Macht DevOps Unternehmen erfolgreicher?

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Gareth Rushgrove, Principal Software Engineer bei Puppet, gibt im Gastbeitrag für silicon.de Tipps, wie man das Management davon überzeugt, DevOps-Prinzipien einzusetzen. Und er verrät, warum man das tun sollte.

‎Seit einigen Jahren ist der Begriff DevOps allgegenwärtig. Viele, denen dieses Konzept noch fremd ist, können sich jedoch nur schwer vorstellen, was DevOps eigentlich ist und welche Vorteile es mit sich bringt. Hinzu kommt, dass sich DevOps aus der Praxis entwickelt hat und bis heute in hohem Maße von Experten beeinflusst wird.

Zahnrad Automatisierung (Bild: Shutterstock/Jaromir Chalabala)

Daher ist nachvollziehbar, dass das Management in Unternehmen die Bedeutung von DevOps nicht genau einschätzen kann und ihm nicht klar ist, was mit der Einführung von DevOps-Verfahren eigentlich zusammenhängt. Was also bedeutet “DevOps zu machen” und was muss das Management wissen, damit es helfen kann, sein Unternehmen mithilfe von DevOps zu optimieren?

Die Bedeutung des Begriffs “DevOps”

Der Begriff ist eine Zusammensetzung aus “Dev”, für Softwareentwickler (Developer), und “Ops”, für den IT-Betrieb (Operations). Geprägt wurde der Begriff von einer Basisbewegung aus Entwicklern und Operations-Spezialisten, die verändern und verbessern wollten, wie Unternehmen Software entwickeln und nutzen. Ziel war es, die Zusammenarbeit und Kommunikation zu stärken und den Prozess für die Bereitstellung und Änderung der Infrastruktur zu automatisieren.

Die Bedeutung für das Management ist wichtig und für den Erfolg sogar entscheidend, da das Management für die Abstimmung dieser zwei Gruppen verantwortlich ist, sowie für den Aufbau einer Kultur, die für die Umsetzung der DevOps-Prinzipien motiviert.

Warum die Einführung von DevOps-Prinzipien wichtig ist

Um die Anforderungen von Kunden und Benutzern erfüllen zu können, benötigt jedes Unternehmen Software. Die Kunden und Benutzer erwarten Dienste, die zuverlässig und bequem sind, und in regelmäßigen Abständen verbessert werden. Dies erhöht den Druck auf die Unternehmen. Sie müssen immer mehr und immer häufiger für Software-Updates sorgen – bei gleichzeitig steigenden Qualitätsanforderungen.

Checkliste (Bild: Shutterstock/Karuka)

Zugleich wird die Komplexität der IT-Infrastruktur immer größer. Erfolgreiche Manager wissen, dass der Erfolg ihres Unternehmens auch davon abhängt, wie gut ihre IT funktioniert. Es gibt also bereits einen generellen Fokus auf gute Software und zuverlässige Infrastruktur.

Dabei hat sich ein Problem herausgestellt: Die herkömmliche Herangehensweise für die Bereitstellung von Software in Unternehmen ist oft in hohem Maße dysfunktional. Grund dafür ist unter anderem, dass die Anreize für die beteiligten Gruppen, die sehr unterschiedlich sind, nicht aufeinander abgestimmt sind.

Entwickler sind oft in erster Linie daran interessiert, neue Funktionen zur Verfügung zu stellen. Sobald die Software zur Integrierung an das Operations-Team übergeben wird, endet ihre Verantwortung.

Die Aufgabe des Operations-Teams besteht dagegen darin, für eine weitestgehend stabile Infrastruktur Sorge zu tragen. Die Verantwortung, die sie für die Software-Bereitstellung tragen, beginnt mit dem Erhalt der zu Verfügung zu stellenden Software. Neben der Software-Bereitstellung müssen sich die Operations-Teams aber noch um viele weitere Verantwortungsbereiche kümmern. Zu ihnen zählen die Verwaltung von Benutzerkonten, Kosten und der Gesamtkapazität sowie die Gewährleistung der allgemeinen IT-Sicherheit.

Beide Gruppen haben generell gegenteilige Ziele. Das stellt ein Problem dar, das sich nicht nur mit technologischen Methoden beseitigen lässt. Für die Beseitigung der Differenzen zwischen Softwareentwicklern und IT-Betrieb ist eine grundsätzliche Veränderung der Unternehmenskultur notwendig. Dem Management fällt hierbei eine wichtige Rolle zu, da die Führungsebene alle organisatorischen Veränderungen unterstützen muss.

Das Management spielt eine wichtige Rolle

Im aktuellen State of DevOps Report wurde die Rolle des Managements erläutert. Er zeigt auf, dass eine transformative Führung einen gewaltigen Einfluss auf die Geschäftsergebnisse hat. Grundlage des Berichtes ist eine Befragung von mehr als 27.000 Technikspezialisten.

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Digitalisierung des Vertragsmanagements

Verträge und vor allem Vertragsinhalte sind wesentliche Faktoren für den Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens. Dieses Whitepaper behandelt die Aspekte, die für eine Digitalisierung der Vertragsverwaltung sowie damit verbundener Prozesse sprechen und erläutert die Vorteile.

Sie ist eine der am längsten laufenden, größten und umfassendsten Studien, die sich mit den Themen DevOps, IT-Kultur und -Management sowie der gesamten Unternehmensleistung beschäftigt. Der Bericht von 2017 enthält eine Reihe interessanter Ergebnisse, die Unternehmen dabei helfen können, ihre Leistung, Führung und Kultur zu verbessern.

  • Automatisierung verbessert die Leistung – Unternehmen, deren Prozesse zu 72 Prozent automatisiert sind, sind leistungsfähiger. Sie verbringen deutlich weniger Zeit (28 Prozent) mit manuellen Konfigurationsprozessen, und vermeiden somit, dass die Neuerungen und Bereitstellungen behindert werden. Unternehmen mit geringer Leistung verwenden im Vergleich fast die Hälfte ihrer Zeit (46 Prozent) für manuelle Konfigurationen.
  • Führung ist ein zentraler Faktor bei der digitalen Transformation – Teams mit hoher Leistung haben Führungskräfte, die sich vor allem durch ihre Vision, anregende Kommunikation, geistige Anregung, förderndes Führungsverhalten und persönliche Anerkennung hervorheben. In der Kategorie der „High Performer“ sind viele Teams mit transformativer Führung zu finden.
  • Für die Leistungsverbesserung der Unternehmen sind schlanke Produktmanagementprozesse wichtig – Schlanke Produktmanagementprozesse sind hilfreich, um Funktionen liefern zu können die Kunden verlangen. Aufgrund des kürzeren Bereitstellungsprozesses, können Teams ausprobieren und eine Feedbackschleife etablieren die, die Kunden einbindet. So profitiert das gesamte Unternehmen.

Zentrale Punkte für die mittlere Management-Ebene

Entscheidet sich ein Unternehmen für die Einführung von DevOps-Prinzipien und zur Verbesserung der gesamten Unternehmensleistung durch die Abstimmung von Entwicklung und Betrieb, müssen vom mittleren Management drei Bereiche beachtet werden.

1. Denken in Systemen

Hierbei sollte die Leistung des gesamten Systems berücksichtigt werden und nicht nur einzelne Komponenten oder Abteilungen. Wichtig dabei: Optimierungen sollten nicht nur punktuell ansetzen, sondern vielmehr einen ganzheitlichen Durchlauf möglich machen. In einem großen Unternehmensumfeld kann es schwierig sein, ausreichend Informationen zu sammeln, um diese richtig umsetzen zu können. Automatisieren und messen alle Teams ihre Prozesse, und tauschen sich über den Status und die Ergebnisse aus, ist dies leichter machbar.

2. Feedback-Prozesse

Ein weiterer entscheidender Aspekt für eine effektivere Lösung von Problemen und Verbesserung des gesamten Systems ist das Einrichten, Verkürzen und die Verstärkung von Feedback-Prozessen. Da die Umgebung sich ständig verändert, sind schnelle Feedback-Zyklen notwendig, um eine fortlaufende Verbesserung des gesamten Systems zu ermöglichen.

Berater im Gespräch (Bild: Shutterstock/Pressmaster)

3. Lernen und Experimentieren

Das permanente Lernen in einem sich ändernden Umfeld setzt das Experimentieren und Lernen aus Ergebnissen voraus. Eine Reihe von Aspekten macht das Experimentieren erst möglich. Beispielsweise die Automatisierung, die dazu dient, diesen Prozess zu beschleunigen, aber auch Messungen die, die Ergebnisse nachvollziehbar machen. Jedoch bedeutet kontinuierliches Experimentieren sehr viel mehr, als nur Tools und Prozesse. Es muss durch das Management eine Kultur geschaffen und gestärkt werden, die das Experimentieren unterstützt, belohnt und fördert. Sonst wird es in einem Unternehmen keinen Lernprozess und keinen Fortschritt geben.

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Bei der Schaffung und Aufrechterhaltung einer lernfördernden Kultur fällt dem mittleren Management eine entscheidende Rolle zu. Zudem haben mittlere Führungskräfte einen großen Einfluss darauf, ob die notwendigen Änderungen möglich gemacht oder abgelehnt werden.

Welche Rolle spielt das obere Management für DevOps?

Auch das obere Management spielt eine wichtige Rolle bei der Förderung von Ausprobieren und Lernen. Durch es muss der Prozess des Lernens aus Experimenten unterstützt und die Akzeptanz von Fehlschlägen demonstriert werden. Dies führt dann dazu, dass das mittlere Management nachzieht. Falls Experimente fehlschlagen sind sie gewissermaßen ein Erfolg, da sie – falls sie eine Hypothese widerlegen – dem Unternehmen helfen können, wichtige strategische Entscheidungen zu treffen.

Der perfekte IT-Teamleiter für die Digitale Transformation. Chefs, die alle diese fünf Eigenschaften erfüllen, stehen besonders erfolgreichen Teams in leistungsstarken Unternehmen vor. (Bild: Puppet)
Der perfekte IT-Teamleiter für die Digitale Transformation. Chefs, die alle diese fünf Eigenschaften erfüllen, stehen besonders erfolgreichen Teams in leistungsstarken Unternehmen vor. (Bild: Puppet)

Hat die obere Managementebene die Bedeutung des Lernens und dessen Rolle in Bezug auf das Wachstum des Unternehmens akzeptiert, werden mehr Mittel für Forschung, Lernen und Mitarbeiterentwicklung zur Verfügung gestellt. Zur Förderung der Risikobereitschaft und der kreativen Ansätze wird das Belohnungssystem überarbeitet. In einem solchen Umfeld ist es den Mitarbeitern möglich, bedenkenlos Sachen zu erproben und andere Meinungen zu äußern.

Auch haben sie die Möglichkeit, Hypothesen zu vertreten, neue Methoden zur Messung und neue Wege zum Lernen zu entwickeln. Dies hat zur Folge, dass die Mitarbeiter handlungsfähiger und engagierter sind, und darüber hinaus enger in den Erfolg des gesamten Unternehmens eingebunden werden.

DevOps ein Schlüssel zum Unternehmenserfolg

Für zukunftsorientierte Führungskräfte, die ihren Einfluss auf die Leistung von Unternehmen erkennen, entwickelt sich DevOps schnell zu einer zentralen Philosophie. Nicht die Technologien stehen bei DevOps im Vordergrund, sondern die Unternehmenskultur und Prozesse. Folglich ist es entscheidend, dass alle Ebenen des Managements verstehen, was das Einführen von DevOps-Verfahren mit sich bringt. Dies stellt unter Umständen eine Herausforderung dar. Betrachtet man jedoch die Ergebnisse, lohnt es sich sie anzunehmen.

Über den Autor

Gareth Rushgrove Puppet (Bild: Rushgrove)

Gareth Rushgrove ist Principal Software Engineer bei Puppet. Er lebt in Cambridge, UK, wo er an neuen Softwarelösungen arbeitet, die es Menschen einfacher machen, Infrastruktur zu managen. Bevor er zu Puppet kam, arbeitete er für die britische Regierung, für die Government Digital Service (GDS). Dort kümmerte er sich um Infrastruktur, Betrieb und IT-Sicherheit. Er schreibt den wöchentlichen “DevOps Weekly”-Newsletter für Puppet und programmiert auch in seiner Freizeit gern in neuen Programmiersprachen.