Ehemaliger GCHQ-Chef spricht sich für Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aus

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Robert Hannigan hält es für “keine gute Idee die Sicherheit für jedermann zu schwächen, um eine Minderheit angehen zu können.” Seiner Auffassung nach sollten Behörden sich Smartphones oder Notebooks von Terroristen und Kriminellen gezielt vornehmen.

Robert Hannigan, bis Januar dieses Jahres Direktor des britischen Geheimdienstes GCHQ, hat sich in einem Interview mit der BBC gegen den Einbau von Hintertüren in Verschlüsselungstechnologien ausgesprochen. Diese Maßnahme halten diverse Politiker und Behörden für notwendig, um die Kommunikation von Terroristen und Kriminellen abhören zu können.

verschlüsselung encryption (Bild: Shutterstock)

Laut Hannigan ist Verschlüsselung ein unermesslich wichtiges Gut. Sie sei wichtig für den Schutz aller Nutzer. Während des Kalten Krieges und bis vor 15 Jahren seien dazu aber in großem Maßstab nur Regierungseinrichtungen in der Lage gewesen. Dass Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nun auch für jedermann in Smartphone-Apps zur Verfügung steht, ist seiner Ansicht nach zu begrüßen.

“Die Aufgabe für Regierungen ist es nun, wie sie den Missbrauch dieser Verschlüsselung durch die winzige Anzahl der Leute unterbinden wollen, die böse Dinge tun wollen, so wie Terroristen und Kriminelle”, so Hannigan gegenüber der BBC. Wieder “weg-erfinden” lasse sich Verschlüsselung aber ebenso wenig wie per Gesetz wieder abschaffen.

Genau darüber denen aber Politiker in Großbritannien und auch in Deutschland nach. In Großbritannien hatten Vertreter des Innenministeriums nach den jüngsten Terroranschlägen die Verschlüsselung in Messenger-Diensten für Smartphones kritisiert. In Deutschland beschlossen die Innenminister von Bund und Ländern auf ihrer Konferenz in Dresden Mitte Juni, die Überwachung von Diensten wie WhatsApp anzustreben.

Außerdem wurden Ende Juni Pläne für die Einrichtung einer “Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich” (Zitis) bekannt. Sie soll Sicherheitsbehörden bei der Entschlüsselung von Kommunikation helfen. Dafür sind im Haushalt im kommenden Jahr bereits Ausgaben im unteren zweistelligen Millionenbereich eingeplant. An der Rechtslage, die verschlüsselte Kommunikation ausdrücklich erlaubt, soll sich dagegen nichts ändern.

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Robert Hannigan, Leiter des GCHQ von November 2014 bis Januar 2017, befürwortete in dem BBC-Interview eine Kooperation von Behörden und Technologiefirmen, um einen gangbaren Weg zu finden. Da sei besser als Gesetze zu verabschieden, die Technologieanbieter zwingen, ihre Verschlüsselungstechnologien abzuschwächen oder Hintertüren für den Zugriff durch die Behörden zu installieren.

EX-GCHQ-Leiter: “Ich bin nicht für Hintertüren.”

“Ich bin nicht für Hintertüren”, sagte Hannigan. “Es ist keine gute Idee die Sicherheit für jedermann zu schwächen, um eine Minderheit angehen zu können.” Die Sicherheit des ganzen Systems zu schwächen oder Hintertüren einzubauen sei technisch schwierig und werde nicht funktionieren, betonte Hannigan.

Er verwies dabei auf den unter Präsident Clinton in den USA gemachten, aber gescheiterten Versuch mit dem sogenannten Clipper Chip. Auch weil die meisten der Firmen, über deren Technologie nun diskutiert werde, aus den USA stammten, glaube er nicht, dass verschärfte Gesetze eine Lösung sind.

Seiner Auffassung nach sei es das Beste, die Personen, die Missbrauch treiben, gezielt ins Visier zu nehmen und sich die von ihnen benutzten Smartphones oder Laptops vorzunehmen. Außerdem forderte er die Technologiefirmen auf, ihre technischen Möglichkeiten zu nutzen, um die Verbreitung terroristischer Propaganda im Internet zu unterbinden.

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