RWE migriert SAP HR auf Amazon Web Services

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Der Stromversorger RWE will sich mittelfristig davon verabschieden grundlegenden IT-Infrastrukturdienste selbst anzubieten. Jetzt startet ein erstes Projekt mit einer wichtigen aber nicht kritischen Anwendung.

Das RWE-AG-Tochterunternehmen RWE Česká republika gibt die Migration des SAP HR-Systems in die Cloud von Amazon Web Services bekannt. Bislang wurde die Lösung On-Premises im eigenen Rechenzentrum in Brno gehostet.

Doch wie RWE mitteilt, werde es nicht bei der Migration der Human-Ressource-Lösung bleiben. Das HR-Management soll als Leuchtturm-Projekt innerhalb der RWE-Gruppe dienen. Das SAP-HR-System ist keine Kern-Business-Anwendung, dennoch kommt ihm eine zentrale Bedeutung zu. Mit der Migration der Lösung soll nun für weitere Migrationen von nicht-kritischen Anwendungen in die Cloud innerhalb von RWE geworben werden.

Amazon Web Services (Bild: Amazon)
Amazon Web Services. (Bild: Amazon)

Die Migration ist der erste, erreichte Meilenstein in der bereits 2013 vorgestellten IT-Strategie von RWE. Diese basiert auf den beiden Grundprinzipen “Manage – not make” und “Cloud – first”. So sollen unter anderem keine grundlegenden IT-Infrastrukturdienste mehr bereitgestellt werden. Daher wird RWE auch das Rechenzentrum in Brno voraussichtlich bis Ende 2016 stilllegen. Die Migration in die Amazon-Cloud verringert den Ressourcenbedarf im Rechenzentrum. Zudem verspricht sich das Unternehmen durch die hybride Lösung eine Reduzierung der Betriebskosten um zehn Prozent.

Für AWS als Anbieter habe sich RWE aufgrund der prognostizierten Einsparmöglichkeiten sowie der hohen Kapazität und Flexibilität entschieden. Hinzu komme, dass sich AWS über mehrere Datenschutzzertifizierungen durch Zertifizierungen wie ISO 27001 und ISO 9001 als geeigneter Anbieter qualifiziere.

Update 12. Mai 2016, 11 Uhr 30: ISO 27001 und ISO 9001 sind natürlich keine Datenschutzzertifizierungen wie von Amazon und RWE in der Pressemitteilung fälschlicherwiese behauptet und von uns hier leider ebenfalls so bezeichnet. Vielen Dank für den Hinweis an einen aufmerksamen Leser. ISO 9001 behandelt das Qualitätsmanagment, ISO 27001 befasst sich mit Einrichtung und Dokumentation von IT-Sicherheitsmechanismen. Wie so oft wurden also auch hier bedauerlicherweise Datenschutz und Datensicherheit fälschlicherweise synonym gebraucht. Allerdings ist der Verdacht nicht von der Hand zu weisen, dass dies zumindest bei Amazon Methode hat, wie frühere Versuche des Unternehmens nahelegen, mögliche Defizite beim Datenschutz durch Nebelkerzen zu kaschieren.

Update 30. Mai 2016 15 Uhr: Amazon hat kurz darauf die Pressemitteilung korrigiert. Dort heißt es nun: “Darüber hinaus verfügt AWS über mehrere Zertifizierungen wie beispielsweise ISO 27001 und ISO 9001, was im Kontext der Migration einer HR-Lösung ausschlaggebend ist.” Gegenüber silicon.de hat ein Sprecher dies jetzt noch einmal damit begründet, dass sich bei der ursprünglichen Übersetzung mit dem Begriff “Datenschutzzertifizierungen” schlicht ein Übersetzungsfehler eingeschlichen habe. Die aus dem Fehler abgeleiteten Vermutungen sind Schlußfolgerungen der Redaktion zum Zeitpunkt ihrer Niederschrift und inzwischen möglicherweise anders zu beurteilen.

RWE CZ arbeitet auf dem Prinzip “Infrastructure as a code”. Auf diese Weise konnte das Unternehmen die Vorteile der AWS Cloud realisieren und den Change-Management-Prozess straffen. Ressourcen, Business-Services und Anwendungen können auf diese Weise noch schneller bereitgestellt werden.

Das IT-Team von RWE hat die Architektur für das SAP HR-System gemeinsam mit dem AWS Partner T1 Solution entworfen und implementiert. Über die AWS VPC VPN Verbindung steht eine stabile und redundante verschlüsselte Verbindung zwischen dem Rechenzentrum und der AWS Cloud bereit.

Anfragen, die via VPN eingehen, gehen zunächst an einen nicht öffentlichen Elastic Load Balancer, der die Anfragen an die leistungsfähigste Instanz weiterleitet. Oracle Secure Backup (RMAN), der in der Oracle Enterprise Edition auf AWS EC2 enthalten ist, sorgt für Backup, Restore und Recovery. Die Backups selbst werden in Amazon S3 und für die längerfristige Speicherung in Amazon Glacier abgelegt, was weitere Einsparungen bei den Betriebskosten nach sich ziehe.

RWE geht davon aus, dass durch die Migration der SAP HR-Anwendung etwa zwölf Prozent oder rund 400.000 Euro im Vergleich zum Betrieb auf den bisherigen On-Premises-Systemen eingespart werden können. Weitere Einsparungen erhofft sich RWE durch die Verlagerung von weiteren Anwendungen in die Cloud sowie durch die Optimierung von bereits bestehenden Cloud-Installationen.

Immer häufiger setzen große Unternehmen ihre Cloud-Strategien um. Neben RWE betreibt beispielsweise auch Thyssen Krupp eine umfangreiche Cloud-Migration.

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