Telekom setzt bei IoT auf Best-of-Breed-Ansatz

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Erfahrungen aus dem Cloud-Business wendet die Deutsche Telekom nun beim Aufsetzen ihres IoT-Angebotes an. Den Kunden soll möglichst große Vielfalt und dabei die Chance geboten werden, die besten Komponenten für jeden Teil der individuellen Lösung zusammenzubauen.

Wie im Cloud-Geschäft mit der sogenannten Multi-Cloud möchte die Deutsche Telekom im IoT-Geschäft mit einer Multi-IoT-Serviceplattform punkten. Seit vier Jahren beschäftigt sich die Telekom beziehungsweise T-Systems bereits mit IoT. So werden rund zwei Millionen vernetzte Fahrzeuge eines großen deutschen Herstellers (wer das ist, will die Telekom nicht verraten) mit IoT-Technologie von T-Systems betrieben. Auch im Hafen Hamburg, der seit einigen Jahren versucht, seine Logistik mit Hilfe massenweise implementierter Sensoren und IoT-Anwendungen zu optimieren, spielt T-Systems mit.

2015 untersuchte das Unternehmen intensiv das Angebot an IoT-Plattformen und versuchte, die Anliegen der eigenen Kunden auf diesen Plattformen abzubilden. Dabei kam er zu der Erkenntnis: “Es gibt zwar inzwischen viele IoT-Plattformen, aber wenn man die konkreten Anliegen der Anwender betrachtet, ist keine im Stande, eine komplexere Aufgabe, wie sie bei unseren Kunden regelmäßig anfällt, vollständig zu lösen”, so Heiko Burdack, in der Digital Division von T-Systems für den Bereich Digital Design und Development zuständig.

Auif der CeBIT 2016 zeigte die Deutsche Telekom zusammen mit BMW einige aktuelle Angebote sowie einige der Möglichkeiten, die durch Digitalisierung und Vernetzung in der Automobilbranche gerade erst noch  entstehen (Bild. DTAG).
Auf der CeBIT 2016 zeigte die Deutsche Telekom zusammen mit BMW einige aktuelle Angebote sowie einige der Möglichkeiten, die durch Digitalisierung und Vernetzung in der Automobilbranche gerade erst noch entstehen (Bild. DTAG).

Oftmals fehle ein Baustein, der dann von einem anderen Anbieter beigesteuert werden müsse. Kunden wollten aber kein Stückwerk, sondern Komplettlösungen mit Rundum-Sorglos-Garantie. Denn schließlich gehe es um Lösungen mit Laufzeiten von bis zu dreißig Jahren, für die auch am hinteren Ende der Einsatzperiode noch Ersatzteile und Service verfügbar sein müssten.

Da sich die IoT-Strategie der Telekom aus ihrer Multi-Cloud-Strategie ableitet, setzt der Konzern auch bei IoT auf Partner-Ökosysteme mit dem Netz der Telekom als Basis für alle Anwendungen. Diesen Ansatz will die Telekom nun in wirtschaftlichen Erfolg ummünzen. Die Multi-IoT-Serviceplattform als technische Grundlage dafür entsteht im nagelneuen, hocheffizienten und hochverfügbaren Doppelrechenzentrum Biere. Dort werden neben dem eigenen IoT-Stack der Telekom auch Stacks anderer Anbieter vorgehalten. Der Kunde kann sich dann aus dem vorhandenen Angebot, unterstützt von den Telekom-Beratern, seine Bausteine so zusammenstellen, dass das jeweilige Problem optimal gelöst wird.

IoT-Ansatz der Telekom durch zahlreiche Kooperationen geprägt

Besonders eng ist die Kooperation mit Microsoft. Für den Softwareriesen ist die Telekom “Data Trustee” in Deutschland und der Microsoft-Stack kann bereits heute in kundenspezifische Multi-IoT-Lösungen aus Biere eingebaut werden. Seine spezielle Stärke liege im Bereich Maschinenlernen, erklärt Burdack.

Außer mit Microsoft arbeitet die Telekom auch eng mit Cisco und GE zusammen. Mit Huawei hat die Telekom eine Zusammenarbeit bei IoT-Hardware vereinbart. Im zweiten Halbjahr sollen weitere namhafte Partner dazu kommen, deren Produkte und Lösungen zum Telekom-Ansatz passen. Ein Beispiel ist GE Digital, einer Tochter des amerikanischen Industriekonzerns General Electric (GE) mit seiner Cloud-Plattform Predix. Sie eignet sich für industrielle Daten und Analysen. Die Partnerschaft soll noch im Sommer besiegelt werden. Es gehe darum, so Burdack, einen Ende-zu-Ende-Ansatz aus Kundensicht zu ermöglichen. Auch kleinere Anbieter, die Speziallösungen im Programm haben, bekommen in diesem Zusammenhang eine Chance.

“Plattformen wie Bluemix (von IBM, Anm. d. Aut.) sind für mittelständische Kunden wegen ihrer Komplexität nur bedingt einsetzbar”, sagt Burdack. Deshalb wird es dem Kunden möglichst einfach gemacht: Mit Zulieferern der Telekom müssen die Kunden der IoT-Services der Telekom keinesfalls in Kontakt treten, die Telekom ist ihr einziger Ansprechpartner und damit auch im Besitz der Kundenbeziehung. Rund 80 Prozent einer IoT-Komplettlösung aus der Hand der Telekom soll standardisiert geliefert werden, etwa ein Fünftel kundenindividuell (siehe Grafik). Zu diesem Drittel gehören die Applikationen, die branchen- und kundenspezifische Aufgaben lösen.

Rund 80 Prozent der Ende-zu-Ende-IoT-Lösungen der Telekom sollen standardisiert sein, die restlichen 20 Prozent individuell, wobei insgesamt ein Best-of-Breed-Ansatz verfolgt wird (Grafik: Deutsche Telekom)
Rund 80 Prozent der Ende-zu-Ende-IoT-Lösungen der Telekom sollen standardisiert sein, die restlichen 20 Prozent individuell, wobei insgesamt ein Best-of-Breed-Ansatz verfolgt wird (Grafik: Deutsche Telekom)

Für den schnellen Einstieg in das Internet der Industrie hat die Telekom während der Hannover Messe das “Cloud der Dinge Starter Kit” vorgestellt. Das Einsteigerpaket ist Teil Multi-IoT-Service-Plattform der Telekom. Sie ist offen angelegt und bildet Konnektoren – sogenannte Stacks – zu anderen Plattformen und Partner-Lösungen. Die Plattform verarbeitet empfangene Sensordaten und stellt sie den Kunden über ein Online-Portal bereit.

Das Starterkit enthält Hardware und Sensoren für die Datenerfassung, eine SIM-Karte mit einem speziellen Datentarif für die Datenübertragung und den Zugang zu einer speziellen Telekom-Cloud-Plattform für die Datenverarbeitung. Hier finden einfache SQL-Verarbeitungsaufgaben sowie die Visualisierung statt. Damit kann beispielsweise die Temperatur einer Maschine oder die Bewegung einer Baumaschine in Echtzeit überwacht werden. Der Service ist ohne aufwändige Installation sofort einsatzbereit. Abgerechnet wird über einen Grundpreis zuzüglich nutzungs-abhängiger Entgelte, die sich auf die Zahl der überwachten Dinge beziehen. Vertrieben wird das Kit über den gesamten europäischen Channel.

Durch das Partnerökosystem bringt  die Telekom IoT auch dahin, wo man es nicht auf Anhieb erwartet, etwa in die Landwirtschaft (Grafik: DTAG)
Durch das Partnerökosystem bringt die Telekom IoT auch dahin, wo man es nicht auf Anhieb erwartet, etwa in die Landwirtschaft (Graffik: DTAG)

Wer für seine Geräte und Maschinen zum Beispiel die Wartungsarbeiten aus der Ferne steuern möchte, bekommt von der Telekom ein vollständiges “Predictive Maintenance Kit” zum Festpreis. Das Komplettangebot unterstützt den automatisierten Wartungsprozess von der Analyse von Schäden und Abnutzung bis zum Abschluss des Serviceeinsatzes. Mittels Datenanalyse lassen sich zudem typische Verläufe erkennen und dadurch Schäden voraussagen, bevor sie entstehen. Einsparung bei Wartungsdiensten von über 30 Prozent sind laut Telekom mit “Predictive Maintenance” möglich.

Ein auf der Hannover Messe 2016 exemplarisch gezeigter Baustein aus dem IoT-Komplettpaket - Sensorik der Telekom ermöglicht die Überwachung von Containern auf der Baustelle (Bild: DTAG).
Ein auf der Hannover Messe 2016 exemplarisch gezeigter Baustein aus dem IoT-Komplettpaket – Sensorik der Telekom ermöglicht die Überwachung von Containern auf der Baustelle (Bild: DTAG).

Ein wichtiges Thema im IoT-Umfeld ist auch die Sicherheit. Die Telekom betreibt eine eigene Zertifizierungsstelle für IoT, die modernste Verschlüsselungstechnologien nutzt. Dort bekommt jedes vernetzte Ding eine individuelle Identität, die sicherstellt, dass es nur im gewünschten Umfang und nur von Berechtigten angesteuert werden kann.

Außerdem betätigt sich die Telekom in der Forschung und kooperiert hier eng mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), an dem das Unternehmen auch beteiligt ist. Ein Mitarbeiter der Deutschen Telekom hat seinen Arbeitsplatz inzwischen in der Saarbrückener Zentrale des DFKI, um den Austausch zwischen dem Unternehmen und der Forschungsinstitution zu intensivieren. Thematische Schwerpunkte des wechselseitigen Austauschs sind Connected Mobility, Smart City sowie Virtual Reality und Augmented Reality in der Fertigungsindustrie.

Wie viel T-Systems/Telekom mit IoT-Lösungen aller Art umsetzen will, verrät Burdack nicht. Nur so viel: “Wir wollen ganz oben mitspielen und haben dafür mit einem kompletten Stack bis hin zum Netzwerk auch beste Voraussetzungen.”