Siemens und HP kooperieren beim 3D-Druck

Innovation

Ziel der Zusammenarbeit ist es, Herstellern gemeinsame Angebote für die additive Fertigung zu unterbreiten. 3D-Druck soll so vom Tool für Prototyping zu einem Verfahren für die industrielle Produktion werden. Die Partner versprechen auch Möglichkeiten, funktionsfähige Produktionsteile mit unterschiedlichen Materialien und Farben zu produzieren.

Siemens hat eine Kooperation mit HP Inc. im Bereich des professionellen 3D-Drucks geschlossen. Ziel der nun bekräftigten, aber erstmals zur Hausmesse der Sparte Siemens PLM im Mai in Orlando angekündigten Zusammenarbeit ist es, die additive Fertigung vom Werkzeug für das Prototyping zu einem Verfahren für die komplette industrielle Produktion weiterzuentwickeln. Dazu sollen die noch für dieses Jahr in Aussicht gestellten 3D-Drucker von HP mit der Multi-Jet-Fusion-Technologie mit Software der PLM-Sparte von Siemens zu Gesamtlösungen zusammengeführt werden.

“Kunden wollen von allen Vorteilen der neuen Multi-Jet-Fusion-Technologie von HP profitieren, um Material- und Teileeigenschaften schon auf der Voxel-Ebene zu steuern. Dazu benötigen sie CAD/CAM/CAE-Systeme, die solch hochentwickelte Konstruktions- und Simulationstechniken unterstützen”, erklärt Stephen Nigro, Leiter 3D-Druck bei HP, in einer Pressemitteilung. “Das Software Know-how von Siemens im Bereich Product Lifecycle Management kombiniert mit den Innovationen von HP wird dazu beitragen, den 3D-Druck von einer reinen Prototyping- zu einer umfassenden Produktionslösung weiterzuentwickeln.”

HP bringt dieses Jahr die ersten beiden 3D-Drucker mit der schon seit Jahren entwickelten und angekündigten Multi-Jet-Fusion-Technologie auf den Markt: den HP Jet Fusion 3D 3200, der für Rapid Prototyping und den HP Jet Fusion 3D 4200, der laut Hersteller auch für Fertigungsläufe mit kurzer Durchlaufzeit geeignet ist und schnelle Produktion zu niedrigen Stückkosten ermöglichen soll.

HP Jet Fusion 3D-Drucker-Reihe (Bild: HP Inc.)
Die ersten beiden Modelle der 3D-Drucker-Reihe HP Jet Fusion sollen noch im Laufe dieses Jahres auf den Markt kommen (Bild: HP Inc.)

Das Angebot wird durch die HP-Jet-Fusion-3D-Verarbeitungsstation, die eine schnelle Kühlung ermöglicht, sowie speziell konzipierte Materialien und eine zugehörige Software ergänzt. Das Gesamtpaket kostet dann rund 145.000 Euro. Dafür verspricht HP einen bis zu zehnmal schnelleren Druckvorgang als mit aktuellen Angeboten der Wettbewerber sowie nur halb so hohe Gesamtkosten beim Druck.
Ein weiteres, gerade in der Industrie wichtiges Merkmal ist die Möglichkeit, Funktionsteile auf Ebene einzelner Voxel https://de.wikipedia.org/wiki/Voxel drucken zu können, was mehr Möglichkeiten für die Ausgestaltung bietet. “Voxel” ist der Begriff, der beim 3D-Druck einem Pixel bei zweidimensionalen Darstellungen entspricht.

Laut Chuck Grindstaff, President und Chief Executive Officer von Siemens PLM Software können Ingenieure mit der neuen 3D-Drucktechnologie von HP und der Software für additive Fertigung von Siemens “ein neues Level an Gestaltungsfreiheit, Anwenderfreundlichkeit und Geschwindigkeit erreichen. Unternehmen können leistungsstärkere Produkte mit geringerem Gewicht und höheren Belastungsgrenzen entwickeln.” Zudem ließen sich sich Baugruppen, die aus Teilen mit unterschiedlichen Eigenschaften bestehen, in einem Stück drucken, wodurch sich Zeit und Geld sparen und die Zahl der Herstellungsfehler reduzieren lasse.

Das Siemens-Konzept für additive Fertigung (Grafik: Siemens)
Das Siemens-Konzept für additive Fertigung (Grafik: Siemens)

Außer mit Siemens kooperiert HP auch mit Autodesk und Materialise. Die Zusammenarbeit mit diesen Anbietern soll die Integration des 3D-Drucks in die Fertigungsprozesse sicherstellen. Diesem Ziel dient auch das Druckformat 3MF. Dem Industriekonsortium, dass diesen Standard vorantreibt, gehören neben HP auch Partner Autodesk, Dassault Systems, GE, Materialise, Microsoft, Shapeways, Siemens und SLM Solutions sowie die HP-Konkurrenten 3D Systems und Stratasys sowie der eher auf kleinere Druckgeräte ausgerichtete Hersteller Ultimaker an.

Was sich HP und Siemens letztlich vorstellen hat Siemens bereits im April am Beispiel des US-Autobauers Local Motors gezeigt. Dessen Modell LM3D stammt laut Firmenangaben zu 75 Prozent aus dem 3D-Drucker (Bild: Siemens)
Was sich HP und Siemens letztlich vorstellen hat Siemens bereits im April am Beispiel des US-Autobauers Local Motors gezeigt. Dessen Modell LM3D stammt laut Firmenangaben zu 75 Prozent aus dem 3D-Drucker (Bild: Siemens)

Ein Vorreiter bei der additiven Fertigung ist der Siemns-Kunde Local Motors. Das US-Unternehmen hat im April angekündigt, im laufenden Jahr drei neue Anlagen zu eröffnen, in denen mit Software von Siemens gearbeitet wird. Eine Forschungseinrichtung soll auch in Berlin entstehen. Jay Rogers, CEO von Local Motors, sagte damals in einer Pressemitteilung: “Wir haben das weltweit erste gemeinschaftlich hergestellte und 3D-gedruckte Fahrzeug entwickelt. Jetzt bietet unser LM Labs Programm Co-Creators auf der ganzen Welt eine Möglichkeit, die Zukunft des Transportwesens mitzugestalten – sowohl on- als auch offline.”

Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen