Reply fördert IoT-Gründungen

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Oft scheint es, als hätten nur die ganz großen Player oder professionelle Venture-Kapitalisten die Kraft, Start-ups in neuen IT-Bereichen wie IoT ausreichend zu fördern. Die italienische Holding Reply zeigt, dass auch Unternehmen unterhalb der Milliardenschwelle hier etwas leisten können. Sie fördert viele Start-ups, die sich mit Themen rund um IoT beschäftigen.

Viele IT-Spezialisten dürfte die 1996 gegründete italienische Holding Reply noch nicht kennen. Ihre Aktivitäten auf Gebieten wie Internet der Dinge (IoT), Big Data, Cloud und anderen innovativen Bereichen lesen sich wie eine Liste der aktuellsten IT-Technologien. Reply betätigt sich hier als Dienstleister, Berater und Produktentwickler.

Die Struktur der Firma mit Sitz in Italien, die insgesamt über 6000 Mitarbeiter beschäftigt, ist ungewöhnlich: Absichtsvoll gliedert das börsennotierte Unternehmen seine Ländergesellschaften in Tochterfirmen, die hochspezialisiert sind und selbst nur die Größe eines kleineren Mittelständlers erreichen. Der Schwerpunkt der Geschäfte liegt in Europa, aber Reply ist auch in den USA aktiv. Der Gesamtumsatz von Reply betrug 2016 rund 770 Millionen Dollar, davon stammen aus Deutschland 130 Millionen Dollar.

Kunden werden an den am besten passenden Spezialisten verwiesen, der dann die Generalunternehmerschaft für das avisierte Projekt übernimmt. Der sucht sich die über seinen eigenen Leistungsbereich hinaus benötigten Komponenten – sei es nun Programmierleistung, Vernetzung oder was auch immer, bei anderen Konzerntöchtern. Allein in Deutschland sind 26 solcher Tochterunternehmen unterwegs, insgesamt gibt es derzeit rund 80.

Clemens Weis, Geschäftsführer Industrie Reply (Bild: Rüdiger)
“Das am besten geeignete Tochterunternehmen übernimmt die Generalunternehmerschaft und sucht sich seine Partner in der Holding”, Clemens Weis, Geschäftsführer Industrie Reply. (Bild: Rüdiger)

Einmal jährlich holt Konzernchefin Tatiana Rizzante die Führungskräfte der Holding und der Tochterunternehmen zu einem gemeinsamen Workshop, bei dem über die weitere Richtung und Strategie geredet wird. Ansonsten seien die einzelnen Unternehmen relativ eigenständig, sofern sie sich auf ihrem Spezialgebiet bewegen. Damit Mitarbeiter sich intern weiterentwickeln können, gibt es eine Stellenbörse. Wer sich statt für Industrie 4.0 plötzlich eher für Plattformdesign interessiert, kann also in eine andere Tochterfirma wechseln und muss die Holding nicht verlassen.

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Im Bereich IoT gibt es zahlreiche Initiativen und Konsortien, bislang laufen diese Bestrebungen jedoch überwiegend parallel nebeneinander her. Doch damit dies alles überhaupt funktionieren kann, braucht man neben neuen Produkten auch neue Standards – insbesondere für die Kommunikation der Geräte untereinander und für die Sicherheit. silicon.de gibt einen Überblick.

“Wir gründen ständig neu und kaufen auch einmal dazu. Wird eines unserer Tochterunternehmen zu groß, teilen wir es wieder auf. Wir glauben, dass diese kleinteilige Struktur uns flexibler macht und für mehr Kundennähe sorgt”, erklärt Dr. Thomas Hartmann, Vorstand der deutschen Reply AG. Neben fachlichen Spezialisten für Themen wie Augmented Reality, Industrie 4.0 oder Portalen gibt es auch Beratungshäuser und eine Tochterfirma, die sich mit der Förderung neuer Firmen beschäftigt.

IoT-Startups werden gefördert

Der IoT-Inkubator Breed Reply mit Büros in München, London und Mailand fördert derzeit laut Web ein Portfolio von 17 IoT-Startups aus den Gebieten Fitness/Wellness, Sicherheit, Big Data, Produktion, Transport, Energie, Smart Home und Drohnen. Im Erfolgsfall werden diese Start-ups Mitglieder im Reply-Netzwerk. Sie erhalten neben Geld (Seed- und Frühstadienfinanzierung als Minderheitsbeteiligung) Unterstützung bei Positionierung, Markteintritt und Vertrieb. Unter anderem dient ein jährlicher Wettbewerb dazu, neue Förderaspiranten zu finden.

Noch immer kommen ständig neue IoT-Plattformen auf den Markt – möglicherweise eine Chance für findige Newcomer. (Bild: IoT Analytics)
Noch immer kommen ständig neue IoT-Plattformen auf den Markt – möglicherweise eine Chance für findige Newcomer. (Bild: IoT Analytics)

Dass Reply ausgerechnet IoT für seine Förderaktivitäten ausgewählt hat, ist mit Sicherheit kein Zufall. Denn dieser Markt boomt derzeit gewaltig. Einige Daten: Das Marktforschungsunternehmen Marketsandmarkets vom Juni 2017 beziffert das Volumen des IoT-Markts 2017 mit 170 Milliarden Dollar. Bis 2022 sollen es schon 561 Milliarden sein, eine jährliche Wachstumsrate von knapp 27 Prozent.

Das Marktforschungsunternehmen IoT Analytics spricht von derzeit 450 IoT-Plattformen weltweit – Tendenz weiter steigend. Allein der Markt für vorbeugende Wartung soll bis 2022 ein Volumen von 11 Milliarden Dollar haben und jährlich um 39 Prozent zulegen, so ebenfalls IoT Analytics. An der Spitze des Marktes liegen zwar laut dem Analysehaus Firmen wie IBM, Siemens, SAP, Microsoft und GE. Allerdings dürfte die explosive technologische und auch Marktentwicklung auf diesem Gebiet noch eine Weile dafür sorgen, dass auch Neulinge eine Chance haben, wenn ihre Technologie innovativ genug ist. Dasselbe gilt wohl für Themen wie Smart Home, Sicherheit oder Medizin/Fitness.

Einige Beispiele aus dem Portfolio von Reply:

  • Amiko baut eine Gesundheitsplattform, die Daten aus Sensoren an Drogenverabreichungssystemen, etwa Morphium- oder Insulinpumpen mit anderen Daten zusammenbringt, um die Medikation zu verbessern.
  • Callsign hat eine auch nach militärischen Maßstäben sichere mobile Multifaktor-Authentisierungs- und Autorisierungslösung entwickelt, die patentierte Maschinenlern-Mechanismen nutzt, um die Erkennung anhand biometrischer, Verhaltens-, Lokalisierungs- und identitätsmerkmale, kombiniert mit traditionellen Merkmalen, durchzuführen.
  • Cocoon hat ein Gerät entwickelt, das durch das Erkennen auch leisester Geräusche und geringfügiger Vibrationen von einer Stelle aus das gesamte Haus auf ungewöhnliche Aktivitäten überprüft und lernfähig ist, normale Aktivitäten also nach einer Lernphase von nicht normalen unterscheiden kann.
  • Gymcraft kombiniert Fitness und Gaming-Technologien durch Fitness-Spiele, die von den Nutzern zweidimensionalen Bildschirmen oder mit Hilfe von VR-brillen gespielt werden können, während sie gleichzeitig ihre normalen Fitness-maschinen nutzen.
  • Inova Design hat einen “Knopf im Ohr” entwickelt, der alle Vitalsignale und das Bewegungsmuster überwacht und dem Anwender kontinuierlich Daten über seinen Körperzustand liefert.
  • Iotic Labs hat mit Iotic Space eine Internet-Plattform konzipiert, in denen Menschen und Dinge in geschlossenen, sicheren Nutzergruppen zeitweilig oder dauerhaft miteinander interagieren können.
  • Senseye hat mit Prognosys eine Cloud-basierte Lösung mit lernfähigen Algorithmen für die vorbeugende Wartung entwickelt, die auf bereits vorhandene Sensordaten aus digitalen Steuerungen und ähnlichem Equipment zurückgreift. Hersteller und Maschinentyp sind unerheblich.
  • Sentryo liefert Cybersecurity fürs industrielle Internet, M2M (Machine to Machine)-Netze und kritische Systeme. Das Produkt ICS CyberVision überwacht das Netz und beugt Angriffen aus dem Cyberspace vor. Die Lösung ist für die Nutzung durch Sicherheitsingenieure konzipiert und für Unternehmen, die besonders hohen Sicherheitsansprüchen unterliegen.
  • Xmetrics hat einen Aktivitätentracker speziell für Wassersportler entwickelt. Das Gerät ist selbstverständlich wasserdicht und beinhaltete einen Neun-Achsen-Sensor. Es liefert sein Feedback als Audio-Datenstrom, so dass Anwender sofort darauf reagieren können.
  • Wearable Technologies entwickelt intelligente Kleidung, die die Sicherheit und das Wohlergehen von Mitarbeitern in komplexen oder gefährlichen Umgebungen erhöhen soll. Dazu kommt eine “Connected Worker Platform”, wo Daten aus der Überwachung der physiologischen Daten und der Umgebung zusammenlaufen, die sich zum Beispiel in persönlicher Schutzausrüstung, etwa Helmen oder Schutzwesten befinden. Über ein IoT-Mesh-Netz wird zudem eine Kommunikationssystem mit Kollegen, Geräten und Steuerräumen aufgebaut.
  • Zeetta Network bietet eine offene Vernetzungsplattform auf Basis von Standardhardware und der neuen Orchestrierungssoftware NetOS. Sie verwaltet, automatisiert und überwacht das gesamte Netz. Angepeilte Kunden sind Serviceprovider und Unternehmen, die ihre Netzwerkkosten bei gleichzeitig zunehmender Skalierbarkeit und Flexibilität senken wollen.

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