Französische BPCE kauft deutschen FinTech-Pionier Fidor Bank

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BPCE ist Frankreichs zweitgrößte Firmengruppe. Die Münchner Fidor Bank soll unter ihrem bisherigen CEO Matthias Kröner ihren aktuellen Kurs weiter verfolgen. Allerdings habe man nun die Start-up-Phase ab endgültig hinter sich gelassen und werde zu einem Growth-Unternehmen, so die Selbsteinschätzung.

BPCE, Frankreichs zweitgrößte Bankengruppe, hat zu einem nicht genannten Betrag das Münchner Fin-Tech-Unternehmen Fidor Bank übernommen. Laut Pressemitteilung soll die Übernahme im dritten Quartal 2016 abgeschlossen werden. Sie sei Teil der BPCE-Initiative “Anders wachsen”: Das französische Unternehmen verspricht sich davon entscheidende Impulse für seine Digitalstrategie.

Wohl auch um diese Impulse zu erhalten, soll die Fidor Bank zumindest zunächst weitgehend unabhängig blieben. Gründer und CEO Matthias Kröner behält seinen Posten. Gemeinsam mit dem weiteren Führungsteam hat er sich zudem verpflichtet, “mindestens über die kommenden fünf Jahre die spezifische Unternehmenskultur der Fidor Gruppe mitzugestalten.”

Die zweitgrößte französische Bankengruppe BPCE (Baque Populaire Caisse d´Epargne) übernimmt den deutschen FinTech-Pionier Fidor Bank .(Grafik: BPCE)
Die zweitgrößte französische Bankengruppe BPCE (Baque Populaire Caisse d´Epargne) übernimmt den deutschen FinTech-Pionier Fidor Bank. (Grafik: BPCE)

Über seine Website teilt das Münchner Unternehmen mit, dass sich für Kunden nichts ändere, “außer dass Sie in der noch jungen Fidor Bank einen finanziell gestärkten Partner behalten, der mit neuen Technologien und Produkten weiter von sich reden machen wird.” Von sich reden gemacht hat das Unternehmen zuletzt durch eine Kooperation mit der Telefónica-Tochter O2 im Rahmen eines Kontos speziell für Smartphone-Nutzer. Zu ihm gehört auch eine kostenlose MasterCard. Statt Zinsen bekommen Kunden zusätzliches Highspeed-Datenvolumen.

Eigenen Aussagen zufolge will Fidor nach der Übernahme sowohl Marktvertiefung in Deutschland als auch die internationale Expansion und die technologische Entwicklung forciern. Auch das Produktangebot soll “massiv erweitert werden”. Laut Kröner ist die Transaktion mit BPCE “nicht das Ende des Weges, sondern der Anfang. Jetzt geht es erst richtig los!”

BPCE (Banque Populaire Caisse d’Épargne) beschäftigt in Frankreich 108.000 Mitarbeiter und kann auf 35 Millionen Kunden verweisen. Die Gruppe vereint die französischen, genossenschaftlich organisierten Volksbanken (Banques Populaire) mit dem Pendant zu den deutschen Sparkassen (Caisse d´Epargne). Außerdem gehören das auf Immobilienkredite spezialisierte, traditionsreiche, schon 1851 von Napoléon II gegründete Institut Crédit Foncier sowie Versicherungsfirmen dazu.

Im Zuge ihrer Digitalstrategie hat die BPCE-Gruppe erst im Mai die Mehrheit am französischen Unternehmen Serenipay übernommen. Dies steht hinter dem Angebot “Depopass”, dass eine digitale Alternative zu den in Frankreich insbesondere für Rechnungszahlungen immer noch verbreiteten Bankschecks bietet. Schwerpunkt ist es, Zahlungen zwischen Privatpersonen, etwa beim Autoverkauf oder anderer, teurerer und daher nicht bar bezahlter Güter, abzuwickeln.

Bereits im Oktober 2015 hatte BPCE zudem 85 Prozent an dem aus Paris stamemnden Start-up LePotCommun.fr übernommen. Das bietet die Möglichkeit, für diverse Gelegenheiten eine Online-Gemeischaftskasse anzulegen und zu pflegen. Es reagierte damit auf den Einstieg des Konkurrenten Crédit Mutuel Arkéa bei Leetchi. Dem waren 86 Prozent der Plattform für Mikro-Crowdfunding immerhin knapp über 50 Millionen Euro wert. Wieviel BPCE für seinen Anteil an LePotCommun.fr bezahlt hat, ist nicht bekannt.



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