Smartphone-Nutzung ist Produktivitätskiller und raubt den Schlaf

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Einer Studie der DAK zufolge schlafen vier von fünf Berufstätigen auch schlecht. Ursache sind Termin- und Leistungsdruck sowie das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen. Professor Gerald Lembke warnt zudem vor dem endgültigen Kollaps, wenn das “Internet of Things” Realität wird.

Einer Studie der Krankenkasse DAK zufolge leidet jeder zehnte Arbeitnehmer unter schweren Schlafstörungen, mit Ein- und Durchschlafstörungen, schlechter Schlafqualität, Tagesmüdigkeit und Erschöpfung. Im Vergleich zu einer ähnlichen Studie 2010 ist der Anteil der Berufstätigen im Alter zwischen 35 und 65 Jahren, die grundsätzlich von Schlafstörungen berichten, um 66 Prozentpunkte angestiegen. Damit klagen der DAK-Studie aktuell insgesamt 80 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland in irgendeiner Form über schlechten Schlaf.

Die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind dem DAK-Bericht zufolge zwar nur schwer fassbar, aber dennoch gravierend. Insgesamt entfällt auf Krankschreibungen wegen Schlafstörungen nur ein vergleichsweise kleiner Anteil der Arbeitsunfähigkeitstage. 2015 entfielen darauf 0,26 Prozent aller Fehltage. Das liege aber einerseits daran, dass sich nur wenige Betroffene ärztlich behandeln lassen und andererseits auch daran, dass Schlafstörungen möglicherweise oft hinter anderen Diagnosen stecken.

Home Office (Bild: Shutterstock/Jakub Zak)
Immer bereit sein zu wollen, führt möglicherweise zu Schlafstörungen und letzendlich erheblich niederiger Produktivität (Bild: Shutterstock/Jakub Zak)

“Für das Arbeitsunfähigkeitsgeschehen haben Schlafstörungen eine enorme Bedeutung! Krankheitstage wegen Insomnie sind möglicherweise hinter solchen Diagnosen wie Psychovegetatives Syndrom oder Depressive Verstimmung oder vor allem Burnout oder fatigue Syndrom etc. versteckt. Der Hausarzt traut sich nicht, die Insomnie zu bemühen und niedergelassene Schlafmediziner, die Insomnie-Experten, sind gibt es kaum“, erklärt Professor Ingo Fietze vom interdisziplinäres Schlafmedizinisches Zentrum an der Charité Berlin, in der Studie (PDF).

Aus Sicht von Unternehmen bedeute das, dass fast die Hälfte der Erwerbstätigen bei der Arbeit müde ist, etwa ein Drittel sei regelmäßig erschöpft. Dazu trägt der Studie zufolge auch der Medienkonsum bei. So schauen 83 Prozent der Arbeitnehmer vor dem Einschlafen Filme und Serien, 68 Prozent erledigen abends noch private Angelegenheiten an Laptop oder Smartphone.

Laut Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit, sind die Unternehmen an ihren ausgelaugten Mitarbeitern zum Teil aber auch selbst schuld: “Ursache für Schlafprobleme sind unter anderem Arbeitsbedingungen. Wer zum Beispiel häufig an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit arbeitet, steigert sein Risiko, die schwere Schlafstörung Insomnie zu entwickeln. Weitere Risikofaktoren sind starker Termin- und Leistungsdruck, Überstunden sowie Nachtschichten und ständige Erreichbarkeit nach Feierabend.“ Laut Studie kümmert sich etwa jeder Achte vor dem Zubettgehen noch um dienstliche Dinge wie E-Mails oder die Planung des nächsten Arbeitstages. Dies seien vor allem die beruflich Engagierten, die durch “Always-On” Leistungsbereitschaft und Allzeitverfügbarkeit demonstrieren.

Der bereits in der Vergangenheit durch teilweise kontroverse Thesen zur Digitalgesellschaft bekannt gewordene Professor Gerald Lembke erklärt dazu: „Der Zusammenhang zwischen der Digitalnutzung und der eigenen Gesundheit ist in der herrschenden Digitaleuphorie in Deutschland immer noch ein Tabuthema.“ Lembke weiter: „Wir müssen lernen, dass Abschalten entspannter und zufriedener macht als noch mehr Geräte anzuschalten.”

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Der Kollaps droht seiner Ansicht nach, wenn das “Internet of Things”, also die digitale Vernetzung aller Gegenstände, tatsächlich Realität wird. Dann wäre Abschalten immer weniger möglich: “Schließlich müssen die vielen digitalen Transaktionen beim Internet der Dinge ja ständig überwacht werden …”

“Chefs unterliegen einer tragischen Logik”, so Lembke unter Verweis auf sein neuestes Buch “Im digitalen Hamsterrad“. Mitarbeiter würden nicht produktiver, indem sie abends für ihren Chef erreichbar sind und die Einsamkeit ihrer Chefs kompensieren, sondern indem sie in ihrer Freizeit ein digitalfreies Leben führen können und den Schlaf nicht als “Übel der Nichterreichbarkeit” verstehen.

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Doch auch wer ausgeschlafen ins Büro kommt, sollte sich und sein Nutzungsverhalten beim Smartphone einmal kritischer unter die Lupe nehmen. “Was in deutschen Unternehmen kaum thematisiert wird, ist in der amerikanischen Wirtschaft längst Erkenntnis: Jeder vierte Arbeitnehmer verbringt während seines Arbeitstages mindestens eine Stunde mit persönlichen Anrufen, E-Mails und Textnachrichten. Die Ursachen sinkender Produktivität liegen nicht an der Existenz der Smartphones, sondern an deren unablässiger Nutzung”, so Lembke. Er nennt hier vor allem Unterbrechungen durch Textnachrichten der bekannten Messenger-Dienste als Problem.

Diese Themen im Unternehmensalltag zu verschweigen hält Lembke für “grob fahrlässig”. Es sei höchste Zeit, die Vorteile eines beschränkten Digitalkonsums zu erkennen und entsprechend zu handeln. Eine Strategie gegen die Smartphone-Übernutzung müsse es sein, die ständigen Unterbrechungen zu verhindern, damit sich Mitarbeiter und Chefs wieder ihren eigentlichen Tätigkeiten zuwenden und ungestörter Konzentrations-, Arbeits- und Denkflüssen widmen können. Solch eine Abstinenz führe nicht nur zu einer deutlich höheren Produktivität, sondern auch größerem Glücksempfinden und damit einem „höheren subjektiven Selbstwirksamkeitsempfinden der Mitarbeiter.“ Firmen empfiehlt Lembke die private Smartphone-Nutzung im Unternehmen zu thematisieren. Statt auf Verbote sollten Verantwortliche aber lieber darauf setzen, schlechte Routinen durch Dialoge und gemeinschaftlich vereinbarte Regelungen zu durchbrechen.

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