Der automatisierte Data Scientist

Mehr als 40 Prozent der Aufgaben, die heute von einem Data Scientist übernommen werden, sollen bis 2020 automatisiert werden, sagt das Marktforschungsinstitut Gartner voraus. Das, so die Marktexperten, werde zu einer erhöhten Produktivität und einem bereiteren Einsatz von Datenanalyse führen. Dann werde eine große Zahl von Analysen auch von so genannten “Citizen Data Scientists” übernommen werden.

Gartner (Bild: Gartner)

Citizen Data Scientists sind laut Gartner Angestellte, die ausgereifte Analyse-Verfahren anwenden und selbst Modelle entwerfen. Der eigentliche Job dieser Mitarbeiter aber habe thematisch nichts mit Statistik oder Analyse zu tun. Diese “Quereinsteiger” können in Unternehmen wertvolle Beiträge leisten, etwa indem sie zwischen den Fähigkeiten eines Business-Nutzers und denen eines Statistikers eine Brücke schlagen.

Durch ein Mehr an Automatisierung können diese Quereinsteiger nun bessere Ergebnisse erzielen und Advanced-Analytics-Technologien nutzen, die ohne die Hilfe von Automatisierung nicht möglich gewesen wären. Gartner führt das auf die starke Nachfrage seitens der Anwender zurück. Diese versuchen derzeit sehr stark sich über Analytics vom Wettbewerb zu differenzieren.

Daher versuchen derzeit laut Gartner Hersteller, Themen wie Daten Integration oder Modelling so weit wie möglich zu automatisieren und für Anwender zu vereinfachen. Eine ähnliche Entwicklung hatte die Branche vor einigen Jahren mit “Pervasive Business Intelligence” durchlebt.

“Indem Anbieter ihre Produkte für den Einsatz bei Citizen Data Scientist vereinfachen, werden Anbieterunternehmen ihren Einfluss in den Enterprises ausweiten und auch dabei helfen, den Mangel an entsprechenden Fachkräften zu beheben”, kommentiert Alexander Linden, Research Vice President bei Gartner in dem Report: “Predicts 2017: Analytics Strategy and Technology“.

“Der Schlüssel zur Vereinfachung liegt in der Automatisierung von Aufgaben, die häufig wiederholt werden, zeitaufwändig sind und nicht zwangsläufig die Expertise eines zertifizierten Daten-Spezialisten voraussetzen.”

Doch auch die ausgewiesenen Daten-Spezialisten werden laut Linden von dieser Automatisierung profitieren. Dank der Vereinfachungen könnten weniger Spezialisten die gleiche Menge an Aufgaben erledigen. Jedoch werden künftig in komplexen Projekten mindestens ein bis zwei Spezialisten nötig sein.

Dennoch werden die “Quereinsteiger” bereits 2019 mehr komplexe Analysen als dedizierte Data Scientists erstellen. Immer mehr würden solche Analysen dann auch die Unternehmen beeinflussen und ein Umfeld schaffen, in dem mehr Analysen zum Einsatz kommen. Gleichzeitig können die Citizens mit ihrer Arbeit auch den Spezialisten zuarbeiten, die sich dann verstärkt komplexen Analysen widmen können. Auch könnten so weitere Datenquellen angeschlossen und ausgewertet werden.

“Viele Organisationen haben nicht dauerhaft genug Daten Scientist verfügbar, aber sie verfügen über eine Reihe von erfahrenen Business-Analysten, die allesamt Citizen Data Scientists werden können”, kommentiert Joao Tapadinhas, Research Director bei Gartner. “Ausgerüstet mit den richtigen Tools können sie verzwickte Analysen erstellen und Modelle entwickeln, die vorhersagende oder beschreibende Auswertungen ermöglichen.” Damit könnten sie tiefere und umfassendere Einblicke als ‘normale’ Business-Nutzer gewinnen, so Tapadinhas weiter.

Vor allem auch daher, weil nach wie vor viele Unternehmen nicht in der Lage sind, entsprechende Experten dauerhaft zu beschäftigen oder in der Organisation zu halten. Tapadinhas sieht daher in dieser neuen “Berufsgruppe” eine schnellere und günstigere Möglichkeit, um Projekte für Advanced Analytics umzusetzen.