Salesforce kauft Kollaborationsspezialisten Quip

EnterpriseÜbernahme

Quip hat sich E-Mail-lose Zusammenarbeit auf die Fahnen geschrieben. Der Cloud-CRM-Pionier baut mit dem vom ehemaligen Facebook-CTO Bret Taylor mitgegründeten Anbieter sein Angebot um Kollaborationsfunktionen aus. Der Kaufpreis liegt bei mindestens 582 Millionen Dollar.

Salesforce übernimmt das 2012 gegründet US-Unternehmen Quip. Das bietet diverse Tools zur Organisation eines digitalen Arbeitsplatzes unter weitgehendem Verzicht auf E-Mail. Einsatzfeld sind in erster Linie Firmen oder Abteilungen, deren Abläufe sich stark an Dokumenten orientieren und in denen viel Interaktion erforderlich ist.

Dazu bietet Quip neben einem “Posteingang für Dokumente”, eine Kommentarfunktion, eine Chat-Möglichkeit sowie für Nutzer die Möglichkeit, nach ihren Bedürfnissen Benachrichtigungen einzurichten. All das geschieht über eine Art Website, die bei Quip in der Cloud liegt. Der Import und Export von Dokumenten aus Microsoft Office, Google Drive, Evernote und anderen Diensten ist möglich. Zur Absicherung lassen sich Berechtigungen auf Gruppen- oder Ordnerebene vergeben, die Verschlüsselung der Daten ist ebenfalls möglich.

Die Quip-App auf dem iPhone (Bild: Qiuip)
Die Quip-App auf dem iPhone (Bild: Qiuip)

Quip wurde 2012 von Bret Taylor und Kevin Gibbs gegründet. Taylor war zuvor CTO bei Facebook, Gibbs bei Google technischer Leiter für die App Engine und Vater der Funktion Google Suggest. Die beiden holten offenbar einige gute Bekannte in ihr inzwischen 40-köpfiges Team nach. Außerdem arbeiten dort Personen, die bei Firmen wie Dropbox, Instagram und Quora Erfahrung im Aufbau schnell wachsender Firmen im Cloud-Umfeld gesammelt haben.

Zum Start bekam Quip eine Anschubfinanzierung in Höhe von 15 Millionen Dollar von Benchmark Capital. An die Öffentlichkeit ging es vor knapp drei Jahren, Mitte 2013. Im Oktober vergangenen Jahres bekam es dann 30 Millionen Dollar vom Wagniskapitalgeber Greylock und erweiterte sein Führungsteam. Aktuell kostet ein Jahresabo von Quip für ein Team mit bis zu fünf Mitarbeitern 360 Euro, jede weitere Person 10 Euro pro Monat bei. Eine kostenlose Testversion soll potenzielle Nutzer überzeugen.

Salesforce kauft Quip (Grafik: Quip)

In der Ankündigung der Übernahme wird kein Kaufpreis genannt. TechCrunch berichtet unter Berufung auf Quellen, die mit der Transaktion vertraut sein sollen, dass Salesforce rund 750 Millionen Dollar bezahlt. Update 3. August 2016, 11 Uhr 04: In einer inzwischen veröffentlichten Pflichtmitteilung beziffert Salesforce selbst den Wert der Transaktion auf 582 Millionen Dollar. Darin ist allerdings der Teil von Quip nicht enthalten, der bereits zuvor zu Salesforce Ventures, der Wagniskapitalsparte des Unternehmens, gehört hat.

Quip wird Salesforce-Kunden voraussichtlich schon bald zur Verfügung stehen. Währen dort derzeit noch die Auswertung von Daten im Vordergrund steht, soll mit Quip dann bald auch die Kommunikation über diese Daten innerhalb von Salesforce.com abgewickelt werden können.

Für Salesforce, dass in der jüngeren Vergangenheit eher kleinere, Technologie-Start-ups aufgekauft hat, ist der Kauf von Quip bereits der zweite große Deal in diesem Jahr. Erst vor zwei Monaten hatte es angekündigt, den E-Commerce-Spezialisten Demandware für 2,8 Milliarden Dollar zu übernehmen. Damit rüstet Salesforce relativ spät und relativ teuer in einem Bereich auf, in dem zuvor SAP mit dem Kauf von Hybris für und Oracle durch die Übernahme von ATG 2010 für jeweils rund eine Milliarde Dollar vorgelegt hatten. Die letzte, richtig große Übernahme davor war für Salesforce der Kauf des Marketing-Automatisierungsspezialisten ExactTarget 2013 für 2,5 Milliarden Dollar.

Mit dem Kauf von Quip wehrt sich Salesforce nun weniger gegen die Konkurrenz aus dem Umfeld der altgedienten IT-Riesen, sondern eher gegen von unten nachdrängende Wettbewerber. Zu nennen ist hier vor allem Zoho, das mit der soeben vorgestellten “SalesInbox” ebenfalls eine Möglichkeit bietet, E-Mail (respektive Kollaboration) und CRM zu integrieren. Allerdings will Zoho E-Mail nicht ablösen, sondern lediglich kontextbezogene besser nutzbar machen. Damit sollen Mitarbeiter in einem gewohnten Arbeitsumfeld bleiben, aber die Zusammenhänge besser durschauen und ordnen können. Welcher Ansatz besser geeignet ist, lässt sich wahrscheinlich nur für jede Firma durch ausprobieren herausfinden.

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