Fujitsu: Der steinige Weg in die digitale Transformation

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Beim Fujitsu Forum in München standen dieses Jahr vier strategische Themenfelder im Mittelpunkt: Cloud, Industrie 4.0 und IoT, Künstliche Intelligenz und Security. Das wichtigste Gesprächsthema war aber wohl das frisch vereinbarte Joint Venture mit Lenovo für die gemeinsame Entwicklung und Herstellung von PCs und Notebooks.

Schon länger kursierten Gerüchte über die Übernahme der Client-Sparte von Fujitsu durch Lenovo. Am 2. November unterzeichneten beide Unternehmen schließlich ein Joint Venture, das den Verkauf von 51 Prozent der Anteile der Fujitsu-Tochtergesellschaft Fujitsu Client Computing Limited (FCCL) an Lenovo beinhaltet.

Bei FCCL findet Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Notebooks und Desktop-PCs statt, unter anderem auch am deutschen Produktionsstandort Augsburg. Neben Fujitsu mit 44 Prozent ist auch die Development Bank of Japan (DBJ) mit fünf Prozent am Joint Venture beteiligt. Das Joint Venture soll am 2. April 2018 in Kraft treten und ist zunächst auf eine Laufzeit von fünf Jahren angelegt.

Duncan Tait, Corporate Executive Officer, bei Fujitsu, erklärte die Zielsetzungen des am 2. November unterzeichneten Joint Venture mit Lenovo.(Bild: Stefan Girschner)
Duncan Tait, Corporate Executive Officer, bei Fujitsu, erklärte die Zielsetzungen des am 2. November unterzeichneten Joint Venture mit Lenovo. (Bild: Stefan Girschner)

Auf dem Fujitsu Forum in München betonte Rolf Werner, Vorsitzender der Geschäftsführung Deutschland und Head of Central Europe bei Fujitsu, dass mit dem Joint Venture vor allem die Wettbewerbsfähigkeit der PC-Sparte gesteigert werden soll, nicht zuletzt durch bessere Einkaufskonditionen. Im Übrigen wird Fujitsu seine Notebooks und Desktop-PCs weiterhin unter eigenem Markennamen vertreiben und ebenso After-Sales-Dienste sowie Support anbieten. Der Fujitsu-Campus in Augsburg, laut Fujitsu die fortschrittlichste IT-Fertigungsstätte in Europa, ist von dem Joint Venture nicht betroffen. An dem Standort werden täglich nach Bestelleingang bis zu 13.000 Systeme und 8000 Systemboards gefertigt und wöchentlich rund 2500 neue Konfigurationen und Modifikationen umgesetzt.

Neue Business-Notebooks mit Fingerprintsensor

Vielleich auch, um keine Verunsicherung bei Kunden und Partnern aufkommen zu lassen, präsentierte Fujitsu auf dem Forum neue Business-Notebooks der Serien Lifebook E5 und E4, die im Vergleich zu den Vorgängermodellen mit deutlich schlankeren Design daherkommen. Die neuen Lifebooks sind unter anderem mit Intel-Core-Prozesseren der 7. beziehungsweise 8. Generation, Full-HD-Displays, Fingerprintsensoren, Präzisions-Touchpads und einer Handballenauflage ausgestattet.

Das Lifebook E5 ist wahlweise mit einem 15,6 oder 14 Zoll großen Full-HD-Display erhältlich und bietet unter anderem eine hintergrundbeleuchtete Tastatur, USB-C-Ports und ein SIM-Karten-Slot. (Bild: Fujitsu)
Das Lifebook E5 ist wahlweise mit einem 15,6 oder 14 Zoll großen Full-HD-Display erhältlich und bietet unter anderem eine hintergrundbeleuchtete Tastatur, USB-C-Ports und ein SIM-Karten-Slot. (Bild: Fujitsu)

Die Akkulaufzeit des Lifebook E4 soll laut Hersteller bei fast unglaublichen 24 Stunden liegen. Wie bei Business-Notebooks üblich, können einzelne Komponenten wie Speicher, Festplatten, Konnektivitätsmodule und Akku ausgetauscht werden. Die neuen E4- und E5-Modelle sollen im Januar 2018 zu Preisen ab rund 600 Euro zu haben sein.

In seiner Thin-Client-Reihe Futro kündigte Fujitsu vier neue Modelle an, die sich durch eine höhere Leistung und verbesserte Sicherheitsfunktionen im Vergleich zu den Vorgängern auszeichnen sollen. Der Futro 940 ist unter anderem mit der PalmSecure Appliance ausgestattet, einem biometrischem Authentifizierungssystem, das den Anwender anhand seiner Venenmuster erkennt.

Lösungsportfolio für Digitalisierung und Industrie 4.0

Wie auch andere IT-Hersteller fokussiert sich Fujitsu auf seine Cloud-basierten Lösungen und Services. Kernstück ist die OpenStack-basierte Cloud-Plattform K5, die vor einem Jahr präsentiert wurde und seit März 2017 auch in Deutschland verfügbar ist. K5 ist Bestandteil des Business Framework MetaArc, zu dem Analytics- und IoT-Lösungen, Künstliche Intelligenz, IT-Infrastruktur und Managed Services gehören.

Neue Technologien wie Internet of Things, Augmented Reality und Artificial Intelligence erreichen erst in drei bis fünf Jahren ihre disruptive Wirkung. (Grafik: Fujitsu)
Neue Technologien wie Internet of Things, Augmented Reality und Artificial Intelligence erreichen erst in drei bis fünf Jahren ihre disruptive Wirkung. (Grafik: Fujitsu)

Und genau das sind die Technologien, die Unternehmen auf dem Weg zu digitalen Transformation benötigen. Die Cloud-Plattform K5 enthält hierfür vier Servicemodelle, von public über private bis hybrid, die aus dem deutschen Rechenzentrum in Frankfurt bereitgestellt werden. Durch Nutzung der dedizierten private Speicherkapazitäten können Unternehmen die ab Mai 2018 in Kraft tretende europäische Datenschutzverordnung (DSGVO) einhalten.

Fujitsu-Deutschland-Chef Werner erläuterte die Anforderungen der Anwender folgendermaßen: “Eine Cloud-Plattfrom wird von Kunden nicht von heute auf morgen benötigt, sondern nach und nach. Dabei muss zunächst die Legacy-Umgebung überführt werden, um eine Hybrid Cloud einzuführen. Denn Anwender wünschen sich, flexibel auf verschiedene Situationen reagieren zu können.”

Um die digitale Transformation der Unternehmen und insbesondere KI- und Automations-Anwendungen vor Cyber-Angriffen zu schützen, gründete Fujitsu kürzlich eine globale Cyber-Security-Organisation. Auf dem Forum wurde nun als Managed Service ein Cyber Threat Intelligence Service vorgestellt.

Der Cloud Service K5 wird entweder über Rechenzentren von Fujitsu bereitgestellt oder kann als On-Premise-Lösung im eigenen Rechenzentrum genutzt werden. (Grafik: Fujitsu)
Der Cloud Service K5 wird entweder über Rechenzentren von Fujitsu bereitgestellt oder kann als On-Premise-Lösung im eigenen Rechenzentrum genutzt werden. (Grafik: Fujitsu)

Neben den Cloud Services konzentriert sich Fujitsu mit seinem Lösungsportfolio vor allem auf die Bereiche Industrie 4.0 und IoT. So nahm im Juni 2017 das erste Industrie-4.0-Kompetenzzentrum in München seinen Betrieb auf. Hier erhalten produzierende Unternehmen Beratung und Lösungen zu den Bereichen Collaborative Engineering, Edge Computing, IoT und Industrial Analytics sowie Industrial Cyber Security, um Smart-Factory-Konzepte erfolgreich in die Praxis umsetzen zu können.

“Mit dem Industrie-4.0-Kompetenzzentrum können wir zeigen, dass wir ein globaler IT-Anbieter sind. Unseren Kunden möchten wir einen methodischen Ansatz geben, wie sie die IT weiterentwickeln können”, erklärte Werner auf dem Forum. Ziel sei es, durch die Digitalisierung vorhandene Medienbrüche zu überwinden. Ein Beispiel für die Smart Factory ist die Einführung von RFID-Funketiketten anstelle von Papierausdrucken, um Produktion und Logistik effizient steuern zu können. So ermöglicht ein bidirektionaler Datenverkehr die Darstellung der erforderlichen Informationen in Echtzeit.

Edge-Computing-Appliance unterstützt industrielle IoT

Ein weiterer Baustein im Industrie-4.0 und IoT-Lösungsportfolio ist die neue Plattform “Intelliedge”. Sie dient als Brücke zwischen Operational Technology (OT) und IT. Mit Intelliedge sollen sich unter anderem “digitale Zwillinge” erstellen lassen, indem die Plattform Maschinendaten und Künstliche Intelligenz mit Sensordaten aus industriellen Anlagen verbindet.

Die Appliance A700 ist eine integrierte Hardware- und Software-Plattform für das Sammeln, Filtern und die Analyse von IoT-Daten. (Bild: Fujitsu)
Die Appliance A700 ist eine integrierte Hardware- und Software-Plattform für das Sammeln, Filtern und die Analyse von IoT-Daten. (Bild: Fujitsu)

Die Edge-Computing-Lösung gibt es in zwei Varianten, die übrigens in Deutschland entwickelt und hergestellt werden: Als Gateway Intelliedge G700 und als Appliance Intelliedge A700. Das Gateway Intelliedge G700 ist in erster Linie eine flexibel konfigurierbare Hardware-Basis. Auf ihr lasen sich kundenspezifische Lösungen, etwa auf Windows 10 IoT, aufbauen.

Die ebenfalls anpassbare Appliance Intelliedge A700 basiert auf einer von Fujitsu entwickelten Open-Source-Software. Sie kommt mit vorgefertigten Applikationsbeispielen und wird über eine zum Lieferumfang gehörende Management-Konsole gesteuert, die auch in der firmeneigenen IT-Umgebung ausgeführt werden kann. Die einzelnen Applikationen können in isolierten Sandboxen laufen, so dass unterschiedliche Abteilungen unabhängig voneinander darauf zugreifen können.

Die Intelliedge-Plattform unterstützt Edge Computing zur Verbindung von Operational Technology (OT), Daten und Informationstechnologie. (Bild: Fujitsu)
Die Intelliedge-Plattform unterstützt Edge Computing zur Verbindung von Operational Technology (OT) und Informationstechnologie. (Bild: Fujitsu)

Mit Intelliedge lassen sich also zum Beispiel Daten, die von Anlagen in OT-Umgebungen wie der Produktion, bei der Stromerzeugung oder in der Öl- und Gasindustrie generiert werden, vor Ort sammeln und filtern. Das Gateway G700 als flexibel konfigurierbare Hardware ermöglicht die Anbindung einer Vielzahl von IoT-Geräten, die Appliance Intelliedge A700 sorgt dafür, dass ein großer Teil der Daten nah an den Erzeugern verarbeitet wird. Das ist vor allem in Szenarien mit schmalen Bandbreiten oder erforderlichen kurzen Reaktionszeiten – etwa bei der Steuerung von OT – wichtig.

Mehr Leistung für unternehmenskritische Anwendungen

Die Hardware-Basis jeder digitalen Transformation stellen Server dar. Und das Server-Geschäft gehört für Fujitsu nach wie vor zu den wichtigen Geschäftsfeldern. So wurden als Neuheiten die Servermodelle Primequest E und Primergy M4 für unternehmenskritische Anwendungen präsentiert, ausgestattet mit neuesten Prozessen der Reihe Intel Xeon Scalable Range. Die neuen Modelle Primequest 3800E und 3400E zeichnen sich durch die neue “7HE-Bauform” aus, die eine deutlich erhöhte Rechenleistung auf kleinerem Raum und mit geringerem Energieverbrauch ermöglichen soll. Zudem sollten erweiterte Remote-Access-Service-Funktionen für eine hohe Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit in unternehmenskritischen Situationen sorgen.

Der Dual-Socket-Tower Primergy TX2550 M4 bietet bis zu 786 GByte DDR4-Arbeitspeicher; die Speicherkapazität lässt sich auf bis zu 32 SSD/HDD-Laufwerken mit RAID erweitern. (Bild: Fujitsu)
Der Dual-Socket-Tower Primergy TX2550 M4 bietet bis zu 786 GByte DDR4-Arbeitspeicher; die Speicherkapazität lässt sich auf bis zu 32 SSD/HDD-Laufwerken mit RAID erweitern. (Bild: Fujitsu)

Die x86-Primergy-Modelle TX2550 M4 und RX2520 M4 decken ein breites Anwendungsspektrum ab. Der Dual-Socket-Tower TX2550 M4 als Flaggschiff eignet sich insbesondere für die Nutzung von Kollaborationsplattformen, für virtualisierte Anwendungen und Anwendungen mit besonders hohem Bedarf an Speicherplatz. Das kosteneffiziente Einstiegsmodell, der Rack-Server RX2520 M4, eignet sich laut Fujtsu für sämtliche Basis-Business-Anwendungen.