Nutanix will auch den IoT-Markt erobern

CloudRechenzentrum

Auf der europäischen Anwenderkonferenz Next2017 präsentierte der Marktführer bei hyperkonvergenten Lösungen unter anderem neue Funktionen der Infrastrukturmanagement-Software Prism und Pläne für die nähere und weitere Zukunft.

“Wir wollen eine Infrastruktur, die für den Administrator vom Core bis zum Edge gleich aussieht und gleich einfach zu verwalten ist. Applikationen werden in Zukunft auf diesen gesamten Bereich verteilt”, umriss Dheeraj Pandey die Zukunftspläne von Nutannix. Sunil Potti, Chief Product Manager, ergänzt: “Die Cloud soll für User und Administrator von Core bis Edge unsichbar werden.”

Nutanix (Bild: Nutanix)

Unternehmenspräsident Sudheesh Nair geht davon aus, dass Nutanix mit der Zeit zum PaaS-Anbieter mutieren werde, allerdings ohne die Absicht, eigene Cloud-Rechenzentren zu betreiben. Vielmehr strebe das Unternehmen enge Kooperationen vor allem zu den Hyperscalern, aber auch lokal oder national wichtigen Cloud-Providern an. So wurde im Juni bereits eine Kooperation mit Google bekannt gegeben. Gründer und CEO Dheeraj Pandey fasste zusammen: “Der Fokus liegt jetzt auf Vereinfachung.”

Wegen der Unmengen von Daten, um die es in Zukunft gerade in IoT-Umgebungen gehe, müsse auch am Edge eine gewisse Verarbeitungsintelligenz bereitgestellt werden, erklärte Raja Mukhopadhyay, Vice President Product Marketing. Zudem brauche man dort vor Ort programmierbare Einzelfunktionen, die nur ereignisbezogen aufgerufen werden.

Dabei müsse es eine übergeordnete Managementebene geben, die für das gesamte System vom Core bis zum Edge zuständig ist und die Kontrolle übernimmt. Daten sollen permanent vom Edge zum Core fließen, um dort ausgewertet und als verdichtete Meta-Intelligenz wiederum zum Edge gespielt zu werden. Dort beeinflussen sie in die zukünftigen, event-basierenden ad-hoc-Entscheidungen und -aktionen. Der Kreislauf stellt sicher, dass alle Entscheidungen immer auf möglichst aktuellen Daten beruhen.

Rund 30 Anbieter kamen zur die Next2017 begleitenden Ausstellung.  (Bild: Rüdiger)
Rund 30 Anbieter kamen zur die Next2017 begleitenden Ausstellung. (Bild: Rüdiger)

Einen Prototyp einer Umgebung für die Erstellung eventgetriebenen Funktionen mit Nutanix zeigte der Hersteller in Nizza bereits: Die erforderlichen Eigenschaften – etwa welche Sensoren einbezogen werden, Überwachungsrhythmus und analytische Kriterien – werden in Dialogfenstern angeklickt oder in einer einfachen, annähernd natürlichsprachigen Notation eingegeben. Ein Knopfdruck, schon steht die Funktion.

Im Beispiel ging es um einen zentral gesteuerten Verbund von zehn Flughäfen. An einem ausgewählten Airport sollte in einem Zeitabstand von 30 Sekunden von allen Kameras in Bereichen, wo regelmäßig Warteschlangen entstehen, ermittelt werden, wie lang die jeweiligen Warteschlangen sind. Der Aufbau der Funktion dauerte eine halbe Minute, sie lieferte sofort danach die gewünschten Daten.

Dheeraj Pandey Nutanix (Bild: Rüdiger)
Nutanix-Gründer und CEO Dheeraj Pandey: “Es geht jetzt um bessere Benutzbarkeit.” (Bild: Rüdiger)

Der Nutanix-Stack fürs Edge soll an die dortigen Anforderungen angepasst werden. Die Hardware kommt von Partnern wie Intel mit seinem Mini-PC NUC oder Dell/EMC mit seinen Edge-Systemen.

Die Basis der oben beschriebenen Produkte sind nach wie vor Nutanix`Acropolis-Hypervisor und Prism. Nutanix teile in Nizza den dort anwesenden 2200 Kunden und Partnern mit, was in Version 5.5 und im Jahr 2018 an Neuerungen kommt. Die wichtigste: Prism wird um die Applikations-Bereitstellungs-Lösung Calm erweitert, die einmal die nahtlose Migration von containerisierten Anwendungen zwischen unterschiedlichen Clouds und damit echtes Multi-Cloud-Computing ermöglichen soll.

Calm kommt zwar mit Prism 5.5, muss aber separat lizenziert werden und soll irgendwann auch ohne Prism, also unabhängig von der Nutanix-Plattform, verfügbar sein. Lizenzen für 25 VMs gibt es umsonst, ansonsten ist das Pricing noch unklar. In der ersten Version ist nur das Deployment von Apps aus Nutanix in beliebigen anderen Nutanix- oder auf AWS möglich.

Folgen sollen dann Google und Azure, dazu wichtige lokale Provider. “Calm ist natives Kubernetes für genetische, containerisierte Apps”, erklärte Billy Ginn, Chief Architect von Nutanix. Deshalb können Anwender auch On-Premises oder in der Google-Cloud auf eine Kubernetes-Schnittstelle zugreifen.

Gleichzeitig eröffnet Nutanix einen Application Marketplace, auf dem der Hersteller und Drittunternehmen Applikationen und Blueprints, also parametrisierbare Anwendungsschablonen, zum allgemeinen Abruf einstellen können. Die Verwaltung dieses Marktes leistet Calm. Kunden können in diesem Appstore auch firmenspezifische Bereiche einrichten, in denen die interne Entwicklungsabteilung ihre Produkte für die Selbstbedienung einstellt. Aktuell verfolgt Nutanix damit kein wirtschaftliches Interesse, das kann sich aber langfristig ändern.

Nutanix Prism 5.5

Für Prism hat Nutanix in der neuen Version 5.5 eine rollenbasierende Zugangskontrolle integriert, derzeit das Standardmodell für halbwegs sichere Unternehmens-IT. Ruhende Daten können jetzt verschlüsselt werden. Administratoren werden sich freuen, dass in Nutanix-Umgebungen nun ohne Zusatzsoftware und über eine sehr einfache Schnittstellemit geringem Aufwand die Einrichtung von Mikrosegmenten möglich ist, die nur eine virtuelle Maschine umfassen müssen.

Die Replikation ist ab Version 5.5 auch echtzeitnah (Near-sync replication) möglich. Die Datenbasis dazu liefern Delta-Snapshots, deren zeitlichen Abstand bis hin zu Sekunden der Anwender in einem einfachen Dialogfenster bestimmt. Nur die ersten beiden Snapshots sind vollständig und erfolgen kurz hintereinander. Die zu replizierende Einheit ist jeweils eine Schutzdomäne. Sie lässt sich vom Admin mit wenigen Klicks einrichten.

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Backup-Anbieter rund um Nutanix – auf der die Next2017 begleitenden Ausstellung waren viele präsent – können sich über verbesserte funktionale Unterstützung freuen. Beispielsweise liefert Nutanix ihnen jetzt auch Informationen über veränderte Datenblocks nach außen, was agentenlosen Backuplösungen inkrementelle Backups ermöglicht.

Auf der Messe konnte Nutanix einen weiteren namhaften Partner aus diesem Bereich verkünden: Veeam, derzeit VM-Backup-Marktführer, bringt demnächst eine Variante speziell für AHV-Umgebungen auf den Markt. Das Unternehmen, das derzeit vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen stark ist, erwartet sich davon besseren Zugang auch zu Großkunden. Viele Nutanix-Anwender kommen aus diesem Segment, beispielsweise die traditionsreiche französische Bank Societé Generale.

Für 2018 geplante Neuerungen

Für 2018 sind weitere Neuerungen in der Pipeline: Angekündigt wurde der Acropolis Object-Storage-Service auf Basis einer S3-Schnittstelle. Verfügbar wird er aber erst im kommenden Jahr sein. Mit dem neuen Service AC2 (Acropolis Compute Cloud), der in AWS-Rechenzentren läuft, können Anwender, ihre Rechenressourcen in Nutanix-Umgebungen unabhängig von der Anschaffung neuer Knoten vergrößern. Für den Zugriff auf Daten verweisen AC2-Ressourcen auf andere Nutanix-Knoten. Damit entfernt sich Nutanix ein Stück weit vom ursprünglichen rein horizontalen Skalierungsansatz.

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Schließlich bringt Nutanix 2018 mit Xi Cloud Services auch DRaaS (Disaster Recoveryas a Service), eine erste Frucht der Kooperation mit Google. In den USA bereits verfügbar, soll er bald nach Europa kommen. Aus dem Management hieß es, dass neben konkreten Implementierungsvorhaben bei den Hyperscalern Google, AWS und Azure Gespräche mit anderen wichtigen Providern laufen. In Italien konnte Nutanix den Cloud-Zweig der Telecom Italia für das Thema begeistern.

Die Services stehen unter der Kontrolle von Nutanix und werden auch von dem Unternehmen abgerechnet. Kunden erhalten keine zusätzliche Rechnung vom Provider für den DraaS-Service oder die durch ihm beim Provider verbrauchten Ressourcen. Dessen Preis steht noch nicht fest.

Wann die Lösungen fürs Edge kommen, wurde noch nicht verkündet. Allzu lange dürfte es beim derzeitigen Nutanix-Tempo aber nicht dauern: Für Calm soll es dank agiler Programmierung alle zwei Wochen neue Funktionen geben.