Vorgestellt: das Netzwerk energieeffiziente Rechenzentren

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Kürzlich gründete sich das Netzwerk energieeffiziente Rechenzentren. Darüber, wer dem Netzwerk angehört und welche Ziele es verfolgt, sprach Ariane Rüdiger für silicon.de mit Dr. Ralph Hintemann, Netzwerkmanager der Vereinigung und Senior Researcher beim Borderstep Institut.

silicon.de: Herr Hintemann, warum wurde das Netzwerk energieeffizientes Rechenzentrum gegründet?

Ralph Hintemann: Wir wollen, dass mehr effiziente Rechenzentrumstechnologien eingesetzt und entwickelt werden, zumal es in Deutschland Unternehmen gibt, die in diesem Sektor hervorragend positioniert sind. Wir wollen so auch etwas für den Standort Deutschland tun. Anlass war das Auslaufen der Innovationsallianz Rechenzentren in Hessen. Im Rahmen dieses Projekts entstand die Idee, die dort entstandenen Impulse irgendwie fortzuführen und daraus entstand das Netzwerk, das jetzt verstärkt in die Öffentlichkeit tritt.

Dr. Ralph Hintemann, Netzwerkmanager der Vereinigung "Netzwerk energieeffiziente Rechenzentren" und Senior Researcher beim Borderstep Institut. (Bild: Borderstep Institut)
Dr. Ralph Hintemann, Netzwerkmanager der Vereinigung “Netzwerk energieeffiziente Rechenzentren” und Senior Researcher beim Borderstep Institut. (Bild: Borderstep Institut)

Wer gehört derzeit dazu?

Hintemann: Derzeit gehören Thomas Krenn, Invensor, ein Adiabatik-Spezialist, DC-CE, Howatherm, Tobol, ein Spezialist für Mess- und Regeltechnik, Windcloud, E-Cube, die Geff GmbH, ein Beratungsunternehmen für Energieeffizienz und in koordinierender Funktion ich vom Borderstep-Institut dazu.

Nehmen Sie weitere Mitglieder auf, und was sind die Bedingungen?

Hintemann: Wir sind durchaus offen für weitere Mitglieder, behalten uns aber vor, über jede Anfrage einzeln zu entscheiden. Bei einer so kleinen Gruppe müssen die Teilnehmer auch zueinander passen.

An sich wären doch mehr Mitglieder gut, um mehr Einfluss im Sinne von mehr Rechenzentrumseffizienz geltend zu machen.

Hintemann: Wir wollen auch neue Technologien und Lösungen gemeinsam entwickeln, da geht es durchaus um Kooperation in etwas sensibleren Bereichen. Deshalb sollten die Mitglieder schon miteinander harmonieren, zum Beispiel als Firma eine passende mittelständische Größe haben.

"Wir wollen innovative gemeinsame Entwicklungen anstoßen", erklärte Ralph Hintemann vom Borderstep Institut für das neu gegründete "Netzwerk energieeffiziente Rechenzentren" am Rande der Verleihung des Deutschen Rechenzentrumspreises /Bild Rüdiger)
“Wir wollen innovative gemeinsame Entwicklungen anstoßen”, erklärte Ralph Hintemann vom Borderstep Institut für das neu gegründete “Netzwerk energieeffiziente Rechenzentren” am Rande der Verleihung des Deutschen Rechenzentrumspreises (Bild Rüdiger)

Aber wir sind auch für den öffentlichen Bereich offen. So verhandeln wir mit der Stadt Frankfurt und dem Projekt Digitales Hessen, die durchaus interessiert sind, sich in irgendeiner Form mit uns zu assoziieren. Im Übrigen befinden wir uns ja noch in einem sehr frühen Stadium.

Wann kann man solche neuen Technologien oder Produkte erwarten?

Hintemann: Wir stellen uns vor, dass wir vielleicht schon Ende 2018 mit ersten Projekten aufwarten können. Aber es ist noch zu früh, um darüber zu spekulieren, was das sein könnte.

Was haben Sie sich ansonsten vorgenommen?

Hintemann: Wir fokussieren uns auf den Mittelstand und wollen insgesamt die Energieeffizienz in Rechenzentren in Deutschland weiterbringen. Dazu führen wir derzeit eine Marktuntersuchung durch, in der es um die Effizienz in existierenden deutschen Rechenzentren geht.

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Wir haben im Rahmen dieser Umfrage bereits Daten zu 25 Prozent der deutschen Rechenzentrumsfläche gesammelt, darunter sind viele sehr große Rechenzentren, und wir sammeln weiter Daten. Außerdem wollen wir Öffentlichkeitsarbeit zu energieeffizienten Rechenzentren betreiben und über Förderprogramme für energieeffiziente Rechenzentrumstechnologien informieren.

Geht es auch um internationale Vernetzung, beispielsweise mit anderen mittelständischen IT-Spezialisten aus der EU?

Hintemann: Explizit derzeit nicht, allerdings gibt es durchaus Kontakte zu Playern aus anderen europäischen Ländern, die ähnliche Ziele verfolgen, beispielsweise zu Green IT Amsterdam.

Wie finanzieren Sie sich?

Hintemann: Im Rahmen der Netzwerkförderung des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstandes des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Das Netzwerk erhält im Rahmen dieser Förderung im ersten Jahr rund 90 Prozent der Netzwerkkosten, im zweiten Jahr noch 70 Prozent und im dritten 50 Prozent, danach müssen wir selbst laufen. Den Rest tragen die Mitglieder selbst. Für alle gemeinsam handelt es sich in diesem Jahr um eine mittlere sechsstellige Fördersumme.

Warum fokussieren Sie sich auf den Mittelstand auch als Anwendergruppe?

Hintemann: Wenn heute große Rechenzentren gebaut oder renoviert werden, steht die Energieeffizienz relativ weit oben auf der Prioritätenliste. Aber bei den mittelständischen Rechenzentren ist das derzeit oft noch anders: Viele Betreiber haben für solche Themen keine Ressourcen, wissen darüber noch zu wenig oder scheuen das Risiko, etwas Neues auszuprobieren.

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Die Frage ist also, wie man sie dazu bekommt, Dinge, die die Energieeffizienz voranbringen, aber vom Gewohnten abweichen, auszuprobieren. Es gibt hier natürlich gerade im Mittelstand durchaus Ausnahmen, ich denke jetzt eher an den Durchschnitt.

Aber verschwindet das mittelständische Rechenzentrum nicht ohnehin in der Public Cloud, also bei Microsoft Azure, AWS und so weiter?

Hintemann: Ich bin davon überzeugt, dass wir eine dezentrale Rechenzentrumsarchitektur mit vielen verteilten Rechenzentren haben werden. Ein Ergebnis unserer Untersuchung, von dem ich schon jetzt sprechen kann, ist, dass gerade der Mittelstand, also Unternehmen zwischen 50 und 250 Mitarbeitern, im vergangenen Jahr überdurchschnittlich in IT investiert hat, entweder in das eigene Rechenzentrum oder in Kollokations-Ressourcen, aber auf jeden Fall in eigene Hardware. Die sehr kleinen Unternehmen investierten demgegenüber eher wenig, die sehr großen durchschnittlich. Das zeigt uns, dass es hier einen Markt gibt, an dem, wenn es nach uns geht, energieeffiziente Lösungen aus Deutschland einen größeren Anteil haben könnten.