Avast kauft AVG für rund 1,3 Milliarden Dollar

EnterpriseÜbernahme

Der Käufer bietet einen Aufschlag von 33 Prozent auf den letzten Schlusskurs der AVG-Aktie. Die Akquisition soll im Herbst abgeschlossen werden. Damit würden dann ein nach wie vor in Tschechien ansässiger Security-Anbeiter sowie ein dort gegründeter, aber zur Expansion in die Niederlande und die USA ausgewanderter, unter einem Dach vereint.

Der tschechische IT-Security-Anbieter Avast hat mit dem ebenfalls noch in der Tschechoslowakei gegründeten Mitbewerber AVG eine Kaufvereinbarung unterzeichnet. Der zufolge wird Avast AVG übernehmen. Für das an der US-Börse notierte AVG bietet der Käufer 25 Dollar pro Aktie in bar. Das entspricht einem Aufschlag von 33 Prozent auf den letzten Schlusskurs. Insgesamt hat die Akquisition damit ein Volumen von 1,3 Milliarden Dollar. Die Vorstände und Aufsichtsräte von Avast sowie AVG haben der Übernahme bereits einstimmig zugestimmt. AVG empfiehlt zudem seinen Aktionären, das von Avast unterbreitete Angebot anzunehmen.

Avast (Bild: Avast)

Beide Firmen gehören zu den Pionieren im Markt für IT-Sicherheit. Während Avast, das 1988 von Wissenschaftlern der Universität Prag gegründet wurde, seinem Stammsitz Prag stets treu geblieben ist, hat das 1991 als “Grisoft” gegründete AVG seinen Hauptsitz inzwischen nach Amsterdam verlegt und ist in den USA an der Börse notiert.

Von der Übernahme versprechen sich die Beteiligten eine effizientere Organisation und Innovationen, um in neuen Wachstumsmärkten erfolgreich sein zu können. Dazu zählt Avast ausdrücklich Sicherheitslösungen für Geräte im Internet der Dinge. Die beiden Unternehmen werden nach eigenen Angaben auf ein Netzwerk von mehr als 400 Millionen Endpunkten zurückgreifen können, darunter 160 Millionen mobile Geräte. Diese Endpunkte agieren – mit Zustimmung der Nutzer – auch als Sensoren, die Avast Informationen über Malware liefern und es ihm ermöglichen sollen, für neue Bedrohungen kurz nach deren Entdeckung Abwehrmaßnahmen parat halten zu können.

Avast-CEO Vincent Steckler (Bild: Avast)
Avast-CEO Vincent Steckler (Bild: Avast)

“Unsere Branche entwickelt sich gerade rasant weiter und die Übernahme gibt uns die nötige Reichweite und technologische Tiefe als bevorzugter Sicherheitsanbieter für unsere derzeitigen und künftigen Kunden zu agieren”, kommentiert Avast-CEO Vincent Steckler. AVG-Vorstand Gary Kovacs ergänzt: “Durch unsere neue Unternehmensgröße können wir Investitionen in Wachstumsmärkten beschleunigen und sowohl unseren Anwendern als auch Unternehmen umfassende und einfach zu bedienende Sicherheitslösungen bieten.” Seiner Ansicht nach betrifft das Thema Internetsicherheit heute Geräte, Daten und Anwender gleichermaßen. “Wir glauben, dass wir als gemeinsames Unternehmen in diesem wachsenden Markt eine Führungsrolle übernehmen können.”

AVG (Grafik: AVG)

Bisher haben sich in diesem Bereich eher Mitbewerber wie Bitdefender, F-Secure und Symantec positioniert. Während Bitdefender und F-Secure eine Box zur Absicherung des Smart Home anbieten beziehungsweise angekündigt haben, konzentriert sich Symantec auf Angbeote für die Industrievernetzung.

Im vergangenen Jahr hatte AVG nach einigen strategischen Schlenkern ein Cloud-Angebot für KMU vorgestellt. Dabei handelt es sich um mehrere Business-Lösungen für kleine und mittlere Unternehmen – quasi eine modernisierte Business-Version der vom PC her bekannten Tune-up-Utilities. Während die die PC-Verwaltung erleichterten, soll das AVG Business-Cloud-Portfolio die Administration, Wartung und Absicherung von Geräten in Firmen erleichtern – vom Smartphone über das Tablet und das Notebook bis hin zum PC.

Mit dem Angebot wollte AVG sich und seine Security-Software, die Teil der meisten Komponenten der Cloud-Offerten ist, besser bei Unternehmen platzieren. Inwieweit diese Pläne weiterverfolgt werden ist derzeit noch offen. Sie dürften aber nicht ohne weiteres aufgegeben werden und eventuell bald auch Avast-Kunden angeboten werden. Denn im Grundsatz vergleichbare Angebote hat auch Bitdefender eingeführt. Der Anbieter zielt mit seiner Small Office Security auf Firmen mit bis zu 250 Mitarbeitern. Sie bekommen über die Bitdefender-Cloud eine zentrale Management-Konsole, über die etwa Sicherheits-Updates eingespielt werden können. Abgerechnet wird auch hier im Abo-Modell.

[mit Material von Björn Greif, ZDNet.de]

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