IoT-Strategie von Red Hat: Erfolg mit Middleware

M2MNetzwerke

Es muss nicht immer Plattform sein – auch wer wichtige Softwarekomponenten zuliefert, kann bei IoT gute Geschäfte machen. Ein Beispiel dafür ist Red Hat. silicon.de gibt einen Überblick über die Strategie des Open-Source-Spezialisten im Bereich IoT.

Die wichtigste Rolle im IoT-Markt spielen derzeit die Plattformanbieter. Doch wer genau hinsieht stellt fest, dass sie in der Regel aus vielen Elementen bestehen, und meist kommen nicht alle diese Elemente aus der Softwareschmiede des jeweiligen Plattformanbieters. Vielmehr legt jeder sein Kern-Know-how zugrunde, sei dies nun Kommunikationstechnik wie bei Cisco oder der Telekom oder Datenbank-Know-how wie bei Oracle, und flanscht darum herum Bausteine an. Sie werden mal eingekauft und mal als OEM-Ware in die Softwareplattform integriert. Viele Hersteller schweigen lieber darüber, was sich unter der Haube ihres Plattform-Boliden verbirgt, denn sonst würde sich herausstellen, dass so manche Plattform nicht so einmalig ist, wie sie gern wäre, sondern viele Plattformen sich in wesentlichen Komponenten durchaus gleichen.

Andererseits bekommt auf diese Weise der Markt von einigen IoT-Playern wenig mit, obwohl sie durchaus eine wichtige Rolle spielen. Zu diesen Unternehmen gehört Red Hat. Das Unternehmen liefert Middleware zu vielen Plattformen zu, die im Gesamtgebilde einer Plattform wichtige Funktionen übernimmt, aber in der Regel vollkommen unsichtbar bleibt.

Chris Gray, verantwortlich für den weltweiten Vertrieb und die Marktentwicklung IoT bei Red Hat. (Bild: Red Hat)
“Es ist noch zu früh, um festzulegen, ob wir eine eigene IoT-Plattform bauen werden”, erklärt Chris Gray, verantwortlich für den weltweiten Vertrieb und die Marktentwicklung IoT bei Red Hat. (Bild: Red Hat)

“Wir betreiben IoT eigentlich schon viele Jahre, aber lange nur im Rechenzentrums-Umfeld”, erklärt Chris Gray, bei Red hat weltweit zuständig für Geschäftsentwicklung und Vertrieb von IoT-Lösungen. In den letzten Jahren habe man am Markt beobachtet, dass ähnliche Technologien in immer mehr Anwendungen außerhalb des Rechenzentrums eingesetzt werden. Vor drei Jahren erfolgte dann die Definition von Produktpaketen und Preisen, damals noch unter der Bezeichnung “Intelligent Systems”.

Allerdings erkannte Red Hat wohl zutreffend, dass Unternehmen in erster Linie gebrauchsfertige Gesamtsysteme benötigen, statt sich selbst eine IoT-Plattform zusammenzustricken. Also entschloss man sich zu der Strategie, anderen Basistechnologie zur Verfügung zu stellen. Dazu gehören insbesondere die von JBoss zugekauften Middleware-Produkte Fuse zur Anwendungsintegration, A-MQ als Messaging-System für die Kommunikation zwischen Anwendungen und BRMS (Business Rules Management System), eine Lösung für die Verwaltung von Regeln, wie sie in regelbasierenden Lösungen häufig implementiert werden. Man braucht solche Regeln in IoT-Plattformen beispielsweise, um Schwellwerte für von den IoT-Endgeräten gemessene Parameter festzulegen und zu bestimmen, was in diesem Fall zu tun ist. Auch Red Hat Enterprise Linux als Betriebssystem findet sich in vielen IoT-Lösungen.

Patrick Steiner, im EMEA Presales Management für die Specialist Solution Architects zuständig (Bild: Red Hat)
“In Deutschland liegt der Fokus beim IoT-Geschäft auf der Zusammenarbeit mit großen Partnern und ISVs“, Patrick Steiner, im EMEA Presales Management für die Specialist Solution Architects zuständig (Bild: Red Hat)

Kooperation mit der Eclipse-Foundation

Auf bestimmte Branchenmärkte ist Red Hat daher nicht festgelegt – das ist eher Sache seiner Plattform-Kunden. Viel wichtiger sind da Kooperationen. Wichtiger als vieles andere ist hier die Eclipse-Foundation, ein Open-Source-Projekt, das an einer offenen IoT-Plattform arbeitet. Wie erfolgreich solche Bestrebungen sein können, zeigt gerade der Cloud-Protokollstapel OpenStack. Gemeinsam mit Partner Bosch Software Innovations will man innerhalb von Eclipse Lösungen fürs IoT programmieren, die dann in die Plattform einfließen.

“Wir denken, dass sich der IoT-Plattformmarkt in der nächsten Zeit stark konsolidieren wird”, meint Chris Gray, “und dass auf jeden Fall eine offene Plattform zu den drei führenden Lösungen gehören wird.“ Zwar sei auch Hadoop weit verbreitet, aber erfahrungsgemäß brauche man eine offene Lösung, damit der Markt wirklich wachsen kann.

Zusammen mit Eurotech arbeitet Red Hat seit Frühjahr 2016 an einer Ende-zu-Ende-Plattform. Dabei bringt Eurotech seine M2M/IoT-Software, das Everyware Software Framework und die Everyware Cloud ein, Red Hat sein Enterprise Linux und die JBoss-Middleware.

Zum Eclipse-Projekt gehören 30 Partner. Von den rund 20 Modulen hat sich Red Hat besonders an der Entwicklung von Kura, einem Java/OSGi-basierenden Framework für IoT-Gateways beteiligt. Seine Schnittstellen eröffnen den Zugriff auf die darunter liegende Hardware wie serielle Schnittstellen, verwaltet die Netzwerkkonfiguration, kommuniziert mit den M2M-Integrationsplattformen und übernimmt das Gateway-Management. Es gibt derzeit zwei Gateways von Eurotech unter der Bezeichnung ReliaGATE, die das Kura-Framework bereits verwenden. Eine weitere Anwendung ist die Installation auf einem Raspberry Pi, der sich dadurch in ein IoT-Gateway verwandelt. Die Lösung steckt auch in Eurotechs Everyware-IoT-Plattform.

IoT-Device-Management-Plattform Kapua

Nun arbeitet Red Hat mit Eurotech intensiv an Kapua, einer IoT-Device-Management-Plattform auf Basis eines Multiprotokoll-Message-Brokers. Er wird neben dem häufig verwandten Protokoll MQTT auch AMQP und WebSockets unterstützten. Letzteres hilft bei der Integration von Anwendungen. Zu den Funktionen gehören Device Connectivity (Authentifizierung und Autorisierung von Verbindungen, Device-Register), Message Routing, Device Management (Aktionen auf den Endgeräten), Datenmanagement (Zeitstempel, Position, Archivierung etc.), das gesamte Sicherheitsmanagement mit rollenbasiertem Zugriff und die Anwendungsintegration über ein REST-API. Das Device Management erfolgt über eine Konsole (siehe Bild), die ebenfalls zum Projekt gehört.

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Im Bereich IoT gibt es zahlreiche Initiativen und Konsortien, bislang laufen diese Bestrebungen jedoch überwiegend parallel nebeneinander her. Doch damit dies alles überhaupt funktionieren kann, braucht man neben neuen Produkten auch neue Standards – insbesondere für die Kommunikation der Geräte untereinander und für die Sicherheit. silicon.de gibt einen Überblick.

Ob dies alles ausschließt, dass Red Hat am Ende doch noch mit einer eigenen IoT-Plattform auf den Markt geht, ist derzeit noch unklar. “Für solche Festlegungen ist es zu früh. Im Moment bauen wir an unserem Partnersystem”, sagt Gray. Zudem hat Red Hat natürlich jede Menge Integrationskunden, etwa mit Cisco oder mit diversen Providern, die seine Technologien im Rahmen ihrer Plattformen verwenden – allerdings will Gray hier keine Namen nennen.

Mit SAP arbeitet Red Hat daran, die IoT-Intelligenz näher an oder in die Edge-Endgeräte in einer IoT-Gesamtlösung zu bringen. Das ist für viele denkbare Anwendungen ein kritischer Faktor. Denn der übliche Weg, dass sich Devices möglichst direkt in die Cloud verbinden und dort ihre Daten abgeben oder Befehle entgegennehmen, ist relativ häufig nicht gangbar. Manchmal verhindern rechtliche Restriktionen, dass die Daten ausgelagert werden. Oft ist jedoch der Kontakt zum Endgerät schlicht nicht ständig vorhanden, beispielsweise wenn es sich um einen fahrbaren Untersatz handelt.

Die Module von Kapua, einem Open-Source-Teilprojekt von Eclipse für Device Management, zu dem Red Hat und Eurotech maßgeblich beitragen (Bild: Eclipse.org)
Die Module von Kapua, einem Open-Source-Teilprojekt von Eclipse für Device Management, zu dem Red Hat und Eurotech maßgeblich beitragen (Bild: Eclipse.org)

Es geht also auch darum, die Datenverarbeitung einschließlich der Anwendung zuvor definierter Geschäftsregeln insgesamt in das Edge-Device oder das Gateway zu verlagern, an das es angeschlossen ist, so dass das Edge in der Regel selbst vor Ort entscheiden und handeln kann. Dann kann auch der Datenversand intelligenter und damit sparsamer geregelt werden: Läuft alles normal, findet er nicht statt – erreichen Abweichungen einen gewissen Grad, werden die betreffenden Daten an die Zentrale geschickt.

Die Benutzerschnittstelle von Kapua soll Anwendern schnellen Überblick über das Endgerätemanagement bieten (Bild: eclipse.org)
Die Benutzerschnittstelle von Kapua soll Anwendern schnellen Überblick über das Endgerätemanagement bieten (Bild: eclipse.org)

“Uns kommt zugute, dass wir langjährige Erfahrungen mit der Serviceökonomie haben”, meint Gray. Das bei Red Hat schon lange übliche Abomodell passe sehr gut zu den Strukturen, die sich im IoT-Markt bilden. In einem Markt mit so vielen Schichten wie dem IoT-Umfeld gebe es natürlich auch spezifische Preismodelle. Beispielsweise sei ein Kriterium, auf welcher Schicht sich ein Device befindet, das die Red-Hat-Lösungen verwendet.

“In Deutschland liegt der Fokus beim IoT-Geschäft auf der Zusammenarbeit mit großen Partnern und ISVs”, berichtet Patrick Steiner, der im EMEA Presales Management für die Specialist Solution Architects zuständig ist und gleichzeitig als IoT-Experte für den deutschsprachigen Raum fungiert. Es gebe einige sehr interessante Projekte.

Beispielsweise arbeite man mit einem europäischen Personentransportunternehmen zusammen, für das ein Personenzähler am Buseingang entwickelt wird. Wenn die Benutzer des Busses exakt gezählt und diese Daten flächendeckend ausgewertet würden, lasse sich am Ende die Busflotte besser auslasten. Mit Telekommunikationsunternehmen arbeitet das Unternehmen an virtuellen Gateways, mit denen sich Endkundengeräte auch ohne Vorhandensein eines physischen Gateways an die IoT-Cloud im Web anbinden lassen sollen. Insgesamt sieht sich Red Hat im IoT-Markt in einer vorteilhaften Position: “Die Kunden, die uns im Rechenzentrum lieben, lieben uns auch im Feld”, meint Gray.