht drei Meter voneinander entfernt. Ich konnte mit meinem Stuhl vom einer zur anderen rollen und mir ansehen, was ich zu versenden versucht hatte.”

An den Text der ersten E-Mail konnte sich Tomlinson nicht erinnern. “Die erste E-Mail ist nicht erinnernswert – und deshalb auch wirklich vergessen.”

Mit dem @-Zeichen wollte der Erfinder zwischen lokalen Mailboxen und entfernten unterscheiden: “Das @-Zeichen schien sinnvoll. Ich benutzte es, um darauf hinzuweisen, dass ein Nutzer ‘bei’ einem anderen Host und nicht lokal angemeldet ist.” 1982 ging es in den E-Mail-Standard RFC822 ein. Konkurrenten wie das Bang-Adressformat (das ein Ausrufezeichen statt des @ verwendete) und X.400 hatten keinen vergleichbaren Anklag gefunden.

Schon nach zwei Jahren machte E-Mail 75 Prozent allen Traffics im Arpanet aus. Bis Tomlinson selbst aber einsah, dass ihm eine bedeutende Erfindung gelungen war, vergingen weitere Jahre. Auch am eigenen Nachruhm äußerte er Zweifel. Einem Interviewer sagte er auf Nachfrage im Jahr 2002: “Jede einzelne Entwicklung tritt heute der vorangegangenen auf die Fersen und wird selbst so eng von der nächsten verfolgt, dass meiner Ansicht nach wenige Namen in Erinnerung bleiben werden. Ich bin gespannt, ob ich Recht habe.”

[mit Material von Florian Kalenda, ZDNet.de]

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Martin Schindler schreibt nicht nur über die SAPs und IBMs dieser Welt, sondern hat auch eine Schwäche für ungewöhnliche und unterhaltsame Themen aus der Welt der IT.

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