IT und OT rücken zusammen

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Der Grenzzaun zwischen IT und Operational Technology ist vielerorts noch sehr hoch. Klassische OT-Teams arbeiten mit geschlossenen Systemen – IT-Teams haben kaum Erfahrung mit industriellen Systemen. Wollen Unternehmen vom Internet der Dinge profitieren, muss sich das nach Ansicht von silicon.de-Gastautor Michael Kienle von it-Novum ändern.

In der Vergangenheit hatten die klassische IT und der Bereich Operational Technology (OT) verschiedene Aufgaben im Unternehmen zu bewältigen und dabei wenig bis gar keine Anknüpfungspunkte. Durch das Internet der Dinge rücken beide Bereiche zusammen und sollten sich im Idealfall integriert um die Anforderungen im digitalen Unternehmen kümmern. Unterstützung bei dieser Annäherung können Open Source-Lösungen leisten, die flexibel, skalierbar und kostengünstig Brücken zwischen diesen zwei ehemals getrennten Bereichen bauen können.

McKinsey erwartet, dass die intelligente Vernetzung von Geräten und Maschinen über das Internet einen weltweiten wirtschaftlichen Mehrwert von bis zu 11 Billionen Dollar im Jahr 2025 schaffen kann. Dies entspräche dann rund 11 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Dabei wird das Internet der Dinge (IoT) aber nicht nur klassische Produktions- und Industriebetriebe vor neue Herausforderungen stellen, sondern auch ganz andere Bereiche, wie etwa Städte, die an der Vernetzung arbeiten, den Gesundheitssektor, den Handel und den Bereich Fahrzeuge und Navigation sowie alle Unternehmen, die im Thema “Smart Home” aktiv sind.

Den Grenzbalken aufmachen

Mit diesen Veränderungen geht einher, dass die bislang klare Trennlinie zwischen IT und OT zunehmend verwischt und beide Bereiche nahtlos ineinandergreifen müssen. Die IT befasst sich klassischerweise mit dem gesamten Spektrum an Technologien zur Datenverarbeitung, wie Software, Hardware, Kommunikationstechnologien und damit verbundene Services. Die OT dagegen ist Hardware und Software, die eine Änderung durch die direkte Überwachung und/oder Kontrolle von physischen Geräten, Prozessen und Ereignissen im Unternehmen erkennen und verursachen.

Michael Kienle, der Autor dieses Gastbeitrags für silicon.de, ist Geschäftsführer der it-novum GmbH (Bild: it-Novum).
Michael Kienle, der Autor dieses Gastbeitrags für silicon.de, ist Geschäftsführer der it-novum GmbH (Bild: it-Novum).

In vielen Unternehmen ist der Grenzzaun zwischen beiden Bereichen noch sehr hoch. Denn klassische OT-Teams haben in der Vergangenheit mit geschlossenen Systemen gearbeitet. IT-Teams wiederum haben in der Regel wenig Erfahrung mit industriellen Systemen. Beide Bereiche arbeiten noch eher nebeneinander als miteinander.

Ein Beispiel: Produktionsdaten werden in vielen Unternehmen nicht in die Unternehmenssysteme integriert. Genau diese Integration aber ist notwendig, sollen mit den neuen technischen Möglichkeiten nicht nur Risiken einhergehen, sondern vor allem auch Chancen, etwa neue Geschäftspotenziale oder effizientere (Fertigungs-)Prozesse, genutzt werden. Unternehmen, deren Produktionsdaten etwa mit modernen Big-Data-Systemen verarbeitet und analysiert werden, können auf Basis dieser Daten gezielt Produktivitätsverbesserungen durchführen.

Gegenseitige Abhängigkeit

Tatsache ist: Die Internet-Konnektivität von Geräten – ob in der Industrie oder im Smart Home – nimmt kontinuierlich zu; die ursprünglich geschlossenen Systeme werden zu offenen Systemen. IoT wird zum Alltag und damit auch die Überschneidung von IT und OT. Während OT-Teams sich die in der IT bereits bewährten Lösungen zunutze machen können, wird der Blick der IT zunehmend auch auf die große Menge an IoT-Geräten fallen, die untereinander kommunizieren und Daten austauschen, ohne, dass Menschen involviert sind.

Checkliste (Bild: Shutterstock/Karuka)

Gefahren und Chancen

In der öffentlichen Diskussion dominieren derzeit häufig eher die Risiken, die IoT birgt. Berichte von gehackten Autos zeigen auf, womit die Verantwortlichen umzugehen lernen müssen. Die Gefahren, die von gehackten Maschinen ausgehen, sind vielfältig und ernst zu nehmen: von Datenlecks und Produktionsausfällen angefangen bis zu fremd-kontrollierten oder -beeinflussten Systemen. In der Lebensmittelproduktion etwa kann die Fehlfunktion einer Maschine fatale Folgen haben.

Andererseits bringt die Technologie auch neue Geschäftschancen und viele Möglichkeiten der Serviceverbesserung und Kostenreduktion. Nur einige Beispiele: Wenn Software-Updates im Auto automatisch eingespielt werden können, spart sich der Besitzer den Besuch in der Werkstatt. Geld- und sonstige Automaten, die ihren Füllstand übermitteln, können rechtzeitig aufgefüllt und somit verhindert werden, dass Kunden vor leeren Automaten stehen. Produktionsmaschinen, die notwendige Wartungsmaßnahmen rechtzeitig aufzeigen, verhindern Ausfälle. Dies gilt auch für vernetzte Boiler beziehungsweise andere Geräte der Hausinfrastruktur. Und auch die Fernüberwachung von Patienten gehört zu den positiven Beispielen.

Daten in Echtzeit analysieren

Vor allem die Daten, die die vernetzten Geräte und Maschinen erzeugen und übermitteln, sind wertvoll für die Unternehmen. Moderne Big-Data-Lösungen sind in der Lage, die Daten unterschiedlichster Quellen in Echtzeit zu analysieren. Damit können einerseits Probleme schneller erkannt und somit auch vermieden oder gelöst werden.

Andererseits können Langzeittrends identifiziert und Produkte auch entsprechend angepasst werden. Geschwindigkeit und Flexibilität sind also zentrale Faktoren für den Erfolg im IoT-Zeitalter. Dabei lohnt sich auch ein Blick auf Open-Source-Strategien und -Lösungen. Deren Skalierbarkeit, niedrige Kosten und offenen Standards sind bewährte Vorteile, die sich beim Zusammenrücken und Integrieren von IT und OT gut nutzen lassen. Das ist auch der Grund dafür, warum offene Lösungen die Basis für die meisten Innovationstechnologien geworden sind.

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