Unister Holding GmbH: Amtsgericht Leipzig eröffnet Insolvenzverfahren

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Damit bestätigt das Gericht, dass die Insolvenzgründe bei der Unister Holding GmbH tatsächlich vorliegen. Als Insolvenzverwalter wurde Professor Lucas F. Flöther bestellt. Die Verfahrenseröffnung für den Großteil der übrigen Unister-Gesellschaften wird Ende September erwartet.

Das Amtsgericht Leipzig hat heute das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Unister Holding GmbH eröffnet. Der bereits als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzte Professor Lucas F. Flöther von der Kanzlei Flöther & Wissing wurde zum Insolvenzverwalter bestellt. Er versichert in einer Pressemitteilung, dass der Geschäftsbetrieb der Unister Holding auch während des Verfahrens in vollem Umfang weiterläuft. Außerdem bestätigt er, dass Löhne und Gehälter der Mitarbeiter trotz Wegfall des Insolvenzgeldes weiter bezahlt werden können.

Die Unister Holding GmbH hatte am 17. Juli Insolvenzantrag gestellt. Wenige Tage zuvor waren zwei der Gründer beim Absturz eines Privatflugzeugs in Slowenien verunglückt. Direkt danach kursierten wilde Gerüchte und Spekulationen über den Zweck der Reise. Offenbar war Unister-Gründer und Geschäftsführer Thomas Wagner aber zuvor bei einem Geldgeschäft in Venedig betrogen worden. Der 38-jährige war in dem Kleinflugzeug mit zwei anderen Personen und dem Piloten von Venedig zurück nach Leipzig unterwegs.

Laut Insolvenzverwalter Flöther lag im seitdem geführten vorläufigen Verfahren der Schwerpunkt vor allem auf der Sicherung des laufenden Geschäftsbetriebs und des vorhandenen Vermögens. Nun könne man aber auch mit der “systematischen und umfassenden Aufarbeitung der wirtschaftlichen Situation der Gesellschaft beginnen”. Außerdem können ab jetzt Gläubiger ihre Forderungen zur Insolvenztabelle anmelden. Sie würden dazu “in den kommenden Wochen” vom Insolvenzverwalter angeschrieben. Für den Großteil der übrigen Unister-Gesellschaften, die im Juli Insolvenzantrag gestellt haben, wird die Verfahrenseröffnung für Ende September erwartet.

Parallel will Flöther die seit längerem geführten Gespräche mit potenziellen Investoren fortsetzen. Dabei sei man “weiterhin an einem zügigen Verkauf interessiert”, andererseits habe man jedoch auch keine Eile. “Wir erwirtschaften mit dem operativen Geschäft positive Erträge”, so der Insolvenzverwalter. “Damit sind wir in der Lage, auch über den Insolvenzgeldzeitraum hinaus die Gruppe unter Vollkosten fortzuführen. Unser Ziel ist nicht die schnellste, sondern die bestmögliche Investorenlösung.” Auf der Website der Kanzlei findet sich auch eine FAQ-Liste zur Unister-Insolvenz.

Unister war im Frühjahr der Agentur Piabo zufolge hinter Zalando (mit rund 10.000 Mitarbeitern), aber vor myToys.de und dem Ticket- und Veranstaltungsspezialisten CTS Eventim das zweitgrößte Unternehmen der deutschen Digitalwirtschaft. Gemessen an der Mitarbeiterzahl lag es in der Top-Ten-Liste auch vor Firmen wie Momox, der Scout24 Holding, Trivago und Groupon. Unister wurde 2002 in Leipzig gegründet. Das Unternehmen beschäftigte vor dem Insolvenzantrag eigenen Angaben zufolge rund 1100 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 500 Millionen Euro. Die Unister Holding GmbH hält Anteile an diversen Internetportalen – vor allem für den Reisebereich – für Verbraucher. Die bekanntesten davon sind Ab-In-Den-Urlaub.de, Fluege.de, Hotelreservierung.de und Reisen.de.

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