Pentagon-Daten auf ungesicherten Amazon-Servern gefunden

RegulierungÜberwachung

Das dort abgelegte Archiv enthält zahlose Einträge aus Internetforen und Sozialen Medien von Nutzern weltweit. Offenbar wurden die Daten für das Zentralkommando der US-Streitkräfte gesammelt. Ungeschützt abgelegt hat sie ein Dienstleister des Pentagon.

Chris Vickery vom Sicherheitsanbieter UpGuard hat erneut ungesicherte Daten auf Servern von Amazon S3 gefunden. Eigentümer der Daten ist diesmal offenbar das US-Verteidigungsministerium. Das hat die fraglichen Daten jedoch nicht selbst auf den Amazon-Servern gespeichert. Verantwortlich dafür ist offenbar ein Zulieferer des Pentagon.

Datenverlust (Bild: Shutterstock)

Insgesamt soll es sich um drei cloudbasierte Storage Server handeln, deren Daten ungesichert und damit für jedermann öffentlich zugänglich waren, wie Ars Technica berichtet. “Die Datenbanken scheinen Milliarden von öffentlichen Internet-Beiträgen und Nachrichtenkommentaren zu enthalten”, heißt erklärt Vickery im Blog von UpGuard. Gesammelt wurden sie von Centcom und Pacom, zwei Abteilungen des Pentagon. Sie sind unter anderem für militärische Operationen im Nahen Osten, Asien und im Südpazifik verantwortlich sind.

Eine der Datenbanken beinhaltet alleine 1,8 Milliarden Einträge aus Internetforen, Social Media Sites und den Kommentarbereichen von Online-Zeitungen. Sie wurden in den vergangenen acht Jahren von Nutzern aus mehreren Ländern in verschiedenen Sprachen verfasst.

UpGuard zufolge werfen die vom Department of Defense gesammelten Daten auch Fragen nach möglichen Verstößen gegen den Datenschutz und Bürgerrechte auf. Ein Teil der Daten verweise zwar tatsächlich auf bekannte sicherheitsrelevante Regionen wie Irak und Pakistan, der größte Teil der Daten seien jedoch harmlose Beiträge von US-Bürgern. “Außerdem bleibt unklar, warum und für welchen Zweck die Daten angehäuft wurden, was es sehr wahrscheinlich macht, dass die meisten Beiträge von gesetzestreuen Bürgern weltweit stammen.”

Ausgewähltes Whitepaper

Cloud-Provider-Wahl ist Vertrauenssache

Inzwischen gibt es auch in Deutschland zahlreiche lokalisierte Angebote und Rechenzentren, auf die Anwenderunternehmen bei Cloud-Angeboten zurückgreifen können. Die Ergebnisse einer umfassenden Umfrage zeigen, auf welche Aspekte sie dabei besonders Wert legen.

Entdeckt wurden die Daten bereits am 6. September. Sie waren für jeden registrierten AWS-Nutzer einsehbar. Das dafür benötigte Konto sei kostenlos erhältlich, so UpGuard. Die verwendeten Subdomains “centcom-archive” und “pacom-archive” verwiesen zudem jeden auf den brisanten Inhalt der Datenbanken.

Wer für die Datenpanne verantwortlich ist, ist nicht bekannt. Einstellungen einer Datenbank erwähnen einen Lieferanten namens Vendor X LLC. Eine Internetsuche lieferte UpGuard zudem Hinweise auf ein Outpost genanntes Projekt des US Central Command (Centcom). Es wird als eine “mehrsprachige Plattform” beschrieben, deren Aufgabe es sein soll, die Meinungsbildung von Jugendlichen in instabilen Regionen zu beeinflussen.

Ausgewähltes Whitepaper

EU-Datenschutzgrundverordnung: Warum Insellösungen keine Lösung sind

Ende Mai 2018 endet die Übergangsfrist für die EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO). Dann greifen in Europa die neuen, strengen Datenschutzregelungen. Firmen, die dagegen verstoßen, drohen Strafen bis zu 20 Millionen Euro oder 4 Prozent ihres Jahresumsatzes. Vor dem Hintergrund ist eine umfassende Gesamtstrategie gefragt.

UpGuard kritisierte zudem die Sicherheitseinstellungen für die Datenbanken. Nur eine einzige Berechtigung hätte demnach anders gesetzt werden müssen, um den Datenverlust zu verhindern. “Wenn kritische und sehr vertrauliche Informationen von der Regierung oder von Dritten, denen die Daten anvertraut wurden, nicht geschützt werden können, betreffen die Konsequenzen nicht nur die verantwortlichen Regierungsbehörden und Lieferanten, sondern jeden, dessen Informationen oder Internetbeiträge gesammelt wurden.”

Es ist nicht der erste Fund des Sicherheitsexperten Chris Vickery. Im Oktober wurde bekannt, dass Daten von Accenture ungeschützt auf Amazon-Servern lagen. Zuvor hatte UpGuard bereits ähnliche Fehler und Datenverluste von Verizon, einem Lieferanten der Republikanischen Partei der USA und einer Tochter des Medienunternehmens Thomson Reuters veröffentlicht.