Hewlett Packard Enterprise gibt Service-Sparte an Joint Venture mit CSC ab

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HPE und CSS werden jeweils 50 Prozent an dem neuen IT-Dienstleister halten. Die Transaktion soll bis zum 31. März 2017 abgeschlossen werden. Anleger sehen die Abspaltung der schon lange kränkelnden Service-Sparte positiv: Die HPE-Aktie legte im nachbörslichen Handel 11,88 Prozent zu.

Hewlett Packard Enterprise stößt seine Sparte Enterprise Services ab. Sie wird in ein neues Joint Venture mit CSC eingebracht. Den Jahresumsatz des neuen Unternehmens, dass noch keinen Namen hat und voraussichtlich im April 2017 den Betrieb aufnehmen soll, schätzt HPE in einer Mitteilung für die Investoren auf 26 Milliarden Dollar. Die HPE-Aktionäre halten dann 50 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen, der Rest gehört CSC.

HPE und CCS (Grafik: silicon.de)

Die Transaktion wird über einen Aktientausch abgewickelt. Zudem wird an die Anteilseigner eine Dividende von insgesamt 1,5 Milliarden Dollar ausgeschüttet. Zusammen mit der unerwartet erfreulichen Bilanz für das zweite Fiskalquartal 2016 (PDF) sorgte die Nachricht dafür, dass die HPE-Aktie im nachbörslichen Handel um 11,88 Prozent auf 18,18 Dollar zulegte. Damit liegt der Kurs nur wenig knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 18,55 Dollar. Die CSC-Aktie legte nach Börsenschluss sogar um 27,77 Prozent zu und übertraf damit den Höchstpreis der vergangenen 52 Wochen von 36,02 Dollar um mehr als 9 Dollar.

HP Enterprise Services ist aus der 2008 erfolgten Übernahme von EDS (Electronic Data Systems) hervorgegangen. Der Bereich konnte nie den mit der Übernahme erhofften Beitrag zum Erfolg des Unternehmens leisten, blieb stets hinter den Erwartungen zurück und sorgte regelmäßig durch Massenentlassungen für negative Schlagzeilen. Im soeben zu Ende gegangenen Quartal erwirtschaftete der Geschäftsbereich bei Einnahmen von 4,72 Milliarden Dollar lediglich einen Gewinn vor Steuern von 317 Millionen Dollar. Zum Vergleich: CSC erwirtschaftete im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2016, das am 24. Mai endete, einen Vorsteuergewinn von 123 Millionen Dollar.

HPE-Chefin Meg Whitman zeigte sich mit dem Ergebnis der ihr unterstehenden Aktivitäten in einer Telefonkonferenz mit Analysten hochzufrieden: Ihr zufolge ist HPEs Services-Sparte “heute stärker als in den Jahren zuvor. ” Die Enterprise Services sind auf dem Weg, ihre langfristigen Ziele zu erreichen”, so Whitman.

Die Leitung des neuen Unternehmens übernimmt CSC-CEO Mike Lawrie. Mike Nefkens, aktuell Executive Vice President & General Manager HP Enterprise Services, soll eine bislang nicht näher bezeichnete “Schlüsselrolle” im künftigen Führungsteam zufallen. HPE-Chefin Meg Whitman erhält einen Sitz im Board of Directors. Das Joint Venture kann dann zu Beginn voraussichtlich weltweit auf über 5000 Kunden verweisen. Laut CSC-CEO Lawrie sind lediglich rund 15 Prozent davon Kunden beider Firmen. Das Gemeinschaftsunternehmen wird ihm zufolge weltweit “zu den drei führenden Anbietern von IT-Services” gehören.

Die Ausgangslage für das Joint Venture von HPE und CSC in Deutschland

Für Deutschland gilt das voraussichtlich nicht. Hierzulande spielt CSC, das neben der Zentrale in Wiesbaden 14 Niederlassungen unterhält, eine wesentlich kleinere Rolle als zum Beispiel in den USA und hat auch einen etwas anderen Schwerpunkt. Das Unternehmen liegt in der von den Marktforschern von Lünendonk erstellten Liste mit den 25 führenden Beratungs- und Systemintegrations-Unternehmen in Deutschland gleichauf mit Hewlett-Packard Deutschland Service mit einem Umsatz von 340 Millionen Euro auf Rang sieben. Davor liegen mit deutlich größeren Umsätzen IBM Global Services, Accenture, T-Systems, Capgemini, Atos und MSG Systems.

Kriterien für die Aufnahmen in diese Liste waren, das mehr als 60 Prozent des Umsatzes mit IT-Beratung, Individual-Software-Entwicklung und Systemintegration erzielt werden. CSC beschäftigte ihr zufolge damit rund 1400 Mitarbeiter, HP rund 1100. Zudem konnte HP im Vergleich zum Vorjahr leicht zulegen, CSC stagnierte.

HPE Enterprise Services rangiert in der ebenfalls von Lünendonk erstellten Liste mit den 25 führenden IT-Service Unternehmen Deutschlands hinter T-Systems, IBM Global Services, FinanzInformatik und Computacenter mit einem Umsatz von 1,34 Milliarden Euro auf Rang vier. Es hatte demnach zuletzt rund 4000 Mitarbeiter. Neben der Höhe des Umsatzes war für die Aufnahme in diese Liste Voraussetzung, dass mehr als 50 Prozent des Umsatzes mit IT-Dienstleistungen, wie Outsourcing, ASP, RZ-Services, Maintenance, Schulung oder Software erbracht werden.

Die Liste bezieht sich ebenso wie die mit den 25 führenden Beratungs- und Systemintegrations-Unternehmen auf Zahlen von 2014, die aktuellste Ausgabe mit neueren Zahlen wird voraussichtlich Anfang Juni vorgelegt. In Deutschland wuchs der Umsatz der 25 führenden IT-Service-Unternehmen für den Betrieb von Rechenzentren und Applikationen 2014 laut Lünendonk im Durchschnitt lediglich um 0,6 Prozent. Er blieb damit deutlich hinter der Entwicklung des Marktes für IT-Beratung und Systemintegration zurück.

Das für Marktumfeld bei IT-Services, mit dem nicht alle Anbieter gut zurechtkommen, ist durch einen intensiven Preiswettbewerb und Industrialisierungseffekte in der IT bestimmt. “Gerade bei Neuverhandlungen von Outsourcing-Verträgen fallen die Preise in den Ausschreibungen oftmals deutlich, während die Ausschreibungspakete tendenziell ebenfalls kleiner werden”, kommentierte Mario Zillmann, Leiter Professional Services bei Lünendonk, bei der Vorstellung der Markterhebung. Standardisierung, Virtualisierung und Automatisierung sowie eine stärkere Verlagerung von IT-Leistungen an Near- und Offshore-Standorte führten ebenfalls zu niedrigeren Marktpreisen für IT-Services.

Durch dieselben Entwicklungen würden die Preise und Leistungen zudem zunehmend transparenter und vergleichbarer. Auch damit kämen nicht alle Teilnehmer gleich gut zurecht. Dennoch blicken die von Lünendonk befragten IT-Service-Unternehmen optimistisch in die Zukunft. Für das Jahr 2016 rechneten sie sogar mit einem Zuwachs um 3,4 Prozent. Allerdings gehen nur sehr wenige Unternehmen davon aus, Marktanteile gewinnen zu können. Die durchschnittliche Umsatzprognose der Anbieter für 2015 liegt mit 3,7 Prozent nur wenig höher als die von ihnen abgegebene durchschnittliche Marktprognose von 3,6 Prozent Zuwachs.

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

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