Jetzt ist es offiziell: Microsoft liebt Linux

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Der Softwarekonzern ist der Linux Foundation als Platinum-Mitglied beigetreten. Damit ist eine neue Stufe der in den vergangenen Jahren deutlich intensivierten Bemühungen um Open Source und Linux in Redmond erreicht. Laut Jim Zemlin, Executive Director der Linux Foundation, ist der Schritt daher auch keine Überraschung.

Microsoft ist der gemeinnützigen Linux Foundation als Platin-Mitglied beigetreten. Das hat der Konzern zum Auftakt seiner Entwicklerkonferenz Connect in New York bekannt gegeben. Microsoft ist das elfte Firmenmitglied mit diesem höchstmöglichen Fördererstatus. Bislang hatten ihn Cisco, Fujitsu, Hewlett Packard Enterprise, Huawei, IBM, Intel, NEC, Oracle, Qualcomm und Samsung.

Mit dem Beitritt findet eine komplette Kehrtwende in Redmond ihren vorläufigen Abschluss. 2001 hatte der damalige Microsoft-CEO Steve Ballmer Linux noch als “Krebsgeschwür” beschimpft. Insbesondere seit dem Amtsantritt von Ballmer-Nachfolger Satya Nadella hat das Unternehmen aus Redmond seine Aktivitäten im Open-Source-Bereich jedoch erheblich intensiviert. In den vergangenen 12 Monaten veröffentlichte es etwa .NET Core 1.0 als Open Source und gab eine Partnerschaft mit dem Ubuntu-Herausgeber Canonical bekannt. Außerdem entwickelte es zusammen mit FreeBSD ein Image für die Azure-Cloud und gab nach der Übernahme von Xamarin dessen Software Development Kit als Open Source frei. Mit Azure Cloud Switch bietet Microsoft sogar eine eigene Linux-Distribution an.

Microsoft loves Linux (Bild: Microsoft)

Die Öffnung gegenüber Linux hat nicht zuletzt wirtschaftliche Gründe. Inzwischen basiert zum Beispiel ein Drittel der Server-Instanzen auf Azure auf Linux. Dennoch wäre es verfehlt, die Linux-Aktivitäten von Microsoft als Marketingaktionen oder oberflächliche Anbiedeerungsversuche abzutun. Dazu sind sie viel zu intensiv, aufwändig und nachhaltig, wie zum Beispiel im September von Github vorgelegte Zahlen belegen – auch wenn die natürlich nur einen Teil der Open-Source-Welt widerspiegeln. Demnach ist Microsoft inzwischen die Firma, die dort die meisten Angestellten an Open-Source-Projekten mitarbeiten lässt. Das erst seit knapp einem Jahr als Open Source verfügbare Visual Studio Code hat es zudem ohne Probleme in die Top Ten der Repositories mit den meisten Kontributoren geschafft.

“Als ein Cloud-Plattform-Unternehmen wollen wir Entwicklern helfen, mehr zu erreichen, wenn sie die Plattformen und Sprachen benutzen, die sie kennen. Die Linux Foundation ist nicht nur die Heimat von Linux, sondern auch von vielen der innovativsten Open-Source-Projekte der Community. Wir freuen uns sehr, der Linux Foundation beizutreten und mit der Community zusammenzuarbeiten, um Entwicklern zu helfen, von der Verlagerung hin zur intelligenten Cloud und mobilen Erfahrungen zu profitieren”, sagte Scott Guthrie, Executive Vice President der Cloud und Enterprise Group bei Microsoft.

“Es gab eine Zeit, in der ‘Proprietär gegen Open Source’ dem Ansatz ‘der Gewinner erhält alles’ folgte, aber das gehört der Vergangenheit an”, kommentierte Jim Zemlin, Executive Director der Linux Foundation, den Beitritt Microsofts. “Open Source ist inzwischen eine wichtige Kraft im Bereich Softwareentwicklung, und die Branche erkennt, dass sie selber besser werden kann und gleichzeitig auch andere besser machen kann.” Die Entscheidung, der Linux Foundation beizutreten, ist laut Zemlin keine Überraschung gewesen: Schließlich unterstütze Microsoft schon länger viele Projekte der Linux Foundation.

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

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