Apple-Zulieferer Foxconn übernimmt Sharp für 3 Milliarden Euro

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Die Zustimmung zur Übernahmevereinbarung durch die Vorstände beider Unternehmen soll bereits erfolgt sein. Mit rund einmonatiger Verzögerung kann der Verkauf somit jetzt abgeschlossen werden.

Auf ein reduziertes Übernahmeangebot haben sich jetzt die Vorstände von Sharp und Foxconn geeinigt. Wie unter anderem die Financial Times berichtet, wird Foxconn den japanischen Elektronikkonzern für insgesamt 388 Milliarden Yen (rund 3 Milliarden Euro) kaufen. Das entspricht einem Abschlag von rund 100 Milliarden Yen gegenüber dem vorherigen Angebot. Anfangs war sogar von bis zu 700 Milliarden Yen (5,66 Milliarden Euro) die Rede gewesen.

Hon Hai Precision Industry, besser bekannt unter seiner Marke Foxconn, hatte die Unterzeichnung eines bereits ausgehandelten Übernahmevertrags Ende Februar kurzfristig verschoben. Hintergrund war, dass kurz nach der erzielten Vereinbarung eine Liste mit möglichen Kosten in Höhe von 350 Milliarden Yen aus ungeklärten Rechtsstreitigkeiten aufgetaucht war.

Am Samstag soll die nun erzielte Kaufvereinbarung, die einen Preis von 88 Yen pro Aktie vorsieht, unterzeichnet werden. Demnach erwirbt Foxconn neue Aktien im Wert von 288 Milliarden Yen, womit es dann 66 Prozent an Sharp hält, sowie Vorzugsaktien im Wert von 100 Milliarden Yen, die sich in herkömmliche Anteile umwandeln lassen. Ehe der Handel mit Sharps Aktien nach Bekanntwerden der Übernahmepläne ausgesetzt wurde, notierte das Papier bei 135 Yen.

“Ich bin begeistert von den Perspektiven, die diese strategische Allianz bietet, und freue mich, mit jedem bei Sharp zusammenzuarbeiten”, erklärte Terry Gou, Gründer und CEO von Hon Hai. “Wir wollen viel erreichen und ich bin zuversichtlich, dass wir Sharps wahres Potenzial freisetzen werden.”

Versuche der von der japanischen Regierung unterstützten Innovation Network Corp of Japan, Sharp durch eine Finanzspritze in Höhe von 300 Milliarden Yen und Kreditzusagen in Höhe von weiteren 200 Milliarden Yen zu sanieren, müssen mit Abschluss des Verkaufs als gescheitert betrachtet werden. Die Bemühungen sollten verhindern, dass ein ausländisches Unternehmen die Kontrolle über einen der großen japanischen Elektronikkonzerne und dessen geistiges Eigentum übernehmen kann. Foxconn hatte bereits 2012 einmal offiziell Interesse an Sharp bekundet. Damals scheiterten die Gespräche aber an unterschiedlichen Vorstellungen über die Zusammensetzung der Führungsebene.

Sharp-Gründer Tokuji Hayakawa (rechts) beim Test von Radiogeräten Mitte der Zwanziger Jahre. Der Erfinder hatte zuvor einen stets scharfen, mechanischen Stift (daher der Firmenname Sharp) entwickelt und auf den Markt gebracht, ehe er das Geschäft als erster Anbieter von Radios in Japan auf den Elektronikbereich ausweitete (Bild: Sharp).
Sharp-Gründer Tokuji Hayakawa (rechts) beim Test von Radiogeräten Mitte der Zwanziger Jahre. Der Erfinder hatte zuvor einen stets scharfen, mechanischen Stift (daher der Firmenname Sharp) entwickelt und auf den Markt gebracht, ehe er das Geschäft als erster Anbieter von Radios in Japan auf den Elektronikbereich ausweitete (Bild: Sharp).

Die Verhandlungsposition für die Japaner hat sich seitdem allerdings deutlich verschlechtert. Die bislang aufgehäufte Gesamtverschuldung des Konzerns liegt inzwischen bei über 800 Milliarden Yen. Sie ist auf die schlechten Geschäfte von Sharp in den vergangenen vier Jahren zurückzuführen, in denen das Unternehmen Verluste von insgesamt rund 1,1 Billionen Yen geschrieben und dadurch auch seine zuvor vorhandenen Barreserven aufgebraucht hat. Die Schuld an der Misere geben Beobachter der immer stärker werdenden Konkurrenz aus China und Südkorea.

Tatsächlich dürfte der Grund aber Sharps Unfähigkeit sein, angemessen darauf zu reagieren. Das räumt das Unternehmen inzwischen teilweise auch selbst ein. Es spricht unter anderem von fehlenden Restrukturierungsmaßnahmen und mangelndem Anpassungsvermögen an sich rasch wechselnde Marktgegebenheiten insbesondere beim LCD-TV-Geschäft in Amerika, führt aber auch den Preisverfall und die stagnierende Nachfrage im Solargeschäft als Begründung an. Für das nun endende Geschäftsjahr erwartet Sharp einen operativen Verlust von 170 Milliarden Yen, was es in erster Linie auf sinkende Preise für LCD-Panel und eine schwache Nachfrage in China zurückführt.

Für Foxconnn ist die Übernahme ein wichtiger Erfolg. Das als Auftragsfertiger für Firmen wie Apple und HP groß gewordene Unternehmen bemüht sich schon seit Jahren, sich zu einem breiter aufgestellten Konzern weiterzuentwickeln. Sharp passt gut zu Foxconn, da es nicht nur Fernseher, Drucker, Küchengeräte und Kassensysteme entwickelt und fertigt, sondern auch zu den wichtigsten Herstellern von Displays für Smartphones und Tablets zählt. Insbesondere an diesem Bereich soll Foxconn Beobachtern zufolge interessiert sein, könnte es damit doch Kunden wie Apple, Amazon und Xiaomi eine größere Fertigungstiefe anbieten.

Allerdings will sich Foxconn offenbar nicht nur die für es selbst wertvollsten Rosinen herauspicken und den Rest von Sharp abwickeln. Stattdessen hat es sich mit dem Sharp-Management bereits auf Pläne für eine Neuorganisation (PDF) auch anderer Bereiche geeinigt. Neben Investitionen von 200 Milliarden Yen in Serienfertigung und Vermarktung von OLED-Produkten sowie 100 Milliarden Yen für Forschung und Entwicklung bei der Display-Sparte sind weitere 4,5 Milliarden Yen für die Weiterentwicklung von Dies und Formen im Bereich Unterhaltungselektronik und IoT-Geräte sowie 12 Milliarden Yen für Verbesserungen in der Produktion bei Sharps Geschäft im Segment Automotive und Internet der Dinge eingeplant.

Nochmals 50 Milliarden Yen sollen aufgewendet werden, um das Geschäft mit Druckern, insbesondere Multifunktionsgeräten, wieder anzuschieben. Diesbezüglich ist aber vor allem der Ausbau von Vertrieb und Lösungsgeschäft anvisiert. Außerdem soll von dem Betrag ein Teil in zukunftsträchtige Geschäftsfelder wie Robotik gesteckt werden. Möglicherweise stellt Sharp aber das Geschäft – zumindest mit einzelnen Produktkategorien – in Europa noch einmal auf den Prüfstand. Die gut 32 Milliarden Yen, die für Werbung und Verbesserung der Markenbekanntheit eingeplant sind, sollen nämlich schwerpunktmäßig in Japan, China und weiteren asiatischen Ländern investiert werden.

[Mit Material von Björn Greif, ZDNet.de]