Die IoT-Strategien der großen Anbieter

M2MNetzwerke

Ungeahnte Möglichkeiten bietet das Internet der Dinge. Beinahe jede Branche kann davon profitieren. Die großen Anbieter wie IBM, SAP oder HPE gehen diesen Riesenmarkt mit jeweils ganz eigenen Ansätzen an. Wir stellen die wichtigsten vor.

Dinge mit dem Internet verbinden, das klingt im ersten Schritt ganz einfach. Doch es ist bei weitem noch nicht damit getan, dass man ein Gerät, Pumpe oder einen Kühlschrank mit einem Sensor versieht. Neben der eigentlichen Verbindung geht es natürlich im zweiten Schritt auch um das Sammeln der Daten und um die Aufbereitung. Interessant wird es, wenn diese Informationen dann in einen weiterführenden Service eingebunden werden.

Das Beratungsunternehmen Mc Kinsey hat sich diesen Markt genauer angesehen und sagt bis 2015 ein weltweites Volumen von bis zu 11 Milliarden Dollar voraus. Das untere Ende der Prognose rangiert bei knapp 4 Milliarden Dollar. Bei diesem großen Fenster sollte doch eine treffende Prognose möglich sein, aber eines machen diese Zahlen dennoch deutlich: Es ist ein riesiger Markt der da im Entstehen begriffen ist und das erkennt auch die Anbieterseite.

Die wichtigsten IoT-Plattformlösungen aus Sicht der Experton Group.
Die wichtigsten IoT-Plattformlösungen aus Sicht der Experton Group.

Denn egal ob im Stormnetz, im vernetzten Zuhause, Smart Health, Industrie 4.0, der Logistik, Städteplanung, in der Landwirtschaft oder im militärischen Umfeld oder bei der Tour de France: Stets fallen Daten an, die verarbeitet werden müssen.

So unterschiedlich IT-Größen wie IBM, Microsoft, Intel oder HPE sind, so unterschiedlich fallen auch die Angebote aus. Im Folgenden wollen wir eine Auswahl der wichtigsten Anbieter vorstellen.

IBM

Big Blue zentriert das IoT-Angebot um die künstliche Intelligenz Watson. Im Zusammenspiel mit dem Entwicklerframework Bluemix bietet IBM verschiedene Bausätze für unterschiedliche Anwendungsszenarien an. Inzwischen können Anwender IoT-Services auch aus der IBM-Cloud beziehen. Neben Watson, Analytics und Mobile ist IoT bei IBM eines der definierten Wachstumsfelder. Und der Konzern hat bereits 2015 angekündigt, dass es drei Milliarden Dollar in die weitere Entwicklung stecken werde.

David Kenny, CEO von The Weather Company, IBM-Vizepräsident John E. Kelly, Harriett Green, Leiterin der neuen IBM-Sparte Watson IoT, sowie ihre ersten Referenzkunden Laurent Martinez von Airbus und Matthuias Rebellius von Siemens Building Technologies (von links nach rechts) bei der Eröffnung des Watson- IoT-Centers in München (Bild: IBM).
David Kenny, CEO von The Weather Company, IBM-Vizepräsident John E. Kelly, Harriett Green, Leiterin der neuen IBM-Sparte Watson IoT, sowie ihre ersten Referenzkunden Laurent Martinez von Airbus und Matthuias Rebellius von Siemens Building Technologies (von links nach rechts) bei der Eröffnung des Watson- IoT-Centers in München (Bild: IBM)

Doch damit nicht genug: Die Übernahme von The Weather Company zeigt, dass IBM nicht nur ein Framework bieten will, sondern auch Inhalte in das Angebot mit einspeisen wird. Wetterdaten lassen sich für die Steuerung verschiedener Services, etwa in der Landwirtschaft, Stromerzeugung und Verkehr, aber auch für Bereiche wie Marktforschung oder Vorhersage-Services verwenden.

IBM bemüht sich um einen möglichst flexiblen Baukasten für IoT-Anwendungen. Allerdings zielt IBM auch mit speziellen Branchenlösungen auf ganz gezielte Einsatzgebiete. Aktuell existieren zum Beispiel erste Lösungen für die Elektroindustrie, das Gebäudemanagement oder für das vernetze Auto. Dadurch kann IBM Unternehmen einiger Branchen im Vorfeld einige Implementierungsaufgaben abnehmen.

Erfahren Sie HIER mehr über IBMs IOT-Strategie.

Microsoft

Wenn bei IBM Watson, also Analytics, das zentrale Element der IoT-Strategie ist, so zielt Microsoft klar auf die Public Cloud Plattform Azure ab. Microsoft bietet inzwischen mehr als 1500 Services über Azure an und in dieser Zahl sind auch zahlreiche IoT-Spezifische Workloads inbegriffen. Microsoft arbeitet hier auch vermehrt mit Partnern und realisiert bereits erste Projekte. Eines davon ist eine Kooperation mit Thyssen Krupp, das über Azure Aufzüge vernetzt. Liebherr verbindet seine Kühlschränke über die exklusiv in Biere von der Telekom gehosteten Cloud-Lösung Azure.

thyssenkrupp M2M und IoT von Vodafone. (Bild: Thyssen Krupp)
thyssenkrupp M2M und IoT von Vodafone. (Bild: Thyssen Krupp)

Zentrales Modul dabei ist das Azure IoT-Hub. Azure IoT Hub ist Schnittstelle für die angebundenen Systemen. Es unterstützt verschiedene Betriebssysteme und Protokolle und sorgt für eine sichere bidirektionale Kommunikation. Echtzeitdaten werden hier erfasst und in die Cloud geladen. Zudem liefert das Modul auch ein Berechtigungsmanagement und eine Verwaltung für Endgeräte. Ein Gateway SDK (Software Development Kit) auf GitHub erlaubt es Entwicklern, individuelle Software für Edge-Komponenten zu erstellen.

microsoft_azure_iot-Suite

Für die Sammlung und Auswertung der Daten verlässt sich Microsoft neben Stream Analytics für die Echtzeitverarbeitung von Datenströmen in der Cloud, unter anderem auch auf quelloffene Technologien wie Hadoop, Spark oder HBase.

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Die Informationen laufen in dem Azure Data Lake zusammen. Die Auswertung kann zumindest Teilweise über den Azure Machine Learning Service automatisiert werden. Über den Managed Service bietet das Unternehmen unter anderem auch Bausteine etwa für Anwendungsmöglichkeiten wie Predictive Maintenance oder Mustererkennung bei der Analyse von Sensordaten.

Erfahren Sie HIER mehr über Microsofts IoT-Strategie.

HPE

Sieht sich bei IoT im Vorteil, weil das Unternehmen im Telco-Bereich umfassende Erfahrungen sammeln konnte. Neben zwei Servern, die speziell auf den Einsatz in Industrie 4.0-Szenarien abzielen, verfolgt HPE auch den Plattformgedanken. Dabei spiel die HPE Universal IoT Plattform 1.2 eine zentrale Rolle. HPE setzt, obwohl noch längst nicht klar ist, welcher Standard sich im IoT-Umfeld etablieren wird, auf OneM2M. Immerhin gehören bereits über 200 Organisationen und Unternehmen diesen Gremium an, darunter auch viele große Namen. OneM2M hat also derzeit nicht die schlechtesten Karten.

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HPE will so eine Plattform aufbauen, die mit jeder darunterliegenden Technologie und jeder anderen IoT-Plattform zusammenarbeiten kann. Die Idee dahinter ist, dass es wohl wenige Projekte geben wird, die nur von einem Hersteller ausgestattet wurden. Als Gateways für diese Projekte bietet HPE die beiden bereits genannten Edgeline-Server.

HPE will auch als Hardware-Hersteller von neuen Installationen im Bereich IoT profitieren. So sollen beispielsweise EdgeLine-Server in großen Sensor-Farmen etwa bei der industriellen Fertigung zum Einsatz kommen. (Bild: HPE)
HPE will auch als Hardware-Hersteller von neuen Installationen im Bereich IoT profitieren. So sollen beispielsweise EdgeLine-Server in großen Sensor-Farmen etwa bei der industriellen Fertigung zum Einsatz kommen. (Bild: HPE)

Diese kommen beispielsweise bei dem Automobilzulieferer IAV in einem Connected-Car-Konzept zum Einsatz. Jedes Fahrzeug verfügt hier über eine eigene Hardware-Einheit und übernimmt damit bereits eine Vorauswahl der Daten.

Erfahren Sie HIER mehr über HPEs IoT-Strategie.

Deutsche Telekom

Da der Telekom eigene Produkte, abgesehen von Infrastruktur-Services fehlen, kann sich der ehemalige Monopolist auf einem Best-of-Breed-Ansatz berufen. So bekommen Anwender die Möglichkeit, sich aus einem breiten Marktumfeld die besten Teile zusammenzustellen.

Damit bietet die Telekom sozusagen eine Multi-IoT-Serviceplattform. Seit bereits vier Jahren unterhalten Telekom oder T-Systems entsprechende Projekte. Ein deutscher Fahrzeughersteller etwa arbeitet mit den Diensten des Bonner Konzerns und der Hafen Hamburg wird ebenfalls von T-Systems bei IoT-Anwendungen betreut.

Rund 80 Prozent der Ende-zu-Ende-IoT-Lösungen der Telekom sollen standardisiert sein, die restlichen 20 Prozent individuell, wobei insgesamt ein Best-of-Breed-Ansatz verfolgt wird (Grafik: Deutsche Telekom)
Rund 80 Prozent der Ende-zu-Ende-IoT-Lösungen der Telekom sollen standardisiert sein, die restlichen 20 Prozent individuell, wobei insgesamt ein Best-of-Breed-Ansatz verfolgt wird (Grafik: Deutsche Telekom)

Dabei hat die Telekom durchaus die Freiheit, Bausteine nach Bedarf von anderen Anbietern hinzukaufen zu können und diese dann aber zu einem funktionierenden Ganzen zusammenzusetzen.

Der Konzern setzt bei IoT daher konsequent auf ein Partner-Ökosysteme mit dem Netz der Telekom als Basis für alle Anwendungen. Diesen Ansatz will die Telekom nun in wirtschaftlichen Erfolg ummünzen. Die Multi-IoT-Serviceplattform als technische Grundlage dafür entsteht im nagelneuen und hochverfügbaren Doppelrechenzentrum Biere. Dort werden neben dem eigenen IoT-Stack der Telekom auch Stacks anderer Anbieter vorgehalten. Der Kunde kann sich dann aus dem vorhandenen Angebot, unterstützt von den Telekom-Beratern, seine Bausteine so zusammenstellen, dass das jeweilige Problem optimal gelöst wird.

Ergänzt wird das durch kooperationen wie etwa mit Microsoft, das Azure in Deutschland von der Telekom hosten lässt. Aber auch Cisco, GE und Huawei arbeiten die Bonner zusammen. So steuert Huawei unter anderem die nötige Hardware bei.

Erfahren Sie HIER mehr über die IoT-Strategie der Deutschen Telekom!

SAP

Die HANA Cloud Platform ist, durchaus vergleichbar mit Microsoft Azure, bei SAP der Dreh- und Angelpunkt der IoT-Strategie. Seit einigen Jahren bietet SAP auch selbst Infrastrukturlösungen an. Eine der ersten Angebote in Richtung IoT war die die offene Industrie-Cloud Siemens Mindsphere, die SAP gemeinsam mit Siemens auf der HCP IoT (HANA Cloud Platform Internet of Things) aufgebaut ist. Dabei ist der Bereich für IoT ein Baustein der HANA Cloud Plattform.

Auch hier steht vor allem die Auswertung der Sensordaten im Vordergrund. Zudem will SAP natürlich auch die Möglichkeit bieten, diese Informationen und Daten sinnvoll mit anderen SAP-Lösungen im Backend, also mit ERP- oder CRM-Lösungen zu verknüpfen.

SAPs IoT-Plattform (Grafik: SAP)
SAPs IoT-Plattform ist in andere Produkte rund um die Datenanalyse eingebettet. Hier wird sie schon mit dem neuen Protokollstapel VORA dargestellt, der demnächst auf den Markt kommt und den bisherigen, auf Open Source basierenden Stapel ersetzt (Bild: SAP)

SAPs IoT-Plattform fußt auf Cloud Foundry von EMCs Tochter Pivotal. Hier werden die drei Bereiche Konnektivität zu den Endgeräten, Sicherheit, Datenmanagement und Anlyse zusammengebracht. An der HCP-Plattform arbeiten bei SAP derzeit um die 500 Entwickler.

Für die Streaming-Analytics und Datenmanagement setzt SAP derzeit auch auf Open-Source-Technologien wie Kafka, Cassandra oder Spark. Interessant wird es für SAP wenn aus der IoT-Plattform heraus eine REST-API oder noch besser das Applikationsportfolio der Walldorfer angesteuert wird. Und hier bietet SAP bereits Applikationen, wie Predictive Maintenance, die Lokalisierung und Verwaltung beweglicher Gegenstände in vorgepackten Services. Künftig wolle SAP im Bereich Big Data mit Innovationen an den Markt treten.

Erfahren Sie HIER mehr über die IoT-Strategie von SAP!

Erfahren Sie HIER mehr über die Möglichkeiten der HANA Cloud Plattform!

Oracle

Auch Oracle hat mit IoT große Pläne. Eine Stärke sieht Oracle in der Verarbeitung von Echtzeitdaten sowie der engen Integration mit den eigenen Enterprise-Softwarelösungen und bei Java. Inzwischen bietet Oracle mehr oder weniger das gesamte Portfolio auch als Cloud-Service an und da macht auch der IoT-Cloud-Services, den das Unternehmen seit etwa einem Jahr anbietet.

Schwerpunktmäßig adressiert der Datenbank-Spezialist die Branchen Automotive, den Gesundheits-, den Logistik- sowie den Fertigungssektor. Oracles IoT Cloud Service läuft weltweit in eigenen Rechenzentren. Wer in Deutschland auf den Dienst zugreifen möchte, kann dies derzeit aber nicht über Oracles Frankfurter Rechenzentrum tun, sondern muss Amsterdamer Ressourcen nutzen. Aktuell haben 19 Rechenzentren von Oracle weltweit den IoT-Service im Angebot. Er besteht aus drei Teilen: Connectivity, Analyse und Integration, wobei Sicherheit in allen Teilen als Zusatzfunktion integriert ist.

oracle_iot_Architektur

Anders als SAP oder Telekom aber bietet Oracle nicht nur eine Plattform, sondern bietet auch eine eigene Hardware. Einfache Sensoren werden mit einem selbst entwickelten Edge-Gateway, dem Oracle Sensor Edge Server, und eingebetteten Protokolladaptern eingebunden, die in Java geschrieben sind. Teilweise lassen sich die Geräte dann auch direkt aus der Cloud heraus verwalten.

Auf dem Edge-Gateway läuft eine ebenfalls selbst entwickelte, abgespeckte Event-Processing-Software. Sie bestimmt, welche Daten überhaupt an die Zentrale weitergeleitet werden. Das lässt sich über Mustererkennung oder vordefinierte Regeln steuern. Möglich wird das durch die mit Sun Microsystems eingekaufte Java-Kompetenz.

oracle_Iot_schema

Die zweite Hauptfunktion der Lösung befasst sich mit der Analyse der Daten. Eingehende Datenströme werden analysiert, aggregiert, gefiltert und korreliert. In diesem Bereich sieht Oracle eine seiner großen Stärken, denn der Hersteller forscht zusammen mit der Universität Stanford seit 2001 am Thema “Analyse von Streaming-Daten”, seit 2004 ist eine entsprechende analytische Software, Complex Event Processing, auf dem Markt.

Oracle IoT Cloud Platform bietet aber vor allem auch eine Einbindung in Oracle-Unternehmensapplikationen, etwa die E-Business-Suite, JD Edwards Enterprise One, Oracle Transportation Management, Oracle Service Cloud oder PaaS-Dienste wie Oracle Mobile Cloud und Oracle Integration Cloud. Integrations- und Implementierungsdienstleistungen bekommen Kunden sowohl von Oracle selbst als auch von Implementierungspartnern, zum Beispiel von Accenture, Hitachi Services und anderen.

Erfahren Sie HIER mehr über die IoT-Strategie von Oracle!

 

TIPP: Viele weitere Hintergrundartikel und Übersichten zum IoT-Markt finden Sie auf silicon.de!