Allianz: Digitalisierung macht über 700 Stellen überflüssig

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Der Stellenabbau soll bis Ende 2020 insgesamt 700 Vollzeitstellen im Bereich Betrieb/Schaden erfassen. Das hat die Süddeutsche Zeitung erfahren. Da dort viele Personen in Teilzeit arbeiten, sind offenbar über 800 Mitarbeiter betroffen. 570 weitere Stellen seien durch Altersteilzeitverträge bereits gestrichen worden.

Die Allianz will in Deutschland bis 2020 insgesamt 700 Vollzeitstellen abbauen. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf interne Quellen. Die Stellenstreichungen sind dem Versicherungskonzern zufolge eine Reaktion auf die mit der Digitalisierung einhergehenden Veränderungen. Sie ermögliche es, viele bisher Sachbearbeitern zugeordnete Aufgaben durch Software erledigen zu lassen. “Eine Reduktion von Stellen ist nicht das Ziel, aber eine der Konsequenzen dieser Veränderungen, die sich nicht vermeiden lassen”, erklärte Ruedi Kubat, Chief Operating Officer im Vorstand der Allianz Deutschland AG, laut SZ im Allianz-Intranet.

Allianz-Versicherung (Grafik: Allianz)

Digitalisierbar und automatisierbar sind offenbar vor allem Prozesse in den Bereichen Betrieb und Schaden. In denen arbeiten bei der Allianz in Deutschland knapp 9000 Mitarbeiter. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen in Deutschland 29.000 Personen. Durch den nun angekündigten Stellenabbau sollen bis Ende 2020 insgesamt 700 Vollzeitstellen im Bereich Betrieb/Schaden wegfallen. Da in dem Bereich viele Personen in Teilzeit arbeiten, sind laut SZ über 800 Mitarbeiter betroffen. 570 weitere Stellen seien bereits durch Altersteilzeitverträge abgeschafft worden. Insgesamt fallen also über 1200 Stellen weg.

Wesentliche Ergebnisse der DGB-Studie zu Digitalisierung und Arbeitsbelastung im Überblick (Grafik: DGB)
Wesentliche Ergebnisse einer im Mai veröffentlichten DGB-Studie zu Digitalisierung und Arbeitsbelastung im Überblick (Grafik: DGB)

Der Stellenabbau scheint jüngsten Ankündigungen der Versicherung, sich individueller um Kunden kümmern zu wollen, zu widersprechen. Allianz-Mitarbeiter mutmaßen gegenüber der SZ daher auch, dass es eher darum geht, Kosten zu senken, als um digitale Veränderungen im Geschäft. Konzernchef Oliver Bäte habe den Anteilseignern schließlich hohe Gewinne und steigende Dividenden versprochen.

Allerdings gehen IT-Firmen wie IBM davon aus, dass ihre Angebote im Bereich künstliche Intelligenz auch in der Versicherungsbranche nachhaltige Veränderungen mit sich bringen. Allianz-Vertreter sind im erst kürzlich eingeweihten Watson-IoT-Center von IBM offenbar häufige Gäste. Und bereits bei der Ankündigung, diese Einrichtung in München eröffnen zu wollen, hatten IBM-Sprecher als eine der Gründe für die Wahl des Standorts die dort stark vertretene Versicherungsbranche genannt. Andere waren die Nähe zu Automobilherstellern und die hohe Zahl qualifizierter Fachkräfte sowie die Standortpolitik der Behörden.

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Die Allianz ist der SZ zufolge jedoch kein Einzelfall. Auch Ergo, Zurich, Generali und andere Gesellschaften wollten durch Digitalisierung Kosten zu senken. “Es gibt Vorstände, die davon sprechen, dass die Verwaltungen zu 30 bis 50 Prozent überbesetzt seien”, schreiben die SZ-Redakteure Herbert Fromme und Uwe Ritzer. Das entspreche in etwa auch Prognosen der Unternehmensberater von McKinsey. Die erwarteten, dass in den kommenden zehn Jahren 40 Prozent der Stellen in der Branche durch Digitalisierung obsolet werden.

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