Photovoltaik-Anlagen mit erheblichen Sicherheitslecks

SicherheitSicherheitsmanagement

In unverzichtbaren Komponenten von Solar- und Photovoltaikanlagen sind Sicherheitslecks, die ausgenutzt werden können, um die gesamte europäische Stromversorgung zu destabilisieren und möglicherweise zusammenbrechen zu lassen.

Solar- und Photovoltaikanlagen sind als vernetzte Objekte offenbar genauso gut oder schlecht gesichert wie zahlreiche andere Geräte mit Bezug zum Internet der Dinge (IoT). Das hat jetzt der niederländische Sicherheitsforscher Willem Westerhof belegt. Er hat mehrere Sicherheitslücken in den in den Anlagen verbauten Wechselrichtern entdeckt, die sich aus der Ferne ausnutzen lassen. Darüber wäre es Unbefugten möglich gewesen, nach Belieben von Gleichstrom auf Wechselstrom umzuschalten.

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Die Schwachstellen wurden von Westerhof bereits Ende 2016 im Rahmen einer akademischen Arbeit entdeckt. Vor der Veröffentlichung wurde dem Hersteller, der deutschen Firma SMA, aber Zeit gegeben, sie zu beheben.

Die Lücken hätten Westerhof zugolge ausgenutzt werden können, um in einer koordinierten Aktion das europäische Stromnetz anzugreifen und eventuell sogar lahmzulegen. Das durch die Schwachstellen denkbare Angriffsszenario hat Westerhof nach dem ägyptischen Sonnengott “Horus” benannt und umfassend beschrieben. Denn der Angriff könnte, so Westerhof, “dieselben Auswirkungen wie eine Sonnenfinsternis” haben.

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In Europa sind laut Westerhof Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von über 90 Gigawatt installiert. Ein Angreifer, der den Energiefluss aus einer großen Anzahl dieser Anlagen manipulieren kann, wäre daher in der Lage, Stromspitzen oder Leistungsabfälle im Bereich mehrerer Gigawatt zu verursachen.

Das wiederum hätte erhebliche Auswirkungen auf das gesamte europäische Stromnetz und könnte im großen Maßstab zu Ausfällen führen. Ein so provozierter, großflächiger Ausfall von 3 Stunden könnte an an einem sonnigen Tag im Juni bereits einen Schaden in Höhe von bis zu 4,5 Milliarden Euro verursachen.

Horus-Szenario basiert auf insgesamt 17 Schwachstellen

Der niederländischen Tageszeitung Volkskrant zufolge, die zuerst über Westerhofs Erkenntnisse berichtet hatte, zieht einen Vergleich mit der geplanten aber unprofessionell durchgeführten Abkopplung einer Hochspannungsleitung in Deutschland 2006.

Damals wurden lediglich 5 Gigawatt vom Netz genommen, die Auswirkungen waren erheblich: Nicht nur bis zu zehn Millionen Haushalte waren davon betroffen, sondern auch der Bahnverkehr wurde erheblich beeinträchtigt.

Westerhof hat in der Software der Wechselrichter insgesamt 17 inzwischen behobene Schwachstellen entdeckt, von denen einige als kritisch eingestuft werden, weil sie es Unbefugten erlauben, das Geräte vollständig aus der Ferne zu kontrollieren. 14 der Lücken haben inzwischen CVE-Kennungen erhalten, sie reichen von CVE-2017-9851 bis CVE-2017-9864.

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Der Sicherheitsforscher bemängelt insbesondere, dass es ihm nicht nur grundsätzlich möglich war, die Geräte zu übernehmen, sondern dass es dafür sogar mehrere Wege gab. Anders gesagt: Der Hersteller hat nicht nur geschlafen, sondern in Bezug auf die IT-Sicherheit seiner Geräte nach Ansicht von Westerhof gründlich versagt.

Die Firma SMA ist in ihrem Bereich eines der führenden Unternehmen. Diese Wechselrichter kommen bei rund einem Viertel der in Europa installierten Anlagen zum Einsatz. Die Sicherheitsforscher von ITsec, dem Unternehmen, bei dem Westerhof während der Entdeckung der Lücken arbeitet, weisen zudem darauf hin, dass es sehr wahrscheinlich sei, dass Mitbewerber ähnlich unvorsichtig gewesen sind und sich auch deren Geräte in ähnlicher Weise aus der Ferne angreifen lassen.

[mit Material von Reynald Fléchaux, silicon.fr]

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