Pivotal schließt Finanzierungsrunde über 253 Millionen Dollar ab

EnterpriseVenture Capital

Im Zuge der Serie-C-Runde sind Ford (mit 182,2 Millionen) und Microsoft als Investoren hinzugekommen. EMC, VMware und GE waren schon früher dabei. Die Bewertung der zur “EMC-Familie” gehörenden Firma kletterte damit auf 2,8 Milliarden Dollar.

Durch eine erfolgreich abgeschlossene Serie-C-Finanzierungsrunde in Höhe von 253 Millionen Dollar ist die Bewertung von Pivotal nun auf 2,8 Milliarden Dollar geklettert. Insgesamt haben Investoren in das vor drei Jahren von gemeinsam von EMC, VMware und GE gegründete Unternehmen nun 358 Millionen Dollar gesteckt. In der aktuellen Runde ist neben Microsoft vor allem Ford neu hinzugekommen: Der Autobauer hat 182,2 Millionen Dollar in das Unternehmen gesteckt.

Pivotal (Grafik: Pivotal)

Damit sichert sich Ford ein Mitsprachrecht an der weiteren Entwicklung einer für den Konzern in der jüngeren Vergangenheit sehr wichtig gewordenen Firma. Ford hat mit den Angeboten von Pivotal nämlich sein kürzlich vorgestelltes Angebot FordPass entwickelt. Das zunächst nur in den USA und Kanada nutzbare Angebot soll zu einem noch nicht definierten Zeitpunkt dann auch in Europa verfügbar werden. FordPass richtet sich nicht ausschließlich an Besitzer eines Fahrzeugs von Ford und umfasst drei Bereiche: Ein Marktplatz mit Mobilitätsdienstleistungen, rund um die Uhr erreichbare FordGuides sowie ein Kundenbindungs- und Bonusprogramm.

Über den FordPass-Marktplatz erhalten Nutzer Zugang zu Mobilitäts-Services. Zu den ersten Anbietern auf dem Marktplatz gehören die Apps Parkwhiz und Parkopedia, die bei der Suche nach Parkplätzen helfen. Außerdem hilft die dort vertretene App FlightCar beim Ausleihen von Fahrzeugen sowie dem Anbieten und Suchen von Mitfahrgelegenheiten. Das Marktplatzangebot soll noch um Möglichkeiten für Car Sharing, Mitfahrgelegenheiten und Transportdienstleistungen erweitert werden. Die anfallenden Entgelte sollen über den angeschlossenen Bezahldienst FordPay entrichtet werden.

Obwohl die Angebote selbst nicht besonders revolutionär erscheinen, da sie bereits in ähnlicher Form auch anderweitig angeboten werden, ist die dahintersteckende, von Pivotal stammende Technologie doch zumindest sehr interessant. Sie sorgt vereinfacht gesagt dafür, dass Firmen, die sich bislang nicht oder zumindest nicht mit von einer Vielzahl von Nutzern zugänglichen Software beschäftigt haben, den Schritt dahin erfolgreich gehen können.

Ein Bereich, bei dem Pivotal traditionellen Firmen  mit seinen Angeboten auf dem Weg zum Internet der Dinge, Software-basierenden Geschäftsmodeleln und der Nutzung von Big Data helfen kann, ist die Nutzbarmachung regenerativer Energien (Grafik: Pivotal).
Ein Bereich, bei dem Pivotal traditionellen Firmen mit seinen Angeboten auf dem Weg zum Internet der Dinge, Software-basierenden Geschäftsmodeleln und der Nutzung von Big Data helfen kann, ist die Nutzbarmachung regenerativer Energien (Grafik: Pivotal).

Dass der Schritt nicht ganz einfach ist, haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Beispiele gezeigt, bei denen traditionelle Anbieter durch die Integration von Software und Konnektivität in ihre Produkte erhebliche Sicherheitslücken übersahen. Die Liste negativer Beispiele reicht von Spielzeugherstellern wie Mattel und V-Tech bis zu Smart-Home-Anbietern wie der deutschen Firma Gira. Oft sind die Fehler aus Sicht von etablierten Softwareproduzenten trivial – Standardpasswörter, fehlerhafte Implementierung in der erforderlichen Steuerungsplattform oder dem Zugang der Nutzer zur Kontenverwaltung – werden aber von den Software-Frischlingen schlichtweg übersehen. Dazu trägt oft auch ein hoher Druck bei, schnell „irgendwas“ auf den Markt zu bringen, um der Konkurrenz zuvorzukommen.

Auch bei Betreibern klasssicher Infrastruktur wie Eisenbahnnetzen sieht Pivotal Potenzial für seine Angebote und hat das Unternehmen auch schon Kunden gewonnen (Grafik: Pivotal).
Auch bei Betreibern klasssicher Infrastruktur wie Eisenbahnnetzen sieht Pivotal Potenzial für seine Angebote und hat das Unternehmen auch schon Kunden gewonnen (Grafik: Pivotal).

In all diesen Bereichen bietet Pivotal Unterstützung an. Im Mittelpunkt stehen dabei mit Pivotal Cloud Foundry ein Open-Source-Plattform-as-a-Service auf dem sich Cloud-Anwendungen erstellen lassen, sowie die Pivotal Big Data Suite, ein Werkzeugkasten zur Erfassung, Verwaltung und Analyse der auf dem Weg zu Software-lastigen Geschäftsmodellen quasi zwangsläufig anfallenden Datenmengen.

Zwar ist Pivotal durch seine beiden wesentlichen Mitgründer und Anteilseigner EMC und VMware in die Übernahme von EMC durch Dell verwickelt, aber ein Teil der bislang unabhängig geführten Mitglieder der EMC-Firmenfamilie. Dass wird den von EMC diese Woche auf seiner Hausmesse in Las Vegas gemachten Ankündigungen und den ebenfalls dort von Michael Dell dargelegten Plänen zufolge aller Voraussicht nach auch so blieben. Dell hatte ausdrücklich erwähnt, dass die Marken Dell sowie EMC Information Infrastructure erhalten und die Firmen VMWare, Pivotal, RSA und Virtustream in der bisher bewährten Form fortgeführt werden sollen.

Denkbar ist, dass mittelfristig für Pivotal der Börsengang angestrebt wird. Entsprechende Gerüchte gab es bereits im November vergangen Jahres. Beobachter spekulierten darüber, dass dies Dell helfen solle, einen Teil der enormen Kaufsumme von67 Milliarden Dollar für EMC aufzubringen. Bislang hat sich das aber nicht bewahrheitet. Stattdessen wurde nur für die Security-Sparte SecureWorks der Börsengang vorbereitet.

Das könnte aber auch an dem derzeit wenig günstigen Umfeld für Börsengänge in den USA liegen und lediglich aufgeschoben, nicht aber aufgehoben sein, wie aus Äußerungen von Pivotal-COO Bill Cook hervorgeht. Mit der nun abgeschlossen Finanzierungsrunde und einer offenbar recht zügig zahlreicher werdenden Kundschaft, zu der viele der weltweit größten Firmen ihrer Branche gehören, ist der IPO für die Kapitalausstattung zumindest nicht dringend erforderlich.


Video bei Youtube, in dem sich Pivotal selbst vorstellt.

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