Designvorgaben von Apple und Google machen Webseiten immer schlechter lesbar

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Der Entwickler Kevin Marks hat einen Trend zu geringeren Kontrastwerten ausgemacht. Dadurch reduziert sich der Unterschied zwischen Text und Hintergrund. Was vielleicht gut aussieht, ist allerdings wenig nutzerfreundlich.

Als Nutzer von Googles App Engine Konsole hat sich der Entwickler Kevin Marks über kürzlich erfolgte Designänderungen geärgert. Aus deutlichen, blauen beziehungsweise schwarzen Lettern wurden überwiegend hellgraue. Seinem Ärger darüber macht Marks jetzt bei Backchannel Luft. Er zeigt zudem auch gleich auf, wie Design-Trends bei den großen Webkonzernen Webentwickler weltweit – in dem Fall zum Schlechteren – beeinflussen.

Der wesentliche Faktor für gut lesbaren Text auf einer Website ist der Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund. Marks verweist dazu auf eine 2008 von der Web Accessibility Initiative veröffentlichte Richtlinie, die für gut lesbare Webseiten sorgen soll. Die dazu eingeführte Skala reicht von 1.1 (wobei Text und Hintergrund dieselbe Farbe haben, bis zu 21:1 (schwarzer Text auf weißem Hintergrund). Die Initiative empfiehlt ein Kontrastverhältnis, das auf ihrer Skala einem Verhältnis von 7:1 entspricht und nennt ein Verhältnis von 4,5 : 1 als Minimum.

Designvorgaben von Apple, Google und Twitter machen Webseiten zunehmend schlechter lesbar (Bild: Shutterstock/Angela-Waye)

Auf diese Einstufung der Web Accessibility Initiative bezieht sich zum Beispiel auch Apple in seinen Richtlinien und empfiehlt ein Verhältnis von 7:1. Allerdings ist Marks aufgefallen, dass diese Richtlinien selber nur im Verhältnis 5,5 : 1 verfasst sind. Auch Google greift in seinen Richtlinen diese Vorgaben auf, weicht sie dann aber durch Zusätze auf ein Verhältnis von 4.6 : 1 auf – also einen Wert knapp über dem Minimum.

“Die Entscheidungen von Firmen wie Apple und Google in Bezug auf Typographie beeinflussen die De-facto-Standards im Web. Und diese zwei treibenden Kräfte bewegen sich bereits sehr nahe an der Grenze zur Unlesbarkeit”, so Marks.

Seiner Ansicht nach haben dazu auch bessere Monitore beigetragen. Designer hätten die höhere Auflösung genutzt, um schlankere Schriften und schwächere Kontraste zu erproben. Die vermehrte Nutzung von Laptops, Tablets und Smartphones bei den Anwendern führe jedoch dazu, dass die Kluft zwischen den zunehmend bessern idealen Bedingungen in den Design-Büros und den tatsächlichen Bedingungen bei der Nutzung im Alltag immer seltener gegeben seien.

Diese Erkenntnis ist allerdings nicht ganz neu. Bereits 2011 haben Zoltán Gócza und Richard Gazdik mit Contrastrebellion eine Website ins Leben gerufen, mit der sie dazu aufrufen, beim Website-Design neben der Ästehtik auch daran zu denken, dass die Darstellung der Texte lesbar bleiben sollten. Verdienst von Marks ist es nun jedoch, in seinem lesenswerten Beitrag zahlreiche Quellen aufgezeigt zu haben, die Website-Entwickler dazu drängen und ihnen raten, einen geringen Kontrast zu wählen.

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