Rocket Internet stellt nach wie vor Wachstum über Profitabilität

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In den nun vorgelegten Zahlen für das Geschäftsjahr 2015 steht ein Nettoverlust von 197,8 Millionen Euro. 2014 erwirtschaftete man noch einen Nettogewinn von 428,8 Millionen Euro. Verantwortlich macht dafür die Führungsetage die wesentlich geringeren Erträge aus der Dekonsolidierung von Tochtergesellschaften.

Rocket Internet hat die Zahlen für das Geschäftsjahr 2015 vorgelegt und weist darin einen Verlust von 197,8 Millionen Euro aus. Im Vorjahr stand unterm Strich noch ein Gewinn von 428,8 Millionen Euro. Die Anleger nahmen die Nachricht mit Enttäuschung auf: Der zuletzt wieder steigenden Kurs des Papiers, der nach Bekanntwerden des Verkauf eines Teils des asiatischen E-Commerce-Marktplatzes Lazada an AliBaba für 137 Millionen Dollar einen kleinen Sprung nach oben gemacht hatte, sackte von 29 auf 27,1 Euro ab.

Die leichte Erholung des Aktienkurses von Rocket Internet in den vergangenen Monaten wurde durch die jetzt vorgelegten Bilanzzahlen für 2015 zum Teil wieder zunichte gemacht (Screenshot: silicon.de bei Onvista)
Die leichte Erholung des Aktienkurses von Rocket Internet in den vergangenen Monaten wurde durch die jetzt vorgelegten Bilanzzahlen für 2015 zum Teil wieder zunichte gemacht (Screenshot: silicon.de bei Onvista)

Die konsolidierten Umsätze blieben im Jahr 2015 mit 128,3 Millionen im Vergleich zum Vorjahr (128,2 Millionen Euro) stabil. Zu ihnen gehören auch Einnahmen aus Beratungsleistungen sowie die Umsätze der vollkonsolidierten Tochtergesellschaften. Den Verlust führt das Rocket-Internet-Management im Wesentlichen auf “geringere Erträge aus der Dekonsolidierung von Tochtergesellschaften und die anteiligen Verluste der assoziierten Unternehmensbeteiligungen und Joint Ventures” zurück.

Derzeit schreiben alle Firmen, an denen Rocket Internet beteiligt ist, Verluste. Das sei aber kein Fehler, sondern ein Feature: In der aktuellen Phase der Entwicklung habe und müsse Wachstum Vorrang vor Gewinnen haben, so die Chefetage: „Das Jahr 2015 ist für Rocket Internet ein Jahr, in dem die Verluste unserer wesentlichen Beteiligungen – wie im September 2015 angekündigt – voraussichtlich ihren Höhepunkt erreicht haben werden“, erklärt CEO Oliver Samwer in einer Pressemitteilung (PDF)

Ziel sei es, die Gesellschaften langfristig profitabel zu machen. Bei drei der “wesentlichen Beteiligungen” will man dies bis Ende 2017 erreichen. Welche drei das sein sollen, verriet der Inkubator jedoch nicht. Am günstigsten scheinen die Voraussetzungen der zu den Bilanzzahlen vorgelegten Präsentation (PDF) zufolge für die Modehändler Lamoda und Namshi. Eine gute Ausgangsposition scheint auch der Innenausstatter Westwing zu haben, allerdings sind hier die Verbesserungen im abgelaufenen Geschäftsjahr hinter dem Durchschnitt zurückgeblieben.

Wachstumsraten der Rocket-Internet-Firmen im Überblick (Grafik: Rocket Internet)
Wachstumsraten der Rocket-Internet-Firmen im Überblick (Grafik: Rocket Internet)

Nach wie vor stellt Rocket Internet ohnehin Wachstum über Profitabilität. Daher habe man 2015 auch “stark” ins Wachstum der Beteiligungen investiert. Am meisten ausgezahlt hat sich das bei den Diensten, die sich um die Belieferungen von Verbrauchern mit Lebensmitteln kümmern beziehungsweise sich als Vermittlungsplattform zwischen Lieferdienste und Verbraucher drängen: Foodpanda legte dem Unternehmen zufolge um 373 Prozent zu, HelloFresh schaffte 338 Prozent Wachstum und Delivery Hero 125 Prozent. Außerdem erreichte im Modebereich Namshi mit 162 Prozent Wachstum und der in mehreren afrikanischen Ländern aktive Online-Marktplatz Jumia mit 118 Prozent noch dreistellige Zuwachsraten.

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