Partnerschaften ebnen den Weg der digitalen Transformation

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Die Stärke des deutschen Mittelstands? Ohne Zweifel seine Innovationskraft. Die wird mit der Digitalisierung noch verstärkt. Grund genug, sich jetzt auf den Weg der digitalen Transformation machen – am besten mit starken Partnern an der Seite, empfiehlt Hagen Rickmann, der Autor dieses Gastbeitrags für silicon.de.

Es gibt nicht viele deutsche Begriffe, die Eingang in andere Sprachen gefunden haben. “Mittelstand” gehört dazu. Denn der “German Mittelstand”, eine Wortschöpfung angelsächsischer Medien, charakterisiert die Besonderheit unserer deutschen Wirtschaft. Sie ist, betrachtet man die Unternehmensgrößen, stark diversifiziert. Es gibt große Konzerne – unsere Automobil- oder Chemieindustrie sind zum Beispiel weltweit führend – und zwischen Berlin, Köln, Hamburg und München werden täglich neue Start-ups gegründet. Wirklich unverwechselbar und schlagkräftig wird unsere Wirtschaft durch unseren potenten Mittelstand. Selbst im Ausland werden ihm Lorbeerkränze gewunden: als Jobmotor Nummer eins und als Treiber von Innovationen.

Hagen Rickmann, der Autor dieses Gastbeitrags für silicon.de, ist  Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland GmbH (Bild: Telekom)
Hagen Rickmann, der Autor dieses Gastbeitrags für silicon.de, ist
Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland GmbH (Bild: Telekom)

“Land der Erfinder, Tüftler und Ingenieure”

Dem Mittelstand ist es zu verdanken, dass wir heute als “Land der Erfinder, Tüftler und Ingenieure” gelten. Zwei Drittel der Arbeitnehmer sind hierzulande bei einem mittelständischen Unternehmen beschäftigt. Im Jahr 2015 zählte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) 1500 mittelständische Unternehmen zu den so genannten “Hidden Champions”.

Sie gehören damit zu den Weltmarktführern ihrer Branche. Mehrheitlich (86 Prozent) stammen sie aus dem industriellen Bereich, und dabei zu fast einem Viertel aus dem traditionell starken Maschinenbau; aber auch Dienstleister – vor allem Ingenieurbüros, Softwareentwickler oder Informationsdienstleister – mischen sich mit einem Anteil von 14 Prozent darunter.

Gemeinsames Erfolgsrezept: Perfektion, Qualität, Fertigungstiefe und eine sehr starke Kundenorientierung. Vor allem aber eine überzeugende Innovationskraft. Ihre Produkte sind stark gefragt, im In- wie Ausland – trotz Konkurrenz aus Billiglohnländern. Unser Exportüberschuss in Höhe von 280 Milliarden Euro (2015) ist nicht zuletzt der Innovationskraft unseres Mittelstands zu verdanken.

Geschäftsmodell auf dem Prüfstand

Aber nichts ist für die Ewigkeit. Selbst scheinbar gefestigte Positionen können schnell ins Wanken geraten – man denke nur an das Scheitern von Traditionsfirmen wie Kodak oder Quelle. Die bevorstehende vierte industrielle Revolution (Industrie 4.0), die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Wertschöpfungskette und disruptive Technologien wie der 3D-Druck haben das Potenzial, Geschäftsmodelle strukturell zu verändern. Unabhängig von Unternehmensgröße und Umsatz müssen Firmen ihre Produkte, ihre Prozesse und ihr Geschäftsmodell heute permanent überprüfen, nach Effizienzsteigerungsmöglichkeiten suchen und Innovationen fördern.

Checkliste (Bild: Shutterstock/Karuka)

Das Ziel heißt Zukunftssicherheit. Die lässt sich nur erreichen, wenn die Entscheider die Digitalisierung als Chance begreifen. Wenn sie so viele interne und externe Prozesse wie möglich digitalisieren und ihren Kunden jederzeit Kontaktmöglichkeiten bieten.

Denn selbst Hidden Champions sind nicht davor gefeit, von neuen Playern überholt zu werden. Digitalisierung ist dabei kein reines IT-Thema, sondern bedeutet in erster Linie das ständige Hinterfragen des eigenen Tuns. Das geschäftliche Umfeld ändert sich heute schneller. Ganz plötzlich tauchen Wettbewerber auf, die man zuvor nicht auf dem Radar hatte – weil es sie schlicht nicht gab.

Digitale Schlafmützigkeit wird bestraft. Vielleicht nicht heute oder morgen. Künftig aber ganz gewiss. Deshalb starten auch Unternehmen, die in ihrem Marktsegment noch komfortabel unterwegs sind, bereits jetzt mit der Digitalisierung. Denn wer die Transformation entspannt angehen kann und noch nicht unter einem Veränderungsdruck steht, der hat gute Chancen, seine Marktanteile noch weiter auszubauen.

Mittendrin im digitalen Wandel

Diese Wandlungsfähigkeit zählt zu den Grundeigenschaften der deutschen Mittelständler. Die stellen sie auch in Sachen Digitalisierung unter Beweis: Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass mittelständische Unternehmen längst auf dem Weg sind. Bei mehr als jedem zweiten Unternehmen (54 Prozent) spielen digitale Technologien bereits jetzt eine große beziehungsweise mittelgroße Rolle für das eigene Geschäftsmodell, ergab eine Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young).

Laut MittelstandsPanel 2015 (BDI/PwC) halten 60 Prozent der Mittelständler die eigene Digitalisierung für den Gradmesser ihrer Wettbewerbsfähigkeit: 4,3 Prozent der Gesamtinvestitionssumme fließen im Mittelstand in die Digitalisierung. Hier befinden sich im Übrigen viele Unternehmen bereits auf vertrautem Terrain. Schließlich ist der Automatisierungsgrad der Produktion gerade im Maschinenbau und in der Automobilbranche bereits sehr hoch.

Voneinander lernen

Ob kleine, mittelständische oder große Unternehmen: Alle tragen auf ihre Weise zur digitalen Transformation bei. Sie müssen sich auf ihren ganz eigenen Weg machen – und sollten doch voneinander lernen, wenn sie die eigene Organisation und IT fit für die Digitalisierung machen wollen. Digitale Innovationen kommen heute vor allem aus der Start-up-Szene.

Etablierte Firmen udn Start-ups können viel voneinander lernen (Bild: Shutterstock/Pressmaster)

Bei diesen Unternehmensgründungen ist die Digitalisierung Bestandteil der Firmen-DNA. Sie haben mit neuen, digitalen Ansätzen ganze Branchen und Wertschöpfungsketten durcheinandergewirbelt – man denke nur an Airbnb oder Uber. Was sie auszeichnet? Besserer Service, höheres Tempo und oft genug auch bessere Preise (Crisp Research). Mit ihren disruptiven Innovationen geben Start-ups wichtige Impulse, wenn zum Beispiel Mittelständler ihre Technologieführerschaft durch neue digitale Services untermauern möchten.

Win-Win-Situation

Ein erfolgversprechender Ansatz: Unternehmen aller Größen setzen auf ein neues partnerschaftliches und industrieübergreifendes Denken. Konzerne gründen zum Beispiel Digital Labs außerhalb der eigenen Strukturen, arbeiten mit Start-ups zusammen und investieren in sie. Michael Brandkamp, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds (HTGF), bemerkt seit ein bis zwei Jahren auch beim gehobenen Mittelstand “ein spürbares Interesse an Investitionen in junge Technologieunternehmen. Die Intention: Dem Mittelstand verschafft eine Finanzspritze für Hightech-Newcomer den Zugang zu Innovationen, die im eigenen Unternehmen Technologiesprünge ermöglichen.

Natürlich profitieren auch Start-ups von den Kooperationen: Denn große und mittelständische Unternehmen besitzen mehr Marktmacht und sind finanziell robuster. Öffnen sie zum Beispiel ihr Vertriebsnetz für die kleineren Partner, dann ist dies eine wichtige Hilfestellung. Solche Partnerschaften ermöglichen ganz neue Geschäftsmodelle. In der Automobilbranche denken Kooperationspartner bereits heute darüber nach, wie sie darauf reagieren sollen, wenn Kunden nicht mehr das Produkt Auto, sondern das Produkt “Mobilität” kaufen möchten.

Digitalisierung setzt Kulturwandel voraus

Auch in Sachen Unternehmenskultur lässt sich viel von Start-ups lernen. Größe und althergebrachte Strukturen bremsen viele Konzerne und mittlere Unternehmen zu stark aus. Die digitale Transformation setzt ein kooperativeres Denken in den Führungsetagen voraus. CEOs müssen Mut beweisen – um Verantwortung abzugeben und die Kompetenz und Autonomie der Mitarbeiter zu stärken.

Start-ups machen vor, wie man ohne Hierarchien, mit wenigen Regularien und vor allem ohne Schranken im Kopf erfolgreich arbeiten kann. Die Personalberatung Dwight Cribb formuliert das so: “Die Symbole der Macht müssen neu definiert werden und im Einklang mit Offenheit, Agilität, Lernen und Veränderung stehen. Denn von oben digital predigen und weiter mit dem Vorstandsfahrstuhl fahren, ist dem Wandel nicht dienlich.”

Telekom übernimmt Vermittlerrolle

Die Deutsche Telekom übernimmt in Sachen Digitalisierung eine wichtige Vermittlerrolle: Denn sie kennt die Player unserer diversifizierten Wirtschaft. Viele IT-Lösungen, die das Unternehmen einst für Großkunden entwickelt hat, sind inzwischen zu Standards geworden, mit denen auch kleine und mittlere Unternehmen arbeiten können. Um unseren Kunden eine breite Palette an Digitalisierungslösungen anbieten zu können, kooperiert der Konzern mit vielen Partnern aus dem Mittelstand und der Start-up-Szene. Das Ergebnis: ein großes Portfolio, mit dessen Hilfe die Kunden ihr Unternehmen Schritt für Schritt digitalisieren können.

Industrielle Automatisierung (Bild: Deutsche Telekom)
Zahlreiche Projkete belegen bereits die Vorteile von Vernetzung, industrieller Automatisierungund Digitalisierung (Bild: Deutsche Telekom)

Damit zum Beispiel kleine Geschäfte mit einem digitalen Vertriebskanal (Webshop) ihren Umsatz steigern und große Logistikunternehmen mit M2M-Lösungen ihre Container weltweit überwachen können. Ein weiteres Bespiel liefert das Stichwort “predictive maintenance”: Dank intelligenter Datenanalyse können Firmen ihre Maschinen, Produktionsanlagen oder Aufzüge vorausschauend instandhalten.

Unabhängig von der gewählten Lösung unterstützen unsere Digitalisierungsangebote die Unternehmen dabei, ihren Kunden verbesserte Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Im besten Fall entwickeln sie damit sogar komplett neue Geschäftsfelder. Und schreiben die Erfolgsstory des “German Mittelstand” fort.

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