CIO Agenda – Digitalisierung wird erwachsen

CIOProjekte

Immerhin 50 Prozent aller CIOs in Europa nehmen an einem Digitalen Ökosystem teil. Die Marktforscher von Gartner sehen darin ein Zeichen, dass sich die Transformation eine neues Level der Reife erreicht hat.

Es scheint, als ob sich die Digitalisierung in einem neuen Level befindet. CIOs in Europa (EMEA) scheinen sich jetzt aktiv der digitalen Transformation ihrer Unternehmen anzunehmen. Wie das Marktforschungsinstitut Gartner in der jährlich durchgeführten CIO-Survey ermittelt hat, wirken derzeit immerhin 50 Prozent an einem digitalen Ökosystem mit. 65 Prozent sind zudem mit Start-ups und jungen Unternehmen im Kontakt, um entscheidende technologische Möglichkeiten und Fertigkeiten zu erlangen.

Erst vor wenigen Tagen, im Vorfeld des Gartner Syposiums in Barcelona, hatte Gartner Prognosen für die IT-Ausgaben für 2016 und 2017 veröffentlicht. Das Wachstum der Budgets ist ziemlich dünn. Verschiedene Faktoren, darunter der so genannte Brexit, beeinflussen das Investitionsverhalten der Unternehmen. Allerdings werden Unternehmen, wenn sie Geld ausgeben, vor allem in Technologien für die Digitalisierung und in Anwendungen investieren. Investments in Hardware hingegen gehen deutlich zurück.

“CIOs im Raum EMEA erwarten, dass die Budgets Ihrer Unternehmen 2017 im Schnitt um 1,4 Prozent steigen werden – Das ist das geringste Wachstum von allen Regionen weltweit”, kommentiert Andy Rowsell-Jones, Analyst bei Gartner. “So geben CIOs im Schnitt 19 Prozent des Enterprise-IT-Budgets für digitale Initiativen aus, diese Zahl könnte 2018 auf 29 Prozent ansteigen.”

Dazu zählt Gartner unter anderem Technologien für digitales Marketing und digitale Sales-Kanäle, Advanced Analytics, Internet of Things, Sicherheitslösungen sowie neue Business-Algorithmen und maschinelles Lernen.

gartner_symposiom

Rowsell-Jones: “Digitalisierung wird erwachsen und in diesem Zuge werden Unternehmen, die in Digitale Geschäftsfelder investieren, auch Teil eines digitalen Ökosystems.” Doch damit nicht genug. Es reiche laut dem Gartner-Analysten nicht, einfach vereinzelt neue Technologien zuzukaufen.

“Viele Unternehmen müssen sich von linearen, wertschöpfungsbasierten Unternehmensmodellen verabschieden, in der sie mit wohlbekannten Partnern handeln. Vielmehr müssen sie in Stufen investieren, um Teil eines schnelleren und dynamischeren vernetzten digitalen Ökosystems zu werden.” Das bekannte Digitalisierungsmantra!

Aber dabei scheinen es genau diese neuen Unternehmensmodelle zu sein, die für die Anwender so schwierig zu erreichen sind. Viele Unternehmen setzen daher zunächst auf Prozessebene an, um hier in kleinen inkrementellen Schritten Optimierungen in den Prozessabläufen einzusetzen. Wie Olaf Kleidon, CEO und Mitgründer von ARITHNEA, einem auf das digitale Business spezialisierten Beratnungshaues erklärt, ist das aber für viele ein notweniger “erster Schritt”.

Table 1. EMEA IT Spending Forecast (Millions of Constant US Dollars)

 

 

2016 Spending 2016 Growth (%) 2017 Spending 2017 Growth (%)
Data Centre Systems 58,163 1.6 58,953 1.4
Software 112,244 6.0 119,842 6.8
Devices 206,238 -3.7 204,660 -0.8
IT Services 327,676 3.8 341,133 4.1
Communications Services 526,782 -0.9 530,397 0.7
Overall IT 1,231,103 0.6 1,254,986 1.9

Source: Gartner (November 2016)

Glaubt man nun dem Zahlenmaterial Gartners, das unter knapp 2600 CIOs weltweit, davon etwa 750 CIOs in der Region EMEA erhoben wurde, dann wird das Thema Digitalisierung aber immer wichtiger, was sich auch an der Zahl der Partner-Unternehmen ablesen lasse.

“Unternehmen setzen nun auch vermehrt auf digitale Partner und weiten die Zahl externer Partner von durchschnittlich 63 Heute auf 127 im Jahr 2018 aus”, so Rowsell-Jones weiter. Dadurch könnten CIOs die Reichweite ihres Unternehmens verbessern und damit auch größeren Mehrwert schaffen und nur so könnten auch Wettbewerbsvorteile gegenüber Organisationen erreicht werden, die unabhängig agieren.

Allerdings sollten sich die Verantwortlichen auch nicht verzetteln, warnt der Experte: “CIOs sollten sich ein klares Bild ihrer Führungsrolle machen, einen realistischen Plan aufstellen, diese zu verbessern und sich auf einige Bereiche Konzentrieren, über die man dann zum Erfolg gelangt”, so Rowsell-Jones.

Und so geben 28 Prozent der CIOs in der Region an, Digitalisierung 2017 zum wichtigsten Thema zu machen und damit sind die CIOs in dieser Region anderen Teilen deutlich voraus, wo zum Beispiel nur 11 Prozent der Nordamerikanischen CIOs und 22 Prozent der Verantwortlichen in der Region Asia/Pacific das als oberste Priorität haben.

Dieses hohe Interesse der Verantwortlichen führt der Gartner-Analyst auf Initiativen wie Industrie 4.0, der E-Government Aktionsplan der EU, die starke und hochentwickelte Finanzwirtschaft und die ausgebaute Digitalisierung von Lösungen und Services bei Transport, Logistik oder im Einzelhandel zurück.

Als wichtigste Investitions-Bereiche sehen die Verantwortlichen in dieser Region Business Intelligence und Analytics. Und auch hier sei die Mehrheit der CIOs auf dem richtigen Weg, bestätigt Rowsell-Jones, denn diese Technologien seien essentiell für das Customer-Engagement.

Mehr zum Thema

IoT: Eine neue Standard-Welt entsteht

Im Bereich IoT gibt es zahlreiche Initiativen und Konsortien, bislang laufen diese Bestrebungen jedoch überwiegend parallel nebeneinander her. Doch damit dies alles überhaupt funktionieren kann, braucht man neben neuen Produkten auch neue Standards – insbesondere für die Kommunikation der Geräte untereinander und für die Sicherheit. silicon.de gibt einen Überblick.

Und auch bei dieser Gelegenheit predigt Gartner das Modell der Bimodalen IT. 2015 hätten noch 39 Prozent der CIO angegeben, eine bimodale IT zu haben, 2016 waren es bereits 41 Prozent. Und Gartner geht davon aus, dass in den nächsten Jahren, dieser Anteil steigen werde. Denn bereits 62 Prozent der Anwender, die selbst behaupten, dieses Modell in der eigenen IT-Infrastruktur zur fahren, geben an, damit Erfolge zu feiern.

Nach wie vor aber drücke der Fachkräftemangel auf digitale Projekte. Und hier scheint sich die Lage noch zu verschärfen. 26 Prozent geben an, dass der Fachkräftemangel die größte Hürde bei der Digitalisierung ist. Gegenüber der Befragung vom vergangenen Jahr bedeutet das einen Anstieg von 9 Prozent. Vor allem im Bereich Information/Analytics mache sich der bemerkbar. Mit einer vorausschauenden Planung, die mehr als ein Jahr vorausblicken sollte, könne sich das Problem jedoch in den Griff bekommen lassen.

 

Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen