Sennheiser TeamConnect Wireless: Telefonkonferenz für Perfektionisten

SoftwareZusammenarbeit

Mit Team Connect Wireless stellt Audiospezialist Sennheiser eine mobile Lösung für Audiokonferenzen vor. Vier drahtlos verbundene Satelliten ermöglichen Telefonkonferenzen mit bis zu 24 Teilnehmern. silicon.de hat die Sennheiser-Lösung getestet und war schwer beeindruckt.

Ein schwerer Koffer mit rundumlaufendem Metallgriff und einem grünen LED-Strich an der Vorderseite. Im Inneren vier schwarze Metallzylinder; sieht aus wie ein Hightech-Waffensystem aus einem Science-Fiction-Thriller! Ist aber eine harmlose Konferenzlösung vom Traditionshersteller Sennheiser – für den zivilen Einsatz.

Obwohl, so harmlos ist die Lösung gar nicht. Der Audiospezialist aus Hannover hat mit Team Connect Wireless ein extrem ambitioniertes Hightech-Produkt in den Koffer gepackt. Konzipiert ist das Produkt als “mobile Audio-Konferenzlösung für 4 bis 24 Teilnehmer”.

Macht selbst noch in der Chefetage eine gute Figur. Die hochwertige Conferenzing-Lösung macht aus beinahe jedem Raum einen Meeting-Raum. (Bild: Sennheiser)
Macht selbst noch in der Chefetage eine gute Figur. Die hochwertige Conferenzing-Lösung macht aus beinahe jedem Raum einen Meeting-Raum. (Bild: Sennheiser)

Umständlich: Die klassische Telefonkonferenz

Von Videokonferenzen ist ja viel die Rede, Telefonkonferenzen sind aber viel häufiger. Sie benötigen keine Kamera, weniger Bandbreite und sind mindestens genauso nützlich.

Das Problem dabei ist die Akustik. Sitzen im Meeting-Raum mehrere Teilnehmer einer Telefonkonferenz, in der Mitte vielleicht ein Mikrofon mit Rundumcharakteristik, dann lässt die Audioqualität in der Regel zu Wünschen übrig. Die Sprecher sitzen dann zu weit vom Mikrofon, durch die große Entfernung nimmt das System vermehrt Raumanteile auf, Stimmen klingen hallig. In der Folge sinkt die Sprachverständlichkeit. Der Teilnehmer am anderen Ende der Leitung muss sich anstrengen, um alles zu verstehen. Das kostet Kraft und nervt.

Zudem ist immer ein gewisser Aufwand damit verbunden, die für eine Telefonkonferenz nötigen Geräte aufzubauen und anzuschließen. Und wenn der große Konferenzraum, in dem ein passendes System schon installiert wäre, gerade belegt ist, muss das Team erst mal warten.

Sennheiser TeamConnect - der große Test

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Praktisch im Koffer: die mobile Lösung TeamConnect kann in jedem Meeting-Raum als Conferencing-Lösung eingesetzt werden. (Bild: Sennheiser)

Was Sennheiser besser machen will

Für diese Grundprobleme hat Sennheiser eine Lösung parat. Team Connect Wireless arbeitet mit vier Lautsprecher-/Mikrofon-Modulen, die über den Raum verteilt werden. Damit soll für jeden Teilnehmer der Telefonkonferenz erstklassige Klangqualität gewährleisten werden. Für diese Verbesserung der Audioqualität sind in erster Linie die Fortschritte bei Digitalen Signalprozessoren (DSP) in den letzten Jahren entscheidend. Diese können beispielsweise Lautstärkeschwankungen nahezu in Echtzeit ausgleichen, weiter entfernte Stimmen “heranholen” und störende Hintergrundgeräusche ausblenden. Außerdem verbessern sie die Sprachverständlichkeit, indem sie den Frequenzbereich, in dem sich die menschliche Stimme bewegt, betonen.

Creatives Soundblaster als Vorbild?

Sennheiser ist keineswegs das erste Unternehmen, das sich für diese Technik interessiert. Der Audiospezialist Creative hat mit dem Soundblaster Axx bereits 2012 ein drahtloses Mikrofon-/Lautsprecher-System vorgestellt, das auf Klangoptimierung durch DSP setzt und Telefonkonferenzen ermöglicht. Haben sich die Sennheiser-Entwickler vom Soundblaster inspirieren lassen?

Der Soundblaster Axx hat mit der Sennheiser-Lösung lediglich das Konzept gemeinsam. (Bild: Creative)
Der Soundblaster Axx hat mit der Sennheiser-Lösung lediglich das Konzept gemeinsam. Soundblaster Axx von Creative wurde 2012 vorgestellt und wirkt wie ein Vorläufer der Sennheiser-Lösung. Das System vereint Mikrofone und Lautsprecher in einem Gehäuse, arbeitet mit einem Digitalen Signalprozessor zur Klangoptimierung, koppelt Smartphones via Bluetooth an und wird über ein Touchpad auf der Oberseite bedient. Derzeit kostet der Soundblaster AXX200 nur knapp 100 Euro. (Bild: Creative)

Es gibt gewisse verblüffende Ähnlichkeiten: Das Touchpad auf der Oberseite des Geräts, die Integration von mehreren Mikrofonen und Lautsprecher in einem Gehäuse, die Bluetooth-/NFC-Koppelung mit dem Smartphone, die drahtlose Signalübertragung.

Sennheiser spielt hier jedoch in einer anderen Liga. Das Creative-Produkt ist für Heimanwender gedacht, Sennheiser Team Connect Wireless ist eine absolute Profi-Lösung für Unternehmen und das schlägt sich natürlich auch im Preis nieder.

Schnelle Installation

Ein entscheidender Pluspunkt der Sennheiser-Lösung ist die schnelle Inbetriebnahme. Einfach die Metallzylinder aus dem Koffer nehmen und auf den Tisch stellen, alles weitere übernimmt die Lösung selbst. Die Module schalten sich ein und verbinden sich via DECT miteinander. Kein umständliches Herumdrücken an Tasten, kein Verlegen von Kabeln.

Die einzelnen Satelliten sind schnell einsatzbereit und stehen sicher. (Bild: Sennheiser)
Die einzelnen Satelliten sind schnell einsatzbereit und stehen sicher. (Bild: Sennheiser)

Dann muss man nur noch das Endgerät, also Smartphone oder PC mit Softphone oder Festnetztelefon anschließen. Smartphones werden über NFC oder Bluetooth mit dem System gekoppelt, deshalb auch hier keine Kabel. Und da die gesamte Technik in einem relativ kompakten Koffer untergebracht ist, lässt sich die Telefonkonferenz in jedem beliebigen Raum organisieren. Das sind die Grundideen der Sennheiser-Lösung. Wie gut die Lösung funktioniert, soll ein Praxistest in der silicon-Redaktion zeigen.

Der Praxistest

Der erste Eindruck von Team Connect Wireless ist sehr positiv. Der Koffer dient zugleich als Ladestation, die Buchse für das Netzteil ist unauffällig an der Seite untergebracht. Auf der vorderen Schmalseite hinter dem Griff zeigt eine lang gezogene LED-Anzeige den Ladestatus an.

Öffnet man den Koffer, erblickt man die vier zylinderförmigen Satelliten aus schwarzem Alu. Sie sitzen fest in den Aussparungen einer schwarzen Kunststoffschale. Am Boden der kreisrunden Aussparungen befinden sich die Kontakte zum Aufladen der Satelliten.

Auch hier haben sich die Designer Gedanken gemacht: Der entsprechende Gegenkontakt bei den Satelliten ist als kreisrunde Fläche auf der Unterseite gestaltet. So muss man die Satelliten zum Aufladen nicht umständlich herumdrehen oder nachjustieren bis alle Kontaktpunkte passen, man stellt sie einfach in die Aussparung und fertig.

Die gut verarbeiteten Satelliten aus schwarzem Aluminium sind schön schwer (470 Gramm) und stehen dadurch satt und stabil auf dem Tisch. (Bild: Mehmet Toprak)
Die gut verarbeiteten Satelliten aus schwarzem Aluminium sind schön schwer (470 Gramm) und stehen dadurch satt und stabil auf dem Tisch. (Bild: Mehmet Toprak)

Design und Bedienkonzept sind ebenfalls vom Feinsten. Die gut verarbeiteten Satelliten aus schwarzem Aluminium sind schön schwer (470 Gramm) und stehen dadurch satt und stabil auf dem Tisch. Hat man sie aus dem Koffer genommen und auf die Arbeitsfläche gestellt, schalten sich die Satelliten automatisch ein.

Dann leuchtet am Boden der Module eine kreisrunde blaue LED auf und erlischt, wenn die Satelliten über DECT selbstständig den Kontakt zum Master aufgebaut haben. Das dauert nur knapp 20 Sekunden. Beim Zurückstellen in den Koffer schalten sich die Zylinder automatisch aus oder gehen in den Lademodus. Einfacher geht’s nicht.

Die Zylinder sind aber nicht alle gleich. Einer davon ist der Master, erkennbar an der größeren Zahl von Icons auf dem Touchpad. Er dient als zentrale Steuereinheit, hat aber ebenfalls Lautsprecher und Mikrofone.

Die Steuereinheit vereint Bluetooth- und DECT-Funktechnik in einem Gehäuse. In den drei übrigen Modulen sitzen neben der Funkeinheit und der Audioelektronik ein Lautsprecher sowie zwei Mikrofone.

Anschließen lassen sich bis zu drei Endgeräte gleichzeitig. So kann man beispielsweise weitere Anrufer in die Konferenz integrieren. Für jedes Endgerät stellt der Master einen eigenen Audiokanal zur Verfügung. Die Signale werden dann zu einem Audiosignal zusammengefügt.

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Bei den Anschlussmöglichkeiten herrscht Vielfalt. Neben der Möglichkeit, ein Smartphone via Bluetooth oder NFC mit dem Master zu koppeln, lassen sich Endgeräte auch über USB oder sogar den klassischen Klinkenstecker anstöpseln. Man muss übrigens nicht alle drei Satelliten zum Master aufstellen. Wenn nur drei oder vier Teilnehmer dabei sind, kann man sich mit ein oder zwei Satelliten begnügen. Bei großen Räumen stellt man die Satelliten einfach weiter weg voneinander. Laut Sennheiser lassen sich so bis zu 24 Personen einbinden.

Touchpad ohne Fingerabdrücke

Bedient werden die Module über ein Touchpad an der Oberfläche, das fast nahtlos mit dem kreisrunden Rand abschließt. Das Touchpad ist beschichtet, damit keine hässlichen Fingerabdrücke haften bleiben. Beleuchtete Icons signalisieren den aktuellen Status des Moduls, also beispielsweise NFC- USB- oder Bluetooth-Verbindung, Lautstärke, Mikrofon an/aus oder Akkustatus.

Die Lautstärke lässt sich mit einem simplen Wischer auf dem Touchpad bei jedem Modul individuell einstellen. Dabei werden nur die Leuchtanzeigen aktiviert, die gerade aktuell benötigt werden, so wirkt die Bedienoberfläche schlicht und übersichtlich.

Die Redaktion hat im Praxistest ein Smartphone Nokia Lumia 1320 verwendet und die Verbindung zum Master Satelliten über Bluetooth hergestellt. Wer schon einmal ein Smartphone via Bluetooth mit einem anderen Gerät gekoppelt hat, wird dabei keine Probleme haben.

Mit dieser Kombination aus Flexibilität, einfachster Bedienung und elegantem Design ist den Sennheiser-Entwicklern ein Volltreffer gelungen. Apple könnte es nicht besser machen.

Audioqualität: sehr gut

Entscheidend für den Erfolg eines solch hochwertigen Systems ist aber am Ende die Audioqualität. Auch hier sind die Erwartungen groß, schließlich kommt die Mikrofontechnik von dem Unternehmen, das schon 1947 sein erstes Rundfunkmikrofon und 1957 das erste Funkmikrofon für den professionellen Einsatz vorgestellt hat.

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Die großen Erwartungen werden auch zum großen Teil erfüllt – also nicht ganz. Steht oder sitzt der Sprecher in unmittelbarer Nähe eines Satelliten, sind Audioqualität und Sprachverständlichkeit hervorragend. Auch ist keine Verzögerung oder Latenz, etwa von entfernt stehenden Satellitenmodulen zum Master, hörbar. Die Stimme klingt klar und natürlich, ohne digitale Artefakte.

Auch Hintergrundgeräusche werden vom digitalen Signalprozessor wirksam ausgeblendet. Sitzt ein Sprecher relativ nah am Satelliten, während hinter seinem Rücken andere Konferenzteilnehmer durcheinander quasseln, ist er dennoch deutlich hörbar. Bis hierher also eine nahezu perfekte Vorstellung von Sennheiser.

Grenzen der Technik

Etwas schlechter wird die Audioqualität allerdings, wenn der Teilnehmer mehr als ein oder zwei Meter vom jeweiligen Modul entfernt ist. Das System versucht dann zwar die Lautstärke des Sprechers anzuheben, allerdings sind dann deutlich mehr Hall und Raumanteile zu hören, was die Sprachverständlichkeit erschwert. Daher empfiehlt Sennheiser, den Abstand zischen Sprecher und Satelliten auf maximal zwei Meter zu begrenzen.

Das gilt umso mehr, wenn ein Teilnehmer sich durch den Raum bewegt. Befindet er sich gerade in der Mitte zwischen zwei Satelliten, wird eine kleine akustische Delle hörbar. Denn genau in diesem Moment übergibt ein Satellit die Mikrofonaufnahme sozusagen an den nächsten Satelliten. Am anderen Ende der Leitung hört man wie für eine Sekunde die Lautstärke nach unten geht und dann dank schlauer Audio-Algorithmen wieder nach oben gezogen wird.

Zugegeben, es ist nicht gerade der Normalfall, dass der Teilnehmer einer Telefonkonferenz im Raum auf und ab geht, im Einzelfall kann es aber eben mal vorkommen.

Der fiese Härtetest

Doch nicht genug der Test-Schikanen für das schöne Audio-System. Die silicon.de-Redaktion hat einen echten Härtetest veranstaltet. Fünf Konferenzteilnehmer im Raum, alle mehr oder weniger durcheinander sprechend, einmal nah am Satelliten, einmal wieder weiter entfernt. Hier nimmt die Sprachverständlichkeit doch deutlich ab. Das ist nicht unbedingt als Kritik an der Sennheiser-Technik zu verstehen, Software-Algorithmen und der digitale Signalprozessor tun ihr Bestes, um die akustische Qualität hochzuhalten und Stimmen voneinander zu trennen, aber hier sind der Technik am Ende doch Grenzen gesetzt.

Der im Praxistest verwendete Konferenzraum war akustisch sicher eine Zumutung für das Sennheiser-System: Quadratisch, ausgestattet mit großen Fenstern, keine Bilder an den Wänden, große Tischplatten. Ein akustisch harter Raum ohne nennenswerte Dämpfung. Das beeinträchtigt natürlich die Signalqualität und Sprachverständlichkeit. Insofern zeigt der Test, wie sich das Sennheiser-System auch unter ungünstigen Bedingungen bewährt und wo die Grenzen der technischen Zauberkunst liegen.

Ein zweiter Test in einem deutlich kleineren Raum mit besserer Dämpfung brachte dann auch ein tadelloses Ergebnis in punkto Sprachverständlichkeit.

Wer das System einsetzt, sollte daher bevorzugt Räume mit guter Dämpfung verwenden. Bei akustisch harten Räumen können Elemente wie ein Vorhang, Bilder an der Wand, ein Teppichboden oder auch der berühmte Gummibaum in der Ecke die akustischen Verhältnisse deutlich verbessern.

Fazit: Profisystem mit perfektem Bedienkonzept

Die Audioqualität des Sennheiser-Systems ist insgesamt sehr gut. Die Technik gerät erst dann an ihre Grenzen, wenn Konferenzteilnehmer mehr als ein oder zwei Meter von den Satelliten entfernt sind oder sich schnell durch den Raum bewegen. Die große Stärke der Lösung sind die kinderleichte Installation, die Flexibilität, das durchdachte Bedienkonzept und das edle Design. Hier hat Sennheiser perfekte Arbeit geleistet.

Übrigens: Wer einen erfolgreichen Projektabschluss nach der Telefonkonferenz noch ein bisschen feiern will, kann Team Connect Wireless zweckentfremden. Die Satelliten geben auch Musik vom Smartphone wieder und liefern dafür fetten Party-Klang. Sennheiser hat also ein beeindruckendes Produkt in den Hightech-Koffer gepackt.

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