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Anleger wollen SAP-Aufsichtsrat die Entlastung verweigern

Der US-Aktionärsberater Institutional Shareholder Services [1] (ISS) rät SAP-Anlegern, dem Aufsichtsrat der SAP SE die Entlastung zu verweigern. Wie aus einem Bericht der Aktionärsvertretung hervorgehe, zeige das Gremium “einen ausgeprägten Mangel an Aufsicht und guter Unternehmensführung”. Einer der Gründe für diese Kritik ist die Vergütung des SAP-Vorstandsvorsitzenden Bill McDermott, der im Jahr 2016 insgesamt 15 Millionen Euro verdient hat.

[caption id="attachment_41580257" align="alignright" width="250"]Hasso Plattner auf der SAPPHIRE in Orlando 2012. Quelle: SAP [2] SAP-Aufsichtsratsvorsitzender Hasso Plattner. Seine Amtszeit läuft noch bis 2019. Wer könnte in die Fußstapfen des SAP-Mitgründers treten, der seit 2003 dieses Amt bekleidet? (Bild: SAP)[/caption]

“Es ist bedauerlich, dass Herr Plattner mit Blick auf Managergehälter kein Gespür für das gesellschaftliche Klima zeigt”, kritisiert Hans-Christoph Hirt vom britischen Investor Hermes gegenüber dem Spiegel [3]. SAP sei ein wichtiges Unternehmen der deutschen Wirtschaft, doch gebe es eine rote Linie, die ein Unternehmen nicht überschreiten sollte. Auch die Aktionärsberatungen Hermes und Union Investment wollen daher gegen die Entlastung des Aufsichtsrates stimmen.

Update, 10. Mai, 14 Uhr 50: Auf der Hauptversammlung in der SAP-Arena in Mannheim hat Hasso Plattner die Zahlungen und deren Höhe heute verteidigt [4]: “Die Vorstandsvergütung muss mit Blick auf unsere globalen Konkurrenten international wettbewerbsfähig sein.”

SAP hat sich mit einem soliden Wachstum inzwischen als wertvollstes deutsches DAX-Unternehmen positioniert. Mit einer Marktkapitalisierung von aktuell rund 116 Milliarden Euro ist SAP an der Börse mehr wert als Siemens, Daimler, Bayer oder die Deutsche Telekom. Das kräftige Wachstum bescherte McDermott eine Verdreifachung seines Gehaltes. Die maximale Vergütung könnte theoretisch auf bis zu 41 Millionen Euro ansteigen. Als Bemessungsgrundlagen werden hier Unternehmensgröße und unter anderem auch die finanzielle Situation von SAP herangezogen.

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SAP sieht darin kein Problem. Das sei bei DAX-Unternehmen gängige Praxis und auch im internationalen Wettbewerb würden vergleichbare Gehälter bezahlt. Auf der Hauptversammlung am Mittwoch werde der SAP-Aufsichtsrat auch eine Stellungnahme dazu vorbereiten, heißt es. Eine Abstimmung über die Vergütung wird es aber wohl nicht geben. Laut Aktienrecht ist das optional. Bei der letzten Abstimmung über die Vorstandsgehälter hatten immerhin rund 45 Prozent der Aktionäre gegen die neuen Regelungen gestimmt.

Da Hasso Plattner aber diese Regelungen nicht zu Wahl stellt, will er wohl auch das Risiko umgehen, hier ein negatives Votum zu bekommen. Vor allem institutionelle Anleger folgen häufig den Empfehlungen von Aktionärsberatern wie ISS oder Hermes. Bei der Münchener Rück etwa waren nach einer Empfehlung der Aktionärsberater die Pläne für die Gehalts- und Bonusregelungen für die Vorstandsmitglieder durch die Aktionäre zurückgewiesen worden.

Außer um die Vergütungen wird es am Mittwoch wohl auch um die nach wie vor ungeklärte Frage der Nachfolge Hasso Plattners gehen. Der SAP-Mitgründer leitet seit 2003 das Kontrollgremium des Konzerns. Die Amtszeit des 73-jährigen läuft noch bis 2019.

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