SAP setzt für SuccessFactors auch auf die Microsoft-Cloud

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Die Online-Suite für Human Capital Management soll künftig in Teilen über die Microsoft Cloud-Plattform Azure bereitgestellt werden. Beginnen wird SAP mit Demo-Umgebungen für Neukunden. Ausdrücklich soll Azure die SAP-eigene Infrastruktur aber nur ergänzen, nicht ersetzen.

Das Microsoft-Management hat für seine Azure Cloud eine weitere, wertvolle Partnerschaft abschließen können: SAP wird die Microsoft-Plattform künftig für seine Personalmanagement-Suite SuccessFactors nutzen. Einen genauen Zeitplan haben die beiden Firmen allerdings noch nicht vorgelegt. Auch der Umfang der Kooperation bleibt noch weitgehend im Dunklen. SAP betont jedoch, dass dadurch die Kapazitäten derer eigenen Infrastruktur ergänzt werden sollen. Ein kompletter Umstieg ist also zumindest kurzfristig offenbar nicht vorgesehen.

Die Ankündigung ist dennoch bedeutsam, ist es doch das erste Mal, dass die HCM-Suite SAP SuccessFactors aus der Cloud eines Drittanbieters geliefert wird. Für die Azure-Cloud ist das aus Sicht von SAP sicher ein kleiner Ritterschlag – auch, wenn der Kooperationsumfang zunächst recht begrenzt ist. Aus der gemeinsamen Pressemitteilung geht hervor, dass im ersten Schritt lediglich Demo- und Testumgebungen für SuccessFactors-Neukunden in der Azure-Cloud bereitgestellt werden sollen.

SAP SuccessFactors (Grafik: SAP)
Neukunden für die HCM-Suite SuccessFactors bedient SAP künftig aus der Azure Cloud von Microsoft (Grafik: SAP)

Allerdings betonen die beiden Firmen auch ausdrücklich ihre lange und intensive Zusammenarbeit in diversen Bereichen der Enterprise-IT. Das könnte durchaus darauf hindeuten, dass der neue Kooperationsbereich bald schon ausgebaut wird.

Als Beweggrund für den Schritt nennt SAP das rasche Wachstum seiner Lösung für das Personalmanagement. Laut Mike Ettling, Präsident von SAP SuccessFactors, könne man zwei Jahre “exponentiellen Wachstums“ zurückblicken und nun auf 42 Millionen Nutzer verweisen. “Mit Azure werden wir unsere Reichweite noch erhöhen können und können uns auf die Verfügbarkeit verlassen, die diese geschäftskritischen Anwendungen erfordern”, erklärt er in einer Pressemitteilung. Außerdem erlaube es die Azure-Cloud seinem Team, auch Innovationen und Service-Verbesserungen für zusätzliche Umgebungen“ zu entwickeln und anzubieten.

Dem anhaltenden Druck der US-Behörden ist Microsoft inzwischen erfolgreich ausgewichen und hat Möglichkieten gefunden, Cloud-Dienste ihrem Zugriff zu entziehen und so auch in Europa rechtskonform anbieten zu können - worauf es etwas stolz aber auch humorvoll in der neuen Deutschland-Zentrale hinweist (Bild: silicon.de)
Dem anhaltenden Druck der US-Behörden ist Microsoft inzwischen erfolgreich ausgewichen und hat Möglichkeiten gefunden, Cloud-Dienste ihrem Zugriff zu entziehen und so auch in Europa rechtskonform anbieten zu können – worauf es etwas stolz aber auch humorvoll in der neuen Deutschland-Zentrale hinweist (Bild: silicon.de)

Damit spielt er wahrscheinlich auf die bereits jetzt mögliche Integration zwischen Office 365 und SAP SuccessFactors an. Ein möglicher weiterer Schritt in der Beziehung zwischen SAP und Microsoft wäre dann auch, das Concur, ein weiteres, im Dezember 2014 zugekauftes Online-Angebot zumindest in Teilen in die Azure Cloud umzieht. Concur war SAPs teuerste Akquisition, der Konzern erweiterte sein Angebot damit um den Bereich Reisekostenmanagement. Seit Januar 2015 wird auch eine dem deutschen Recht genügende Version für den Mittelstand angeboten. Die wäre in dem Fall sicher ein bevorzugter Kandidat für den Umzug zu Azure.

Die Vorteile cloud-basierender Lösungen beim Personalmanagement rückt auch SAP-Rivale Oracle in den Vordergrund. Allerdings warnte Gerhard Schlabschi, Director Systems, Technology & Cloud Computing bei Oracle Europa. im silicon.de-Blog kürzlich davor, der Versuchung zu erliegen, “ad hoc eine Cloud-Technologie zu erwerben, um ein bestimmtes drängendes Problem zu lösen”. Seiner Ansicht nach können die vielfältigen Möglichkeiten ihr volles Potenzial nur dann entfalten, wenn sie nahtlos in die bestehende IT-Infrastruktur integriert werden. “Schnellschüsse” führten dagegen in der Regel zu Mehraufwand im Bereich Wartung und zu Inkompatibilitäten mit anderen Cloud- oder On-Premise-Systemen.

Schlabschi weiter: “Das kann den Effizienzgewinn dieser Lösungen und damit auch den Return-on-Investment erheblich schmälern. Gerade bei HR-Anwendungen liegt der Mehrwert in der Anbindung und Interoperabilität mit allen anderen Anwendungen im Unternehmen, denn die Personalabteilung ist als Knotenpunkt im Unternehmen auf Daten aus den verschiedensten Abteilungen angewiesen, um gute Arbeit leisten zu können.”

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