Digital Immigrants als Felsen in der Digitalisierungs-Brandung?

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Die junge Generation findet schnell Anschluss bei der Digitalisierung, dennoch fühlt sich etwa ein Viertel von der Digitalisierung überfordert. Das reduziert die Produktivität erheblich. Ältere Mitarbeiter sind weniger euphorisch, dafür ist bei ihnen auch die Gefahr geringer, ein Opfer der Digitalisierung zu werden.

Generation ADHS: viele Menschen unter 30 geben an, von der Geschwindigkeit der Digitalisierung überfordert zu sein. Etwa ein Viertel soll es laut einer Studie von SopraSteria Consulting sein. Rund ein Drittel dieser Altersklasse gibt an, durch digitale Hilfsmittel eher abgelenkt zu werden und daher weniger effektiv und konzentriert zu arbeiten.

Die Vertreter der Altersgruppe der 40- bis 50-Jährigen hingegen scheint dem digitalen Wandel gelassener gegenüberzustehen. Nur 14 Prozent lassen sich durch die digitale Tool-Vielfalt häufig ablenken. 13 Prozent spüren eine gewisse Form digitaler Überforderung im Arbeitsalltag so die Untersuchung.

(Bild: Sopra Steria Consulting)
(Bild: Sopra Steria Consulting)

Junge Menschen finden bei digitalen Hilfsmitteln zwar schneller einen Einstieg, aber das führe laut Studie nicht zwangsläufig dazu, dass in einer digitalen Geschäftswelt auch effektiver gearbeitet wird. “Der Abbau medialer Hürden ist zwar gut für das Geschäft und sollte Ziel jedes Unternehmens in der digitalen Transformation sein”, sagt Matthias Frerichs, Senior Manager Digital Banking bei Sopra Steria Consulting. “Die Kehrseite ist, dass die wegfallenden künstlichen Hürden die Konzentration bei der Arbeit deutlich erschweren. Hier sind zusätzliche Kompetenzen gefragt, um trotz Informationsflut Ergebnisse zu produzieren.”

(Bild: Sopra Steria Consulting)
(Bild: Sopra Steria Consulting)

Den Digital Natives aber scheinen genau diese Kompetenzen zu fehlen, wie die Studie nahelegt. Ihnen fällt es schwerer als den Digital Immigrants, sich auf eine Aufgabe zu fokussieren, wenn viele Informationen über mehrere Kanäle gleichzeitig verarbeitet werden müssen. Dise erkenntnis ist grundsätzlich nicht neu, die Unterschiede zwischen den Generationen aber schon.

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Verschiedene Maßnahmen können dem Gefühl einer digitalen Überforderung vorbeugen, das offenbar gerade bei jüngeren Mitarbeitern verbreitet ist. (Bild: Sopra Steria Consulting)

Die Folge ist häufig der Tritt auf die digitale Bremse: Mehr als jeder zweite unter 30-Jährige (52 Prozent) nutzt eigenen Angaben zu Folge trotz digitalisiertem Arbeitsablauf lieber Dokumente aus Papier oder greift zum Telefonhörer, anstatt zu skypen. Bei den 40- bis 50-Jährigen sind es nur 43 Prozent.

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Auch bei Führungskräften zeigten sich Unterschiede: Neun von zehn Führungskräften erklären, dass das digitale Know-how ihrer Mitarbeiter “eine besondere Rolle” spielt. Jedoch sehen das lediglich 55 Prozent der unter 30-Jährigen so. Auch die Zustimmungswerte junger Führungskräfte zu Aussagen über die Bedeutung digitalen Wissens und digitaler Skills sind deutlich geringer als die älterer Chefs.

Allerdings sind 91 Prozent der Jung-Manager überzeugt, bei der Digitalisierung mithalten zu müssen, wenn man im Markt weiter erfolgreich sein will. “Diese Aussagen wirken vordergründig widersprüchlich”, so Frerichs weiter. Aus Sicht der Studienautoren aber zeige sich hier eine deutliche Überforderung vor allem der jungen Mitarbeiter. Diese fühlten sich zwischen den “vermeintlichen Anforderungen der Führungskräfte und ihrer subjektiv mangelnden Qualifikation aufgerieben”.

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Sopra Steria empfiehlt daher ein Change Management für alle Mitarbeiter und den Aufbau von Kompetenzen für den professionellen Umgang mit der digitalen Welt. Derzeit geben etwa drei Viertel aller Mitarbeiter an, nicht durch Schulungen an neue Technologien herangeführt zu werden, sondern sich diese Fähigkeiten während der Arbeit anzueigenen, wie aus einer Info-Grafik zur Studie hervorgeht. 

Frerichs aber empfiehlt Unternehmen, junge Mitarbeiter früh in die Einführung von Digitallösungen einzubeziehen, etwa im Rahmen von Design-Thing Workshops und über Schulungen. Ratsam sei zudem, solche Lösungen im Kontext eines übergeordneten Arbeitsplatzkonzeptes stets mit begleitenden Maßnahmen zu ergänzen. Als Möglichkeiten nennt er kreative Pausen oder ruhige Einzelarbeitszonen als Ergänzung zur Co-Working-Umgebung in Großraumbüros.

“Überlastungserscheinungen aufgrund ständiger Erreichbarkeit lassen sich in der Praxis oftmals schon mit einfachen Kommunikationsregeln minimieren – etwa durch klar definierte Zeitfenster ohne E-Mail- und WhatsApp-Kommunikation”, empfielt Frerichs.

Ein weiterer Aspekt dieser Studie ist, dass gerade mittelständisch geprägte Unternehmen offenbar schneller sind, digitale Strategien umzusetzen. So investieren etwa kleinere Unternehmen bis zu 1000 Mitarbeiter häufiger in entsprechende Schulungen als größere Unternehmen. Die Studie wurde im Juli 2016 unter mehr als 200 Angestellten und Führungskräften in Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern in unterschiedlichen Branchen durchgeführt.

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