Pop-up-Lofts und Innovation Lab: AWS zum Anfassen

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AWS will persönlicher mit Kunden kommunizieren. Dazu dienen sogenannte Pop-up-Lofts und ein Innovation Lab, die der Dienstleister an wechselnden Lokationen für beschränkte Zeit betreibt. Gerade wurde in München eins eröffnet.

Mit knallorangen Fensterfassaden versehen, fällt das AWS Pop-up-Loft und Innovation Lab in der Schwabinger Augustenstraße sofort auf. Das wohnzimmerartige Ambiente öffnete am vergangenen Mittwoch seine Pforten für AWS-Nutzer und –interessenten. Mit einer Mischung aus hochaktueller Technologie und Vintage-Möblierung möchte AWS seinen Dienstleistungsangeboten ein heimeliges Flair und ein menschliches Gesicht verleihen.

Vor Ort stehen allerlei AWS-Berater bereit, um sich den Kundenanliegen zu widmen. Die IT in Gestalt ihres Laptops bringen die Besucher selbst mit, Netzwerk-Connectivity ist vorhanden. Allerdings ist das Vergnügen nur von kurzer Dauer. Am 25.11. ist schon wieder alles vorbei. “Wir haben bereits vier solcher Lofts in Europa und den USA, und eins in Tel Aviv durchgeführt”, sagt Mike Clayville, VP Worldwide Commercial Sales & Business Development. Er war zur Eröffnung eigens nach München gekommen. Geoff Brown, Senior Manager Sales and Operations der deutschen AWS GmbH war ebenfalls vor Ort. “Für die nächsten Wochen haben wir praktisch unser gesamtes Team aus München in das Loft und Lab verlagert”, berichtet Geoff.

Mike Clayville, Vice President Global Sales and Business Development und Geoff Brown, Senior Manager Sales and Operations der deutschen AWS GmbH, bei der Eröffnung des Innovation Labs in München (Bild: Ariane Rüdiger)
Mike Clayville (links), VP Worldwide Commercial Sales, und Geoff Brown, Senior Manager Sales and Operations der deutschen AWS GmbH, bei der Eröffnung des Innovation Labs in München (Bild: Rüdiger)

Bis dahin können die Besucher sich über die Webadresse www.aws-innovation.de kostenlos bei allerlei Vorträgen, Referaten und Worksops anmelden. Deren Themen reichen von dem Einstieg in die AWS-Infrastruktur über Informationen von Partnern wie SAP bis hin zu der Nutzung spezieller Dienste. Ein besonderer Schwerpunkt liegt darauf, Start-ups zu unterstützen, die mit Hilfe der AWS-Infrastruktur neue Geschäftsmodelle entwickeln möchten. Sie erfahren, was AWS solchen Unternehmen bieten kann, wie man Investoren dazu bewegt, Geld in die junge Firma zu stecken und vieles andere mehr.

Die Location erstreckt sich über drei Geschosse. Oben befindet sich ein Vortragssaal mit Vorraum für das Get-Together, in der Mitte der Eingangs-, Gesprächs- und Arbeitsbereich, wo man am eigenen Laptop mit Hilfe von AWS-Mitarbeitern etwas ausprobieren kann.

Ganz unten befindet sich ein Lernraum mit Alpenambiente. Daneben wird es interessant: Dort zeigt AWS, welche Applikationen mit Hilfe insbesondere von AWS IoT und dazugeschalteten Services von AWS-Kunden bisher bereits realisiert wurden. Den IoT-Service integrierte AWS erst 2015 in sein Portfolio.

IoT-Anwendungen für das smarte Heim

Das Spektrum der realisierten Applikationen ist breit und erschöpft sich nicht in dem digitalen Hau-den-Lukas, das das eher spaßige Entree bildet. Ein Vorwerk-Mitarbeiter demonstrierte den Thermomix, ein All-In-Kochsystem mit Anschluss ans Internet, wo Kunden für drei Euro monatlich auf eine umfangreiche Rezept-Datenbank zugreifen können. Die liefert die Zutatenliste eines Rezepts, soll es denn zubereitet werden, direkt auf das System.

Wohnzimmeratmosphäre und physisch anwesende AWS-Berater sollen potentiellen Kunden das Fremdeln gegenüber der anonymen AWS-Cloud überwinden helfen. (Bild: Rüdiger)
Wohnzimmeratmosphäre und physisch anwesende AWS-Berater sollen potentiellen Kunden das Fremdeln gegenüber der anonymen AWS-Cloud überwinden helfen. (Bild: Rüdiger)

Die Anweisungen auf einem Display führen den Anwender – von Koch oder Köchin kann man in diesem Fall wohl kaum noch sprechen – Schritt für Schritt durch die Zubereitung. Eine Waage ist auch gleich integriert. Für die Zukunft ist geplant, auch noch eine Verbindung zu kooperierenden Läden und zum Kühlschrank zu schalten, damit das System bei Bedarf auch gleich die nötigen Zutaten beim Handel bestellen kann, wenn sie nicht mehr zu den vorhandenen Vorräten gehören.

Den Nutzern bleibt eigentlich vorwiegend das Bedienen von Druckknöpfen und das Verständnis der digitalen Menülogik als Aktivität übrig, was den entspannenden Effekten des Kochens nachhaltig den Garaus machen könnte. Für vom vielen Arbeiten Gestresste ist das aber möglicherweise attraktiv.

IoT-Anwendungen für die Industrie

Spannender sind da schon Lösungen, bei denen Daten aus laufenden Fahrzeugen gewonnen und zur Steuerung des fließenden Verkehrs verwendet werden – demonstriert an einer ebenfalls im Rahmen der Ausstellung aufgebauten Spielzeug-Rennbahn, die mit Hightech für autonome Verkehrssteuerung aufgepeppt wurde.

Siemens zeigte die Steuerung und vorbeugende Wartung von Gasturbinen, die Tausende von Sensoren besitzen und deren Wartungsdaten früher mehrere Regalmeter füllten. Bei Wartungsläufen fließen die Daten an Inhouse-Experten und das interne System Sinalytics, das sie auswertet und die nötigen Schlüsse daraus zieht.

Das Start-up actyx fokussiert sich auf Industrie 4.0. Es digitalisiert mit seiner Lösung ganze Produktionsketten. Dabei wird der gesamte Produktionsauftrag an einem berührungssensitiven Bildschirm konfiguriert. An jeder Arbeitsstation bis hin zu Verpackung und Versendung befinden sich Tablets, die die dort zu vollziehenden Schritte angeben, so dass für die Ausführung von Produktions- und Logistikaufgaben nicht mehr unbedingt Fachwissen notwendig ist.

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Marktforschern zufolge arbeitet inzwischen rund ein Drittel der Menschen weltweit zumindest zeitweise außerhalb des Büros. Das ist gut für die Produktivität, für die Work-Life-Balance, hervorragend für die internationale Zusammenarbeit und schafft Flexibilität für Mitarbeiter und Firmen. Aber aus der Perspektive der IT-Sicherheit ist es ein Alptraum.

Der weltweit aktive Kugellagerspezialist SKF hat ein neuartiges Dienstleistungsmodell auf die AWS-IoT-Infrastruktur aufgesetzt: SKF enlight. Mit dem System lassen sich die Daten an zu wartenden Systemen menügeführt papierlos und an einer einfach verständlichen grafischen Schnittstelle aufnehmen. Dann werden die Daten, verbunden mit einer Diagnoseanfrage, an das Remote-Design-Center geschickt, wo sich Fachleute anhand der vorhandenen frischen Daten mit dem Fall befassen und Lösungshinweise an die Mitarbeiter vor Ort liefern. Kunden können den Service als Jahresabo für um die 600 Euro jährlich pro Mitarbeiter beziehen. Von der Zahl der gewarteten Anlagen ist der Preis unabhängig.

Andreas Dott, Leiter des Intel IoT Innovation Lab in Feldkirchen, präsentierte Daten-Weste und -Display von Ivy, ebenfalls einem Start-up. Das System hilft Mitarbeitern durch Zusatzinformationen wie Anleitungen, Warnhinweise etc., die auf einem Display eingeblendet werden und intelligente Handschuhe, die den Griff nach dem falschen Werkzeug oder Ersatzteil bemerken und ein Signal geben. Das Feldkirchner Lab hilft Start-ups, die IoT-Geschäftsmodelle mit Hilfe von Intel- und AWS-Komponenten entwickeln.

Die Beispiele zeigen, dass das Internet der Dinge, obwohl noch ganz am Anfang stehend, eine Fülle neuer Ideen und Geschäftsmodelle inspiriert und dass die Technologien das Potenzial haben, nicht nur Industrie und Wirtschaft, sondern die gesamte Gesellschaft tiefgreifend zu verändern.

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