GE bekommt Großauftrag der Deutschen Bahn

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Für die Digitalisierung von Lokomotiven will sich die Deutsche Bahn nun auf GE verlassen. Für beide Unternehmen ist das ein großer Schritt.

GE hat sich einen Großauftrag von der Deutschen Bahn gesichert. Der US-Mischkonzern wird die Digitalisierung und das Management von 250 Lokomotiven übernehmen. Bei dieser Kooperation werden zudem Lokomotiven, die nicht von GE selbst entwickelt wurden, mit den digitalen Lösungen von GEs ausgerüstet, wie der Hersteller mitteilt.

Dem Vertrag ging eine dreimonatige Testphase voraus, bei dem GE Transportation über die Predix-basierte Lösung RailConnect 360 die Zahl der Betriebsausfälle bei DB Cargo um 25 Prozent reduziert hat. “Unser Pilotprojekt mit GE Transportation hat die Verfügbarkeit der Flotte wesentlich verbessert und die Zahl der Betriebsausfälle reduziert”, kommentiert Steffen Bobsien, Senior Vice President Assetmanagement und Technik bei der DB Cargo AG.

“Mit diesem leistungsbasierten Vertrag für die RM&D (remote monitoring & diagnosics)-Analytik von Lokomotiven, die nicht von GE stammen, verändern wir das Geschäftsmodell grundlegend”, ergänzt Jamie Miller, CEO von GE Transportation.

 

GE wird das digitale Management von 250 Lokomotiven der Deutschen Bahn übernehmen. (Bild: GE)
GE wird das digitale Management von 250 Lokomotiven der Deutschen Bahn übernehmen. (Bild: GE)

Dass sich die Bahn auf GE verlässt, kommt einigermaßen überraschend. Bislang ist Siemens einer der wichtigsten Technologie-Partner der Bahn, das neben Lokomotiven und einem umfassenden Digitalisierungsangebot auch das Schienennetz der Bahn mit IoT-Technik ausrüstet.

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Siemens stellt unter anderem die Lok Vectron her, in der im großen Stil Daten gesammelt werden. Über verschiedene Algorithmen und Vorhersagemodelle kann Siemens sehr genau Ausfälle vorhersagen. In Branchenkreisen gilt das Angebot von Siemens als eines der ausgereiftesten am Markt.

Datenanlysen machen Ausfälle vorhersagbar. (Bild: Siemens Mobility Services)
Datenanlysen machen Ausfälle vorhersagbar. (Bild: Siemens Mobility Services)

Dennoch kommt jetzt GE zum Zug: Vermutlich versucht die Bahn auf diese Weise einen Vendor-Lock-in zu vermeiden. Eine zu große Abhängigkeit von Siemens würde die Bahn als Abnehmer schwächen.

GE versucht derzeit, wie viele andere Unternehmen auch, eine eigene IoT-Lösung im Markt zu etablieren. Die IoT-Plattform Predix etwa verbindet Endgeräte mit dem Internet.

Auch im Bereich Railway setzt GE vermehrt auf Predictive Maintenance. Begleitend zu den eigenen Loks biete GE verschiedene Services an. Auf der eigenne Web-Seite teilt das Unternehmen mit: “Unsere Remote-Monitroing- und Diagnostic-Technologien haben wachsende Bedeutung bei der Bereitstellung von Termingerechten Services, die die Verfügbarkeit von Lokomotiven erhöhen.”

Siemens Mobility bietet diese Services seit 2015 an. Für die Wartung der Zugmaschinen setzt der Hersteller auf Big Data. Dafür werden umfangreiche Daten gesammelt und Muster in diesen Daten automatisiert erkannt. Damit kann Siemens eine Verfügbarkeit von mehr als 99 Prozent erreichen.

In der Siemens-Lok sind mehr als 260 Sensoren verbaut. Diese melden ständig Werte wie Temperaturen, Druck, Spannung, Geschwindigkeit, Bremsverhalten, Verhalten von Kompressoren, Anzahl der angehängten Waggons oder andere Steuerungsprozesse. Die Werte werden sämtlich geloggt und auf verschiedenen Wegen übertragen. Bei rund 100 Triebzügen kommen so 100 bis 200 Milliarden Datenpunkte zusammen. Hinzu kommen noch weitere Informationen aus anderen Quellen wie etwa Wetter oder auch Meldungen aus dem Schienennetz, von Signalen oder den Stellwerken.

“Wir überwachen zum Beispiel alle Türen, aber auch Sicherheitstechnologien und den Antrieb, wir erkennen die kleinste Abweichung, so können wir vier bis sechs Wochen voraussehen”, so Johannes Emmelheinz, CEO der Siemens Mobility Services im Gespräch mit silicon.de.

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